Garten-PV - Grüner Strom aus eigenem Anbau.
Technik | Energie, 30.09.2025

Ungenügender Ausbau der Stromnetze bremst Energiewende

Schon jetzt fehlt der Strom an allen Ecken und Enden und der Bedarf für e-Mobilität, Wärmepumpeneinsatz und Elektrifizierung der Industrie wird massiv weiter ansteigen

In einer aktuellen Studie greift die Fachgruppe Kommunaler Klimaschutz der Scientists for Future die Frage auf, ob wir beim Ausbau der Stromnetze sparen können oder sollten. Das Ergebnis ist klar: „Die Energiewende wird aktuell eher durch zu langsamen und ungenügenden Ausbau der Stromnetze gefährdet", so das Fazit der Autoren. 

© Thomas Ritter; Pixabay.comDort zu sparen hieße am falschen Ende sparen, unzureichender Ausbau blockiert und verzögert die Energiewende und gefährdet die Energieversorgung der Bürger und der Wirtschaft, da helfen auch keine neuen Batteriespeicher. Es droht eine widersinnige Situation: Während im Norden Windenergie im Überschuss vorhanden sein kann, müssten im Süden Gaskraftwerke mit Erdgas anlaufen, weil das Netz (wie auch der grüne Wasserstoff) fehlt. Ein zügiger Netzausbau würde dem abhelfen, keinesfalls dürfe man am Stromnetz sparen, sagt die Fachgruppe kommunaler Klimaschutz der Scientists4Future: 

Können wir beim Ausbau der Stromnetze sparen?
Ein Unternehmen will von Erdgas auf Strom umstellen, bekommt aber keinen 20 MW -Stromanschluss, weder für eine Großbatterie noch für einen Power-to-Heat Kessel. Ein Logistik-Unternehmen will die Güterverteilung auf E-Lkw umstellen, bekommt aber keinen Anschluss für die Ladestationen. Ein ganzer Landkreis stellt bei der Wärmeplanung fest, die Nutzung von Umweltwärme mit Wärmepumpen sei unmöglich, da sowohl das Hoch- und Mittelspannungsnetz, als auch das Niederspannungsnetz hin zu den Haushalten zu schwach dafür seien. 

Gleichzeitig werden Konzepte vorgestellt, wie durch dezentrale Maßnahmen der geplante Ausbau der Fernübertragungsnetze deutlich reduziert und dabei viel Geld eingespart werden könne. Es werden Batteriespeicher angeführt, die durch Photovoltaik und Windkraft anfallende Stromspitzen aufnehmen und die sofortige Weiterleitung über das Übertragungsnetz überflüssig machen würden. 

Doch selbst wenn sowohl Batteriespeicher, als auch die Verbraucher nahe an der Erzeugungsstelle liegen, sind für die Weiterleitung des Stroms ausgebaute regionale und lokale Hoch-, Mittel- und Niederspannungsnetze nötig. Außerdem reicht die Kapazität von Batterien allenfalls für einige Stunden Stromersatz aus. Bei Dunkelflauten und Kälteperioden über mehrere Tage oder gar Wochen müssen über eine längere Zeit größere Strommengen zur Verfügung gestellt werden, etwa um im Winter die zahlreichen Wärmepumpen mit Strom zu versorgen. Und sollte einmal eine Dunkelflaute bundesweit auftreten, dann muss ein hoher Anteil des Stroms für ganz Deutschland über das Fernübertragungsnetz und den europäischen Stromnetzverbund fließen. 

Gelingt das, würde es die Menge zusätzlich notwendiger Gaskraftwerke reduzieren. Deren Versorgung mit grünem Wasserstoff steht bisher ohnehin in den Sternen steht und wird von der Bundesregierung nicht mehr eingeplant. Diese Gaskraftwerke sollen den Strom in Erneuerbare-Energien(EE)-Strommangelzeiten liefern. Derzeit ist es oftmals so, dass bei EE-Stromüberschuss im Norden, dieser Strom abgeregelt wird, weil er weder ins Übertragungsnetz noch in die lokalen und regionalen Netze eingespeist werden kann, während im Süden die Gaskraftwerke anspringen um den Bedarf zu decken. 

Insofern darf der Ausbau der Stromnetze über alle Ebenen nicht eingeschränkt werden, wie die Fachgruppe Kommunaler Klimaschutz der Scientists for Future in einer ausführlichen Analyse darstellt. „Die Energiewende wird aktuell eher durch zu langsamen und ungenügenden Ausbau der Stromnetze gefährdet", so das Fazit der Autoren. Schon jetzt fehlt der Strom an allen Ecken und Enden und der Bedarf für e-Mobilität, Wärmepumpeneinsatz und Elektrifizierung der Industrie wird massiv weiter ansteigen, falls wir Deutschland nicht als Wirtschaftsstandort aufgeben wollen.


Quellen:

Kontakt: Scientists4Future, Markus Feilner | mfeilner@scientists4future.org | de.scientists4future.org



     
        
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