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Jan-Marten Krebs

Dekarbonisierung mit Strategie

Der Klimatransitionsplan bringt unternehmerische Zukunftsfähigkeit

Der Klimawandel verändert Märkte, Geschäftsmodelle und Finanzierungsbedingungen. Unternehmen, die frühzeitig auf einen durchdachten Klimatransitionsplan setzen, sichern sich nicht nur regulatorische Konformität, sondern auch strategische Vorteile.

Der CTP ist eine Klimastrategie 2.0 und zeigt, welche Schritte Unternehmen dafür bearbeiten müssen.Der Klimatransitionsplan (Climate Transition Plan, kurz: CTP) ist durch die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD), die erstmals eine Definition zu den CTPs enthielt, in den Fokus der Unternehmen gerückt. Gemäß dem European Sustainability Reporting Standard (ESRS) E1 – Klimastandard gibt dieser CTP weitreichende Einblicke zu den bisherigen, derzeitigen und künftigen Klimaschutzbemühungen des Unternehmens. Das Omnibus Paper der EU-Kommission (forum berichtete) hat, wenig überraschend, auch die Diskussion um den CTP stark beeinflusst. Auf die Frage, ob und wann sich Unternehmen einen eigenen CTP erarbeiten sollten, zeigt sich derzeit, dass es unterschiedliche Thesen zum CTP gibt, die genauer unter die Lupe genommen werden sollen:
 

These 1: Ein CTP ist doch nichts anderes als eine Klimastrategie

Handelt es sich bei einem CTP um eine Klimastrategie, die sich am 1,5°-Ziel des Übereinkommens von Pariser Klima orientiert?
Ein klares Nein. Denn ein CTP geht deutlich über bisherige Klimastrategien hinaus und ist deshalb konkreter und wirkungsvoller. Er verbindet das Geschäftsmodell mit den Auswirkungen des Klimawandels und rückt damit die Resilienz und wirtschaftliche Stabilität des Unternehmens in den Vordergrund. Der CTP zwingt Unternehmen dazu, genau zu analysieren, wie der Klimawandel auf ihre Wertschöpfung wirkt und wie sie Risiken reduzieren und Chancen nutzen können. Es geht also um professionelles Management der Wechselwirkungen des Klimawandels mit der Unternehmensstrategie. Wie groß der Effekt eines CTP auf die Resilienz des Unternehmens ist, hängt dabei wesentlich davon ab, mit welcher Konsequenz das Unternehmen bereit ist, gewonnene Erkenntnisse auch konsequent umzusetzen.

These 2: Ein CTP ist geschäftsrelevant, auch ohne CSRD

Ist ein CTP für jedes Unternehmen geschäftsrelevant?
Diese Frage lässt sich ebenso eindeutig mit einem Nein beantworten. Eine Analyse anhand der Systematik in Bild 2 zeigt, welche Unternehmen sich mit einem CTP beschäftigen sollten.
Die zugrundeliegende Logik ist simpel: Je höher die Gefährdung des Geschäftsmodells durch den Klima­wandel ist – übrigens entlang der gesamten Wertschöpfungskette – desto dringlicher und lohnenswerter ist die Erarbeitung eines CTP.
 
Damit stellt sich die Frage, welche Aspekte des Klimawandels bestehende Geschäftsmodelle gefährden können. Dies sind zum einen transitorische Risiken: Welche regulatorischen Anforderungen erwartet ein Unternehmen im Hinblick auf die Wertschöpfung, wie z.B. der CO2-Preis oder die Energiepreisentwicklung fossiler Energien? Und zum anderen physische Klimarisiken wie Produktionsausfälle durch Extremwettereignisse, Missernten, Beschädigung von Werken und Produktionsanlagen.
 
Daneben gibt es unternehmerische Vorteile durch eine Dekarbonisierung. Sie wirken sich aus in der Wirtschaftlichkeit von Energieeffizienz und Energieautarkie, sowie durch Innovationen, die zum langfristigen Unternehmenserfolg beitragen.
 
Beispiele für „Muss"-Unternehmen sind Unternehmen der Automobilindustrie und der Energiewirtschaft. Die zum Teil komplexen und ressourcenintensiven Lieferketten der Automobilindustrie sind anfällig für physische und transitorische Klimarisiken, die die Liefersicherheit einschränken. Gleichzeitig hat ein Automobilhersteller entlang der gesamten Wertschöpfungskette ein hohes Potenzial zur Dekarbonisierung. Dieses geht in der Regel mit Kostensenkungen durch effizientere und ressourcenärmere Wertschöpfungsschritte einher. Die Produktebene selbst hat durch die E-Mobilität und weitere Innovationen das größte Potenzial für die Dekarbonisierung – dieses ist 1:1 mit dem Geschäft und der Zukunftsfähigkeit des Unternehmens verbunden.

These 3: Die Erwartungen der Banken werden nicht weniger – im Gegenteil

Spielen Nachhaltigkeit und insbesondere Klimaschutz in Finanzierungsgesprächen eine zunehmend wichtige Rolle?
Eindeutig ja, denn zum einen haben sich viele Banken eigene Net Zero-Ziele gesetzt. Diese erreichen sie nur, wenn sie ihr Portfolio dekarbonisieren. Entsprechend groß ist der Anreiz für die Banken, ihre Kreditvergaben mit der Erreichung von Klimazielen der Kunden zu verknüpfen.
 
Zum anderen prüfen die Aufsichtsbehörden die Kreditinstitute darauf, ob sie ESG- und Klimarisiken berücksichtigen. Denn nach Einschätzung von Akteuren wie dem World Economic Forum und The Financial Stability Board hat der Klimawandel das Potenzial, eine Finanzblase oder eine mögliche „Klima-Blase" auszulösen. Um dies zu vermeiden, hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) die Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk) für die Finanzwirtschaft eingeführt. Mit der 7. MaRisk-Novelle wurde dafür gesorgt, dass Kreditinstitute Mindestanforderungen an das Management von ESG- und Klimarisiken festlegen. Sie sind angehalten, Klimarisiken in das Geschäfts-, Risiko und Industriekreditrisiko zu integrieren und damit ihr klimabedingtes Ausfallrisiko von Investitionen zu prüfen und zu minimieren. Die Umsetzung dieser Vorgabe wird durch die Aufsichtsbehörden kontrolliert.
 
Die Banken streben also möglichst niedrige Klimarisiken in ihrem Portfolio an, dies gelingt aber nur, wenn die zu finanzierenden Unternehmen ihre Risiken kennen und reduzieren – und das optimalerweise mit einem CTP. Daten zu haben ist somit besser als keine Daten zu haben und je fundierter und stimmiger diese in Bezug auf das Geschäftsmodell sind, desto besser und überzeugender. Dies gilt insbesondere für Branchen, die hohe Treibhausgasemissionen aufweisen. Sie sind tendenziell stärker betroffen von Klimarisiken und weisen damit ein höheres Ausfallrisiko auf Folglich werden sie kritischer durch die Kreditinstitute bewertet.

These 4: kein tragfähiger CTP

Wer muss sich an der Erstellung eines CTP beteiligen?
Generell muss ein CTP End-to-End gedacht und bereichsübergreifend umgesetzt werden, nur so gelingt ein ganzheitlicher Ansatz. Die unterschiedlichen Bereiche (Strategie, Produktion, Produktentwicklung, Einkauf, Nachhaltigkeit) müssen deshalb Maßnahmen erarbeiten, um die jeweiligen Klimaziele zu erreichen.
 
Grundsätzlich gilt: ein tragfähiger CTP kann nicht ohne den Finanzbereich des jeweiligen Unternehmens erarbeitet werden, denn es geht um die finanzielle Bewertung von Risiken und um die Finanzierung der Transformation. Optimalerweise werden die Maßnahmen des Unternehmens deshalb in einem Implementierungsplan zusammengefasst. Dieser wird mit der Investitions- und Cash-Flow-Planung des Unternehmens abgestimmt und dem Kreditinstitut vorgelegt.
 
Fazit
Der CTP erscheint zuerst einmal als lästige Pflicht, die viele Ressourcen bindet. Auf den zweiten Blick wird aber deutlich: Für Unternehmen, die nicht nur morgen, sondern auch übermorgen noch erfolgreich wirtschaften wollen, ist der CTP ein essenzielles Werkzeug, um die Transformation zu gestalten, Risiken und Chancen tiefgreifend zu analysieren und auch die Finanzierung der Weiterentwicklung des Unternehmens zu sichern. Dies gilt insbesondere für Unternehmen, die hohe Risiken durch den Klimawandel haben – ob im eigenen Einflussbereich oder entlang der Wertschöpfungsketten – und für jene, die hohe Potenziale für eine Dekarbonisierung haben.
Ohne Finanz­abteilung

Jan-Marten Krebs ist Gründer und Vorstand der Sustainable Gruppedie 2008 gegründet wurde und an sieben Standorten in der DACH-Region vertreten ist.

Dieser Artikel ist in forum 03/2025 - Der Wert der Böden erschienen.



     
        
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