Kai Platz
Technik | Energie, 03.06.2025
Grüne Moleküle statt fossiler Tropfen
INERATEC startet industrielle e-Fuel-Produktion in Frankfurt-Höchst
Mit ERA ONE nimmt Europas größte Power-to-Liquid-Anlage den Betrieb auf. Sie produziert jährlich 2.500 Tonnen klimaneutrale e-Fuels – ein Pionierprojekt, das zeigt: Die Zukunft der Mobilität beginnt nicht in der Pipeline, sondern im Reaktor.

Mit ERA ONE hat das Karlsruher Cleantech-Unternehmen INERATEC am 3. Juni 2025 im Industriepark Frankfurt-Höchst offiziell Europas größte Anlage zur Herstellung synthetischer Kraftstoffe in Betrieb genommen. Hier werden aus grünem Wasserstoff und biogenem CO2 jährlich bis zu 2.500 Tonnen e-Fuels und e-Chemikalien hergestellt – CO2-neutral und für Sektoren gedacht, die schwer zu elektrifizieren sind: Luftfahrt, Schifffahrt, Schwerlastverkehr und Chemie.
Was diese Anlage besonders macht:
INERATEC betreibt sie selbst. Als Bauherr hat das Unternehmen die Fläche im Industriepark gepachtet, den modularen Reaktor selbst hergestellt und installiert und mit eigenem Personal hochgefahren. ERA ONE dient damit nicht nur als Produktionsstandort, sondern auch als Beweis für die Skalierbarkeit der hauseigenen Technologie auf Basis der Fischer-Tropsch-Synthese, die sonst weltweit ausgeliefert wird.Die Anlage ist voll digitalisiert und theoretisch remote betreibbar. Die Versorgung mit Wasserstoff erfolgt direkt aus dem Industriepark aus einer Chlorproduktion, das CO2 stammt aus einer benachbarten Biogasanlage. Damit ist ERA ONE nicht nur ein technologischer, sondern auch ein logistischer Erfolg: Kurze Wege, geschlossene Kreisläufe, sichere Prozesse.
Der Output:
Ein Rohprodukt mit paraffinischer Struktur, das zu rund 80 Prozent in e-Kerosin überführbar ist. Was hier entsteht, sind die "Ölfelder der Zukunft", wie CEO Dr. Tim Böltken formuliert. Dennoch ist die Kapazität der Anlage begrenzt. Am Standort im Industriepark Höchst ist aktuell kein weiteres CO2 verfügbar, ein weiterer Ausbau der Anlage demnach aktuell nicht möglich. Dadurch liefert die Anlage bei maximaler Leistung jährlich etwa 1/5 des Kerosins, das am Frankfurter Flughafen benötigt wird - täglich.
Somit ist ERA ONE erst der Anfang. INERATEC plant internationale Großprojekte mit deutlich höheren Kapazitäten. Auch weitere Betreiber planen und bauen Anlagen. In Amsterdam, Chile, Norwegen, Dänemark, USA und Italien entstehen neue Anlagen. Die Nachfrage steigt, das regulatorische Umfeld (RED III, ReFuelEU Aviation) schafft Perspektiven. Unternehmen wie Norsk, Zenith, Sasol, Infinium und Arcadia eFuels sehen den steigenden Bedarf und wollen diesen decken.
Dass ERA ONE nur mit Unterstützung starker Partner wie der European Investment Bank, Piva Capital, Samsung Ventures und Breakthrough Energy Catalyst realisiert werden konnte, zeigt: Transformation braucht nicht nur Technik, sondern Kapital und politischen Willen.
Kai Platz ist Wirtschaftsingenieur und hat fast 20 Jahre Erfahrung in der Luftfahrt. Er war für forum bei der Eröffnung, um die Stimmung der Branche einzufangen.
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