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Potential für Waldschutz - aber nur mit höchsten Standards und zusätzlichen Mitteln

Germanwatch zu neuer Concept Note 3.0 der Tropenwald-Initiative TFFF

Deutschland sitzt als potenzieller Investor und Mitglied im vorläufigen Entscheidungsgremium und muss die Initiative richtungsweisend beeinflussen / klare Umwelt- und Sozialstandards müssen definiert werden

© Rosina Kaiser, pixabay.comDie Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch begrüßt, dass Brasilien gestern die dritte Fassung des Konzepts  für die Tropical Forest Forever Facility (TFFF) als ein neues Finanzierungsinstrument für den globalen Tropenwaldschutz vorgestellt hat. Brasilien hat einige der vorausgegangenen Kritikpunkte aufgegriffen, doch zum Finanzierungsmodell bestehen vor dem Start der Initiative weiterhin Bedenken. „Die Idee des TFFF birgt deutliches Potenzial. Sie liefert langfristige Anreize für den Erhalt von Tropenwäldern, ermöglicht die Mobilisierung privaten Kapitals für Klima- und Biodiversitätsschutz, ohne ärmere Länder zu verschulden. Zudem soll ein Teil der Gelder direkt an indigene Völker und lokale Gemeinschaften fließen”, sagt David Ryfisch, Bereichsleiter für Zukunftsfähige Finanzflüsse bei Germanwatch.

Klare Standards entscheidend
Positiv ist, dass laut Concept Note 3.0 nun Investitionen in Kohle, Torf, Öl und Gas ausgeschlossen werden sollen. Zudem sollen Aktivitäten mit „erheblichen" Umweltauswirkungen oder solche, die die übergeordneten Ziele der TFFF „wesentlich" beeinträchtigen, nicht Teil des Investitionsprofils sein. „Das ist ein wichtiger Fortschritt gegenüber den ursprünglichen Plänen – bleibt aber schwammig und lässt Schlupflöcher offen”, betont Julia Grimm, Referentin für Klimafinanzierung bei Germanwatch. „Wo genau die Grenze für Umwelt- und Sozialstandards gezogen wird, ist weiterhin unklar. Die vollständige Verbotsliste für TFFF-Investitionen und der entsprechende Überwachungsmechanismus bleiben bislang unter Verschluss. Beides muss öffentlich zugänglich gemacht werden. Erst dann kann beurteilt werden, wie robust die Umwelt- und Sozialstandards der TFFF tatsächlich sind. Deutschland muss eine klare rote Linie ziehen gegenüber potentiellen Schlupflöchern für Investitionen, die Klima, Biodiversität oder Menschenrechte gefährden”, fordert Grimm.

TFFF-Finanzmodell birgt Risiken – Geber müssen Fairness sichern
Die TFFF soll mit 25 Milliarden US-Dollar an Investitionen aus Ländern wie Deutschland rund 100 Milliarden US-Dollar privates Kapital mobilisieren. Aus den Renditen dieser Investitionen sollen jährlich etwa 4 Milliarden US-Dollar an Tropenwaldländer fließen - als Kompensation für erhaltene Wälder. Eine Kernfrage bei der Ausgestaltung ist, wie ambitionierte Umwelt- und Sozialstandards mit den Renditeanforderungen des Finanzierungsmodells in Einklang gebracht werden können. Denn es gibt Zweifel, ob die kalkulierte Gewinnmarge der TFFF haltbar ist – weil die Kalkulation auf sehr optimistischen Annahmen beruht und bereits kleine Abweichungen bei Zinsen, Wechselkursen oder Zahlungsausfällen das Modell ins Wanken bringen könnten. Jene, die dann zuerst verzichten müssten, wären die Tropenwaldländer, die trotz erfolgreichem Waldererhaltes keine Zahlungen bekommen würden. Germanwatch sieht hier Handlungsbedarf: „Das Finanzmodell bedarf noch dringend weiterer Überarbeitungen. Die TFFF muss nicht risikofrei sein, aber fairer und tragfähiger, damit Tropenwaldländer eine höhere Sicherheit haben, auch wirklich zu profitieren. Mögliche Beitragsländer wie Deutschland sollten schauen, wie sie mit verschiedenen Finanzinstrumenten die Risiken reduzieren können”, betont Ryfisch.

Kein Ersatz für öffentliche Klimafinanzierung
Germanwatch warnt zudem: Die TFFF darf nicht dazu führen, dass andere dringend benötigte Finanzierungen für ärmere und besonders verwundbare Länder verdrängt werden. Denn die Zahlungen der TFFF wären ziemlich ungleich verteilt - Brasilien als eines der größten Tropenwaldländer würde stark profitieren, während viele Länder vor allem auf dem afrikanischen Kontinent gar keinen Nutzen aus der Initiative ziehen. In seiner Rolle als COP30 Präsidentschaft, ist Brasilien der erfolgreiche Start der Initiative auch politisch wichtig - er ließe sich als zentraler Erfolg der Konferenz präsentieren. Die TFFF ist nicht Teil der offiziellen UN-Klimaverhandlungen, wird aber von Brasilien stark vorangetrieben. Ihr Launch gilt als sehr wahrscheinlich.  Das alleine würde die Weltklimakonferenz aus Klimafinanzierungssicht aber nicht zum Erfolg machen. „Entscheidend ist, dass andere wichtige Klimafinanzierungsergebnisse im Rahmen der COP nicht im Schatten der TFFF untergehen. Reiche Industrieländer müssen ihren internationalen Verpflichtungen nachkommen und ihren fairen Beitrag zur internationalen Klimafinanzierung bestärken”, ergänzt Grimm.

Kontakt: Germanwatch e.V., Katarina Heidrich | heidrich@germanwatch.org | www.germanwatch.org



     
        
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