Mehrweg ist nicht der einzige Weg

Getränke-Kartons mit positiver Bilanz

Getränkekartons sind ökobilanziell laut Ifeu-Institut bei Säften gleichwertig mit Mehrweg-Glasflaschen, bei Frischmilch sogar besser. Das bestätigt auch das Umweltbundesamt. Auch Einweg kann also ökologisch sein.

© FKNViele Verbraucher vermuten, dass etwas, das mehrfach genutzt wird, umweltfreundlicher sein müsse als ein Einmal-Produkt. Doch diese Vermutung trifft nicht immer zu, wie eine Ökobilanz des Ifeu-Institut in Bezug auf Getränkekartons zeigt, die wiederum vom Umweltbundesamt bestätigt wurde.
 
Transportdistanzen als CO2-Treiber
Ein altes Credo besagt, Mehrwegflaschen würden "bis zu 50-mal" befüllt werden. Korrekt ist aber, dass die Saftflaschen des VdF-Pools nur 22 bis 25 Umläufe schaffen. Milchflaschen werden sogar nur zehnmal wiederbefüllt. Bestätigt wird das durch ein Fachgutachten der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung (GVM) und des Ifeu-Instituts Heidelberg. Hauptgrund für die niedrigen Zahlen bei Milch: Zwischen Flensburg und Starnberg existieren nur sieben (!) Abfüllorte. Zudem wird Milch in der Regel einzeln verkauft – die Folge: niedrige Umlaufzahlen, weite Transportdistanzen, hohe CO2-Emissionen.
 
Vom Vorteil zum Nachteil von Mehrweg
Jede Mehrwegflasche muss aufwendig gereinigt, neu etikettiert und wiederbefüllt werden. All das ergibt in der Ökobilanz ein weiteres Drittel der gesamten CO2-Emissionen. Grundlage dieser Berechnung sind Zahlen, die das Ifeu-Institut dem Verband der Fruchtsaftindustrie vorlegte und die unwidersprochen akzeptiert wurden. So erzeugt gerade der angebliche Vorteil von Glas-Mehrwegflaschen, der Re-use, den Großteil ihrer gesamten Treibhausgas-Emissionen.
 
Wald wächst nach – Erdöl nicht
Hauptbestandteil von Getränkekartons ist mit 70 bis 80 Prozent Zellstoff. Dieser wird aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz, angebaut in nachhaltiger Waldwirtschaft in Nordeuropa, hergestellt – zertifiziert oder kontrolliert nach den Standards des FSC. Für jeden gefällten Baum werden vier neue Setzlinge gepflanzt. Das bedeutet: Der Wald wächst, Erdöl als Basis für Kunststoff ist endlich. Für Getränkekartons werden zudem keine Urwälder abgeholzt, sondern vielmehr örtliche, seit Jahrhunderten bestehende Wirtschaftswälder genutzt.
 
Bio-Energie in der Herstellung
Circa 90 Prozent des Stroms und der Wärme in den Papierfabriken stammen aus der Bio-Energie des angelieferten Holzes, die übrigen zehn Prozent werden großteils mit Wasserkraft erzeugt. So ist die Herstellung von Rohkarton nur für acht Prozent aller Treibhausgase verantwortlich. Bei PET-Einwegflaschen generiert die Kunststoffherstellung etwa die Hälfte des gesamten CO2-Ausstoßes.
 
Funktionierendes Recycling von Papierfasern
Im Gegensatz zu anderen Verbunden gibt es für Getränkekartons schon seit den 90er Jahren ein funktionierendes System für das stoffliche Recycling der Papierfasern. Seit 2021 ist mit der Palurec eine eigene herstellerfinanzierte Recyclinganlage für Polyethylen und Aluminium in Betrieb. Das erhöht die Recyclingfähigkeit von Getränkekartons von bislang 70 bis 80 auf deutlich über 90 Prozent, bestätigen Experten. Mit der Saperatec steht 2024 zudem ein weiterer Verwerter für Kunststoffe und Alu aus Getränkekartons am Start.
 
Noch weniger CO2 durch Getränkekartons
Neben dem Recycling nehmen sich die Getränkekartonhersteller nach eigenen Angaben bis 2030 weitere Aufgaben vor. So sollen die Kartons bis dahin zu 100 Prozent aus nachwachsendem und/oder recyceltem Material bestehen. Pflanzenbasierte Rohstoffe wie Zuckerrohr oder Tall-Öl ersetzen schon heute immer mehr fossiles Erdöl in der Kunststoffproduktion. Auch gibt es bereits Alu-freie, vollständig pflanzenbasierte Getränkekartons im Supermarktregal. 

Kontakt: Fachverband Kartonverpackungen für flüssige Nahrungsmittel e.V. (FKN) | fkn@getraenkekarton.de | www.getraenkekarton.de



     
        
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