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Claudia Kemfert
Technik | Energie, 05.04.2025

Die Ideen der Koalition sind teuer, ineffizient und sozial ungerecht

Für forum-Kuratorin Prof. Dr. Claudia Kemfert ist der Plan, die Strompreise für alle zu senken, kaum umsetzbar

Der Koalitions-Plan, die Strompreise für alle zu senken, ist kaum umsetzbar. Netzentgelte und Stromsteuer zu senken, ist enorm teuer und ineffizient – und wird konterkariert durch das Ziel, 20.000 Megawatt Gaskraftwerke zu bauen.
 © Alina Kuptsova, pixabay.com
Die erste Einigung der möglichen Koalitionspartner CDU, CSU und SPD in puncto Energiewende und Klimaschutz ist sozial ungerecht, teuer und geht größtenteils in die völlig falsche Richtung. Die mögliche Abschaffung des Gebäudeenergiegesetzes ist hochproblematisch. Dies schiebt die dringend gebotenen Maßnahmen zur energetischen Sanierung von Gebäuden und die damit benötigten finanziellen Unterstützungen auf den Sankt-Nimmerleins-Tag. Dabei gibt es im Gebäudesektor die größten Nachholeffekte.

Zudem führt eine drohende Abschaffung zu Verunsicherungen von Gebäudeeigentümern, behindert die Energiewende und zieht hohe Kosten nach sich, da Deutschland im europäischen Kontext verpflichtet ist, Ziele zur Emissionsminderung sowohl im Sektor Verkehr als auch Gebäude zu erreichen. Eine Nichterfüllung dieser Ziele zieht hohe Strafzahlungen nach sich.
Das Heizungsgesetz sollte nicht abgeschafft, sondern reformiert werden. Im Gebäudebereich sollten besser sozial gestaffelte Förderprogramme eingeführt werden, da gerade Bezieher niedriger Einkommen die Möglichkeit zur energetischen Sanierung bekommen müssen.

Besser wären auch zielgerichtete Tarife für Wärmepumpen oder Elektromobilität. Die energetische Gebäudesanierung braucht finanzielle Unterstützung. Investitionen in die Sanierung stärken das regionale Handwerk und die Wirtschaft, sie wirken als Konjunkturprogramm. Die vorgeschlagene Strompreissenkung per Gießkanne schafft Fehlanreize, ist ineffizient und teuer. Eine so beabsichtigte Absenkung der Strompreise ist nicht zielgerichtet und nicht bedarfsgerecht wie beispielsweise die Auszahlung eines Klimageldes.

Ohnehin ist der Plan, die Strompreise für alle zu senken, kaum umsetzbar. Selbst wenn Netzentgelte und Stromsteuer wirklich gesenkt werden, ist das mit über zehn Milliarden Euro enorm teuer und ineffizient – und wird konterkariert durch das Ziel, 20.000 Megawatt Gaskraftwerke zu bauen.

Der Bau neuer Gaskraftwerke wirkt strompreissteigernd und kann mögliche Strompreisentlastungen sogar überkompensieren. Besser als eine teure und ineffiziente pauschale Senkung wäre eine bedarfsgerechte Entlastung der stromintensiven Industrie.

Atomkraft ist eine gefährliche Investitionsbremse
Die beste Energiepreisbremse ist ein schnellerer Ausbau der erneuerbaren Energien, denn diese wirken börsenstrompreissenkend. Die Industrie könnte sehr von sogenannten Power Purchase Agreements (PPA) oder auch von Differenzverträgen mit erneuerbaren Erzeugern profitieren. Dafür sollten also die Rahmenbedingungen verbessert werden.

Wer wie CDU und CSU eine Abschaffung des Flächenziels für den Ausbau der Windenergie auf die Agenda hebt, liegt falsch und handelt kontraproduktiv. Die Energiewende findet dezentral vor Ort statt, in jedem Bundesland. Ausreichende Flächen für Windenergie werden in ganz Deutschland benötigt.

Auch ein möglicher Verzicht auf den naturschutzrechtlichen Ausgleich und eine Reduzierung der Verbandsklagerechte ist falsch und hochproblematisch und würde den Zielen des Umwelt- und Naturschutz widersprechen. Beim Wasserstoff-Hochlauf ist eine Beschränkung auf grünen Wasserstoff nötig, da alle anderen Herstellungsarten entweder emissionsintensiv sind, wie blauer Wasserstoff, oder risikoreich, wie Wasserstoff auf Atomstrombasis.

Eine Rückkehr zur Atomenergie wäre teuer und falsch. Die alten Atomkraftwerke befinden sich größtenteils im Rückbau, die Betreiber haben sich deutlich dagegen ausgesprochen. Ihr Wiederbetrieb wäre unnötig, kostenintensiv, langwierig und ineffizient. Dazu müsste das Atomgesetz geändert werden, müssten Brennstäbe gekauft, Mitarbeiter wieder eingestellt und Atomanlagen sicherheitstechnisch geprüft werden. Der Neubau ist gigantisch teuer, was man an den Neubauprojekten in England, Frankreich oder Finnland sieht.
 
Hinweis: Hier finden Sie den Original-Artikel mitsamt Verlinkungen.

Claudia Kemfert ist forum-Kuratorin und leitet die Energie­abteilung am Deutschen Institut für Wirtschafts­forschung (DIW). Sie ist Professorin für Energie­wirtschaft und Energie­politik an der Universität Lüneburg, außerdem Vize-Vorsitzende des Sach­verständigen­rats für Umwelt­fragen der Bundes­regierung und Heraus­geber­rats­mitglied von Klimareporter°.

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Prof. Dr. Claudia Kemfert leitet seit April 2004 die Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) und ist Professorin für Energieökonomie und Nachhaltigkeit an der Hertie School of Governance in Berlin.


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