66 seconds for the future - forum zeigt Zukunftsgestalter:innen und Nachhaltigkeitspionier:innen
Umwelt | Klima, 17.09.2025

Zügige Vereinbarung der EU-Klimaziele wichtig für Klimaschutz weltweit

Germanwatch zum EU-Umweltrat

  • Vor EU-Umweltrat morgen: Germanwatch fordert Führungsrolle der Bundesregierung für ein europäisches 2035-Klimaziel von minus 76 Prozent
  • Internationales Ansehen der EU-Klimapolitik steht auf dem Spiel
© Sebastien Marty; Pixabay.comDie Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch fordert vor dem morgigen EU-Umweltrat eine zügige Vereinbarung der Klimaziele der EU für 2035. Christoph Bals, Politik-Vorstand von Germanwatch: „Aus deutscher Sicht sollte es sich um eine Formalie handeln. Der Vorschlag, über den gesprochen wird, ist eins-zu-eins kompatibel mit dem Koalitionsvertrag. Es ist gut, dass sich Umweltminister Schneider so deutlich für den Kompromissvorschlag der dänischen Ratspräsidentschaft einsetzt. Sollte Kanzler Merz das nun nicht unterstützen, setzt er die notwendige und im Pariser Klimaabkommen vereinbarte Ambitionssteigerung  bei der Emissionsreduktion aufs Spiel –  und damit auch das internationale Ansehen der EU und Deutschlands. In Zeiten weltweiter Führungsschwäche beim Klimaschutz braucht es jetzt einen zur Führung bereiten Bundeskanzler, kein Zaudern."

Bals weiter: „Die internationale Führungsrolle der EU hängt auch davon ab, wie ambitioniert ihre Klimaziele für 2035 und 2040 ausfallen. Der Europäische Klima-Beirat hatte sogar ein höheres Ziel für 2040 gefordert als das jetzt zur Debatte stehende Ziel von 90 Prozent Reduktion inklusive Anrechnung internationaler Gutschriften. Hohe Klimaschutz-Ambitionen würden bei guter Umsetzung die Wettbewerbsfähigkeit der EU stärken und Abhängigkeiten von fossilen Autokratien massiv reduzieren. Die EU sollte daher den Zielvorschlägen der Wissenschaft folgen."

Wenn EU-Ziele abgeschwächt würden, drohe Deutschlands Industrie sogar eine Sonderbelastung. „Deutschland ist nach höchstrichterlicher Rechtsprechung auf nationaler Ebene ohnehin zu mehr Ambition verpflichtet", betont Bals. Derzeit sind zudem unter anderem von Germanwatch unterstützte Klagen vor dem Bundesverfassungsgericht gegen mögliche Aufweichungen des Klimaschutzes zulasten junger Generationen anhängig.

 „Bei der Weltklimakonferenz COP30 in Brasilien können Deutschland und die EU ohne eigene ambitionierte Klimaziele keine ausreichenden Verpflichtungen von anderen erwarten", sagt Petter Lydén, Bereichsleiter für Internationale Klimapolitik bei Germanwatch. „Das Ziel der EU für 2035 sollte bei 76 Prozent Emissionsminderung liegen. Es ist ökonomisch sinnvoll, in der ersten Hälfte der 30er Jahre etwas schneller vorzugehen, um den schwierigeren Part danach besser meistern zu können. Das absolute Minimum wären 72,5 Prozent. Dorthin gelangt man, wenn man von 2030 bis 2040 gleichmäßig reduziert. Alles darunter wäre nach unserer Einschätzung sogar grundgesetzwidrig."

Risiken der CO2-Zertifikate durch klare Kriterien begrenzen
Charly Heberer, Referent für EU-Klimapolitik bei Germanwatch: „Der Handel internationaler Zertifikate ist für den Klimaschutz und die Glaubwürdigkeit der EU-Klimapolitik ein teures Hochrisikogeschäft. Der neue Vorschlag der dänischen Ratspräsidentschaft hat auf Druck einiger Mitgliedstaaten die Tür dafür noch weiter geöffnet. Es muss aber gelingen, den Einsatz von qualitativ hochwertigen Zertifikaten auf unvermeidbare Restemissionen zu begrenzen. Dafür sollten die fachlich zuständigen Ministerinnen und Minister im EU-Umweltrat sorgen. Womit sich hingegen die Staats- und Regierungschefs schnell beschäftigen sollten: Wie sie ihren gemeinsamen Mehrjährigen Finanzrahmen so gestalten wollen, dass er denen hilft, die wenig finanzielle Mittel haben. Auch diese Menschen müssen in der Lage sein, klimafreundlicher zu produzieren, sich fortzubewegen oder ihre Wohnung zu heizen. Von der Kommission kommt dazu bislang vor allem Schweigen oder sogar Rückschritte, wie etwa der Vorschlag, den Just Transition Fund einzustampfen."  

Kontakt: Germanwatch e.V., Stefan Küper | kueper@germanwatch.org | www.germanwatch.org



     
        
Cover des aktuellen Hefts

Zukunft braucht Frieden

forum 02/2026 ist erschienen

  • Geopolitische Spannungen, Aufrüstung und Unsicherheit prägen Märkte und Investitionsentscheidungen wie lange nicht. Die neue Ausgabe von forum future economy setzt bewusst einen Kontrapunkt: Sie gibt Stimmen Raum, die für Diplomatie, Deeskalation und zivile Lösungen eintreten – weil wirtschaftliche Stabilität ohne Frieden nicht denkbar ist.
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
10
MÄR
2026
Rechtliche Aspekte der Kreislaufwirtschaft
Kreislaufwirtschaft zwischen Green Deal und Praxis
kostenfreies Webinar
11
MÄR
2026
Circular Valley Convention 2026
Gestalten Sie mit uns die Zukunft der Kreislaufwirtschaft - Ticketrabatt für forum-Leser*innen!
40474 Düsseldorf
21
APR
2026
Sustainable Economy Summit
Rückenwind für die Wirtschaft der Zukunft
10117 Berlin
Alle Veranstaltungen...
forum goes international! Download the international edition for forum free of charge.
Anzeige

Professionelle Klimabilanz, einfach selbst gemacht

Einfache Klimabilanzierung und glaubhafte Nachhaltigkeitskommunikation gemäß GHG-Protocol

Politik

Das Recht des Stärkeren
Christoph Quarchs philosophische Analyse zum US-Angriff auf Venezuela
B.A.U.M. Insights
Lassen Sie sich begeistern von einem Buch, das Hoffnung macht.

Jetzt auf forum:

Nachhaltig Ostern feiern

Gemeinsam Städte zukunftsfähig machen

No Healthy Soil, no Future

Freiheit des Saatguts ist Freiheit des Lebens

Wie sieht eine "Wahre Wirtschaft" aus?

Was würde ohne Frauen eigentlich stillstehen?

Mikroplastik-Alarm: Neue Studien zu PET-Recycling und alternative Lösungen

Nachhaltige Textilkreisläufe

  • TÜV SÜD Akademie
  • Engagement Global gGmbH
  • SUSTAYNR GmbH
  • circulee GmbH
  • NOW Partners Foundation
  • BAUM e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften
  • Global Nature Fund (GNF)
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • WWF Deutschland
  • Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG
  • Protect the Planet. Gesellschaft für ökologischen Aufbruch gGmbH
  • Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V. (BNW)
  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig