Hans-Josef Fell
Technik | Energie, 21.10.2025
Solarstrom statt Erdgasstrom
Hans-Josef Fell ruft zur Kampagne für den Erhalt der Solarstromförderung auf
Das EEG mit seiner festen Einspeisevergütung ist das erfolgreichste Klimaschutzgesetz aller Zeiten. Es hat allen Erneuerbaren Energien aber insbesondere der Solarenergie zu einem historischen Durchbruch verholfen: Heute liegt die Ökostromerzeugung in Deutschland bei etwa 60 % der Stromerzeugung und Wind- und Solarenergie sind die billigste Art der Stromerzeugung geworden. Nun will Wirtschaftsministerin Reiche den Ausbau der Erneuerbaren Energien bremsen und insbesondere bei kleinen Dachanlagen die erfolgreiche feste Einspeisevergütung abschaffen. Gleichzeitig will sie neue, klimaschädliche Erdgaskraftwerke mit viel Steuergeldern unterstützt bauen lassen.
Auch weltweit ist der Siegeszug der Erneuerbaren Energien nicht mehr aufzuhalten, erstmals hat im ersten Halbjahr 2025 die Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien die aus Kohlekraftwerken übertroffen. Mit welcher Vehemenz Reiche den Klimaschutz nun torpedieren will, um die fossilen Geschäfte, insbesondere um Erdgas, weiter auszubauen, ist daher umso erschreckender.
Die dramatisch beschleunigte Erdaufheizung braucht eine Beschleunigung des EE-Ausbaus, kein Bremsen
Dabei wäre eine Beschleunigung des Ausbaus der Erneuerbaren Energien notwendig, um bald, möglichst bis 2035, das Ziel einer emissionsfreien Energieversorgung mit 100 % Erneuerbaren Energien zu erreichen. Das geht nur, wenn keine Erdgaskraftwerke gebaut werden und der Mix aus allen Erneuerbaren Energien und Speichern die Systemsicherheit selbst übernehmen kann.
Dafür sprechen viele Gründe: keine weitere Industrieabwanderungen nach China, kein Einbruch der Geschäfte der SolarhandwerkerInnen und damit keine Schaffung von Arbeitslosigkeit. Schon diese wirtschaftlichen Gründe sprechen gegen Reiches Ausbremsvorhaben.
Aber insbesondere die sich dramatisch schnell aufheizende Erdtemperatur erfordert einen umgehenden Stopp aller Treibhausgasemissionen – also konsequentes, beschleunigtes Handeln.
So ist auf dem Extremwetterkongress in Hamburg kürzlich Alarm geschlagen worden: Es ist nicht mehr auszuschließen, dass sich die Temperatur der Erde schon um 2050 auf 3°C über dem vorindustriellen Niveau aufheizen könnte.
Auch die Energie Watch Group hatte schon vor kurzem vorgerechnet, dass 2°C mit hoher Wahrscheinlichkeit schon um 2032 überschritten sein werden.
Kampagne: Solarstrom statt Erdgasstrom
Der VEEG e. V. – Verband EnergieErzeugende Gebäude – hat daher zusammen mit der Energy Watch Group eine Kampagne angestoßen. Der Kern der Kampagne ist eine Briefaktion, die alle BürgerInnen, HandwerkerInnen und andere UnternehmerInnen unterstützen sollten.
Möglichst viele Briefe sollten an die Wahlkreisabgeordneten des Bundestags gesendet werden, damit sie auf den kommenden Einbruch des EE-Ausbaus aufmerksam werden und dann in den Bundestagsgremien in Berlin dagegenhalten.
Der Brief sollte die persönliche Betroffenheit zum Ausdruck bringen, sei es die Sorge um das Klima oder die Sorge um die auf dem Spiel stehenden Arbeitsplätze und Geschäftstätigkeiten.
Außerdem werden die Briefe gesammelt, um daraus eine öffentlichkeitswirksame Aktion stiften zu können. Der Brief wird zudem über die Kampagnenseite physisch an die Bundestagsabgeordneten direkt verschickt. Sie müssen den Brief nur online über die Kampagnenseite bestätigen.
Hier finden Sie die Details zur Briefaktion: www.aktionsolarstrom.de
Auf der Aktionsseite finden Sie auch ein Positionspapier zum Download, in dem die wichtigsten Argumente nochmals aufgeführt sind. Sie können sie gerne in Ihrem Brief verwenden. Aktuell sind schon fast 2.000 Briefe versendet worden.
Das ist gleichzeitig eine gute Gelegenheit, auch ein breites Bewusstsein zu schaffen, was alles mit den Ankündigungen von Ministerin Reiche auf dem Spiel steht. Der Ausbau der Erneuerbaren Energien muss vorangetrieben weitergehen, neue Arbeitsplätze geschaffen werden, statt bestehende abzubauen, und vor allem muss der dringend erforderliche Klimaschutz beschleunigt werden.Hans-Josef Fell ist forum-Kurator und war von 1998 bis 2013 Mitglied des Deutschen Bundestages für Bündnis 90/Die Grünen. Als Mitautor des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) in Deutschland hat er maßgeblich zur Entwicklung von Photovoltaik, Biogas, Windkraft, Wasserkraft und Geothermie beigetragen und die Grundlage für eine nachhaltige Energiepolitik in über 60 Nationen gelegt. Heute ist er Initiator und Präsident der Energy Watch Group, einem Think Tank für Klimaschutz.
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