Gesellschaft | Migration & Integration, 01.03.2025
Generation Restoration
Die Lust am Wiederaufbau
In regenerative Methoden investieren heißt: Polylösungen fördern, statt Polykrisen befeuern. Das junge Münchner Sozialunternehmen Generation Restoration wirkt international daraufhin und zeigt anhand seines Projektes in Uganda, wie regenerative Wirtschaft ganz praktisch aussehen kann.

Ausgerechnet Menschen, die mit ihren geringen Emissionen die Klimakrise am wenigsten befeuert haben, gehören oft zu den größten Verlierern des Klimawandels – ein Gerechtigkeitsproblem von gigantischem Ausmaß. Milliarden Menschen im Globalen Süden leiden unter den Folgen der Klimaerhitzung: Naturkatastrophen, Missernten, Ressourcenknappheit. Immer mehr von ihnen müssen ihre Heimat verlassen – aktuell über 122 Millionen. Doch wer flieht, tritt als Neuankömmling in einen Wettbewerb um Ressourcen mit den Einheimischen. Armut, Abholzung, Konflikte und weitere Fluchtgründe nehmen zu. Ein Teufelskreis – aber ausgerechnet die „Ärmsten" wissen, wie er sich durchbrechen lässt.
Exponentielle Regeneration durch gegenseitige Ausbildung
In mehreren Flüchtlingscamps im ostafrikanischen Uganda haben Geflüchtete begonnen, sich selbst aus diesem Teufelskreis zu befreien. Sie bilden sich gegenseitig in der Philosophie und Gartenkunst der Permakultur aus – eine regenerative (bodenaufbauende) Form der Bio-Landwirtschaft. Durch solche Train-the-Trainer Programme geben sie das Wissen über die Kraft der Regeneration an andere Geflüchtete weiter. So können sie ihren Hunger beenden, die Kreislaufwirtschaft anregen und den Wiederaufbau stärken. Jeder Ausgebildete kann wieder dutzende weitere ausbilden. Doch wie lässt sich dieser positive Kreislauf weiter skalieren? Die bisherigen Projekte sind klein und längst nicht „normal" in Flüchtlingscamps.
Derzeit verbringen Geflüchtete durchschnittlich zwölf Jahre in einer solchen „Zwischenlösungs" – Zeit, die sie nutzen könnten, um sich zu bilden, Erträge zu erwirtschaften, Bodenfruchtbarkeit zu erhöhen und so auch zu Klimaschutz und Biodiversität beizutragen. Die Entfaltung dieses Potenzials ist die Vision des jungen Social Business „Generation Restoration": "Wir wollen Erfolgskriterien verstehen und auf eine höhere Ebene skalieren. Durch Finanzierung, Sichtbarkeit und die Einbindung in größere Dialogprozesse”, so Tina Teucher, Gründerin und Vorstandsvorsitzende.

Wie werden wir nachhaltig geworden sein?
Denn obwohl wir uns mitten in der UN-Dekade Ecosystem Restoration befinden, gibt es bisher kein Konzept für die Wiederherstellung der Natur in und um Flüchtlingscamps. Bisher tragen Geflüchtete unfreiwillig zu noch mehr Waldverlust und Bodenverschlechterung bei. Mit seinem Wirkungsmodell arbeitet Generation Restoration daran, Regeneration zum Business Case zu machen. Man müsse von vorne führen und die großen Ziele aus dem Future 2 betrachten: „Wie werden wir alle 17 Nachhaltigkeitsziele der UN bis 2030 erreicht haben? Wir werden es geschafft haben, denn wir haben die Ziele zusammen gedacht, statt getrennt, wir haben mit jeder Tat darauf hingearbeitet und mit jedem Euro in diese ganzheitliche Richtung investiert", so Teucher. Jeder heute lebende Mensch sei ein Zukunftsweichensteller: „Als Generation des Wiederaufbaus entfalten wir Hoffnung, Zuversicht und somit Regenerationskraft für Milliarden Menschen."
Hinweis: Hier finden Sie eine ausführlichere Version dieses Artikels.
Über Generation Restoration
Die Vision: Flüchtlingscamps von festgefahrenen Orten der Abhängigkeit in aufblühende Orte der Hoffnung verwandeln. Durch regenerative Methoden wie Permakultur, Agroforst, Wiederherstellung von Ökosystemen, Kreislaufwirtschaft und Social Business. Der gemeinnützige Verein mit Sitz in München bildet im deutschsprachigen Raum ein Netzwerk aus engagierten Menschen und hat darüber hinaus seit 2021 mehr als 400 internationale Unterstützer und Partner gewonnen. In Deutschland gehören dazu u.a. BAUM und forum Nachhaltig Wirtschaften.
Dieser Artikel ist in forum 02/2025 - Save the Ocean erschienen.
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