Umwelt | Klima, 23.07.2025

Völkerrecht verpflichtet

Internationaler Gerichtshof verlangt Übernahme von Verantwortung für Klimaschutz und Schäden

Gutachten des IGH zu den völkerrechtlichen Verpflichtungen von Staaten im Umgang mit der Klimakrise ist Meilenstein im internationalen Klimaschutzrecht und Handlungsauftrag auch für Bundesregierung .

© Lucykaef, pixabay.comDie Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch sieht im heute veröffentlichten Gutachten des IGH zu den völkerrechtlichen Verpflichtungen von Staaten im Umgang mit der Klimakrise einen Meilenstein für ambitionierten Klimaschutz weltweit. Christoph Bals, Politik-Vorstand von Germanwatch: „Dies ist ein Meilenstein, der die internationale Verpflichtung der hochemittierenden Staaten zu Klimaschutz und Schadensbewältigung stärkt - trotz des Gegenwindes vor allem aus den USA. Zum ersten Mal legt das höchste Gericht der Vereinten Nationen dar, dass Staaten völkerrechtlich verpflichtet sind, Klimaschäden global zu verhindern, durch Anpassung einzudämmen und für trotzdem entstehende Schäden aufzukommen – und das nicht nur abstrakt, sondern ganz konkret. Die Bundesregierung muss das Völkerrecht ebenso wie den verfassungsrechtlichen Klimabeschluss von 2021 respektieren und das IGH-Gutachten nun zum Maßstab ihrer Klimapolitik machen. Es geht dabei um ernsthafte und zügige Emissionsminderung zu Hause, regelmäßige Aufstockung der Finanzierung für Klimaschutz und -anpassung sowie für Verluste und Schäden in den besonders betroffenen Regionen des globalen Südens."

Francesca Mascha Klein, Rechtsreferentin bei Germanwatch, ergänzt: „Deutschland ist verfassungsrechtlich verpflichtet, auch international ausgerichtet zu handeln und seinen Beitrag zum globalen Klimaschutz zu leisten. Diese Pflicht ergibt sich aus dem Klimaschutzgebot des Grundgesetzes und sie bindet jede Bundesregierung. Das Bundesverfassungsgericht hat bereits 2021 unmissverständlich klargestellt, dass Deutschland ‚sich seiner Verantwortung nicht durch den Hinweis auf die Treibhausgasemissionen in anderen Staaten entziehen‘ kann. Der Hinweis von Bundeskanzler Merz, dass Deutschland aktuell nur für rund zwei Prozent der weltweiten Emissionen verantwortlich sei, zielt deshalb ins Leere."

Haftbarkeit für Großemittenten bereits juristisch bestätigt
Das Gutachten des IGH fügt sich in eine ganze Reihe bahnbrechender Klima-Urteile. Erst im Mai hatte das Oberlandesgericht Hamm im Fall Saúl Luciano Lliuya gegen RWE bestätigt, dass Großemittenten zivilrechtlich für die Folgen der Klimakrise haftbar gemacht werden können. Anfang Juli hat zudem der Interamerikanische Gerichtshof für Menschenrechte die Klimakrise offiziell als Menschenrechtsnotstand anerkannt.

 Der IGH hat heute in seiner Stellungnahme diese Sichtweise bekräftigt und stellt klar: Staaten haben konkrete rechtliche Pflichten, um klimawandelbedingte Schäden zu verhindern und sie müssen entsprechende rechtliche Vorgaben für Unternehmen treffen. „Entscheidend ist, dass der IGH heute festgestellt hat, dass völkerrechtswidrige Klimapolitik Konsequenzen hat und Staaten mit hohen Emissionen künftig mit Finanz- und Schadensersatzforderungen konfrontiert werden können", so Klein. „Gerichte in aller Welt werden in Verfahren zum Schutz von Betroffenen der Klimakrise die Wertung des IGH berücksichtigen müssen und das Recht im Einklang damit auslegen."

Das bedeutet auch: Die EU und die Bundesregierung müssen jetzt handeln. „Es braucht auf nationaler Ebene einen effektiven Steuerungsmechanismus im Klimaschutzgesetz sowie insbesondere Maßnahmen zur Emissionsreduktion für Verkehr, Gebäude und Landwirtschaft", so Laura Schäfer, Bereichsleiterin für Internationale Klimapolitik bei Germanwatch. „Das gebieten Völker- und Verfassungsrecht und das machen wir mit unserer aktuell anhängigen Verfassungsbeschwerde geltend. Außerdem muss die internationale Klimafinanzierung deutlich gestärkt werden -  auch für den Umgang mit Verlusten und Schäden. Zudem braucht es einen klaren Mechanismus, um große Emittenten angemessen an den Kosten der Klimakrise zu beteiligen. Das könnte zum Beispiel ein Klima-Fonds sein, in den fossile Unternehmen einzahlen um mit dem Geld den Umgang mit Klimawandelfolgen zu finanzieren – wie er erst letztes Jahr in New York etabliert wurde. Spätestens zur nächsten Weltklimakonferenz in Brasilien (COP30) muss die Bundesregierung zeigen, dass sie bereit ist, ihrer rechtlichen und politischen Verantwortung gerecht zu werden."
 
Links

Kontakt: Germanwatch e.V., Stefan Küper | info@germanwatch.org | www.germanwatch.org



     
        
Cover des aktuellen Hefts

Zukunft braucht Frieden

forum 02/2026

  • Militär & Märkte
  • Grüner Wasserstoff
  • Moorschutz als Invest
  • ESG loves KI
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
28
APR
2026
BootCamp Impact Business Design
Zertifizierter Impact Business Design Master
Köln
21
MAI
2026
Munich Impact Night
Ein Abend ist für alle, die die Zukunft noch nicht aufgegeben haben
81379 München
20
JUN
2026
Woche des Wasserstoffs 2026 (#WDW2026)
Wasserstoff verbindet
deutschlandweit
Alle Veranstaltungen...
forum goes international! Download the international edition for forum free of charge.
Anzeige

Der Mittelstand im ESG-Dschungel. Sie müssen nicht alles machen. Sie müssen nur wissen, was.

Sie erhalten einen klaren Fahrplan: was jetzt zu tun ist, was Sie auf dem Schirm behalten sollten und was Sie getrost ignorieren können.

Naturschutz

Der Mensch als Herr und Meister über die Natur?
Christoph Quarch weist auf das Schöpferische und Kreative im wilden Leben hin
B.A.U.M. Insights
Hier könnte Ihre Werbung stehen! Gerne unterbreiten wir Ihnen ein Angebot

Jetzt auf forum:

Neues Buch "Enkelfähigkeit® & ihre Perspektiven"

Earth Day 2026: Gemeinsam für eine lebenswerte Zukunft

Volvox by ecotec

Biodiversität und die Logik der Kreisläufe

Neue Umfrage zum Welttag des Buches: Nachhaltigkeit wird für Kochbuchfans zum Kaufkriterium

Pro Minute werden 100 Bäume gefällt

Earth Day 2026: 26% Rabatt auf nachhaltige Wirkung

3Q4U - 3 Questions for you

  • TÜV SÜD Akademie
  • Engagement Global gGmbH
  • ZamWirken e.V.
  • Protect the Planet. Gesellschaft für ökologischen Aufbruch gGmbH
  • SUSTAYNR GmbH
  • 66 seconds for the future
  • Global Nature Fund (GNF)
  • Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG
  • circulee GmbH
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V. (BNW)
  • BAUM e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften
  • NOW Partners Foundation
  • WWF Deutschland
  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig