Christoph Santner
Technik | Digitalisierung, 01.08.2023
Der KI einen Körper geben
Aus dem Tagebuch des Aidioten. Christoph Santner berichtet von seinen Begegnungen mit Pionieren und Wegbereitern der Künstlichen Intelligenz und Robotik.
Der smarte Kollege Roboter
Endlich einmal gute Nachrichten aus Deutschland. Denn allzu oft werden hier geniale Erfindungen gemacht, den Erfolg der neuen Produkte realisieren dann aber US-Firmen. Ich darf daran erinnern: Es war der Deutsche Konrad Zuse gewesen, der 1937 in sein Tagebuch geschrieben hatte: „Seit etwa einem Jahr beschäftige ich mich mit dem Gedanken des mechanischen Gehirns." 1938 hatte er ihn dann fertiggestellt, seinen Z1 (Z wie Zuse), den ersten Computer der Welt. Aber wo, bittesehr, gibt es heute noch aktuelle deutsche Computer?
Eine steht für mich fest: Konrad Zuse hätte seine Freude gehabt an David Reger, den CEO von Neura Robotics in Metzingen. Denn dieser baut nicht nur Roboter, sondern er verleiht ihnen auch ein ganz spezielles „mechanisches Gehirn". Eines, das man individuell programmieren kann. Auf vielfältige Art und Weise. Man kann sagen, David Reger hat mit seinem Team den „Smart Robot" erfunden. Denn das Prinzip ist genau so wie beim Smartphone: Programmierer können unterschiedlichste Apps entwickeln, mit der die humanoide Maschine dann die verschiedensten Arbeiten ausführen können. Und sie lernen dazu, mit jeder neuen App. Reger kann sich unbegrenzte Use-Cases vorstellen. Gerade lernt sein Modell 4NE-1 (sprich: For anyone), auch Geschirrspüler aus- und einzuräumen. Aber auch gefährliche und anstrengende Arbeiten kann er machen, am Fließband oder als Feuerwehrmann. Oder in der Alten- und Krankenpflege, wohlgemerkt nicht als Ersatz für Pflegepersonal, sondern als Verstärkung. Etwa beim Essen-Servieren.
Ein weiterer Unterschied zu schon existierenden Industrie-Robotern: Man kann mit dem Smart Robot Konversationen führen. Er spricht quasi aus, was Künstliche Intelligenz normalerweise als Text erzeugt. Das bedeutet: Bestimmte Kommandos und Anweisungen führen zur konkreten Aktion des Roboters. Das ist der nächste Schritt für KI: Sie zum intelligenten Partner in der Arbeitswelt zu machen. Gerade in Zeiten fortschreitender Fachkräftemangels. Wird dieser Roboter, der bereits im Einsatz ist, erst einmal in großer Stückzahl gebaut, soll der Preis bis auf 20.000 bis 30.000 € fallen.
„We serve humanity", ist das Motto von Neura Robotics. Deshalb wurde David Reger auch eingeladen, auf der UNO-Konferenz „AI for Good", die im Juli in Genf stattfand, einen inspirierenden Vortrag zu halten. Im Gespräch kommt die Begeisterung für sein Projekt rüber. Und er ist davon überzeugt, dass es nicht nur gilt, den smarten Roboter weiterzuentwickeln, formerly known as Blechtrottel, sondern auch uns Menschen mit unserer natürlichen Intelligenz. Damit wir die großen Herausforderungen unserer Zeit auch meistern können.
Und seine Vision für den Menschen? Reger, der als gläubiger Christ immer voller Hoffnung ist und an das Gute glaubt, hat folgende Vorstellung für unsere Menschheit, wenn mehr und mehr Routinearbeit von Humanoiden Robotern erledigt werden: „Die Zukunft wird sein, wieder mehr Zeit für das Miteinander zu finden", glaubt Reger, „damit wir das Menschliche wieder in den Mittelpunkt stellen."
Humanoide Roboter, aufgeladen mit smarter „AI for Good”: wir brauchen mehr davon. Hier in Deutschland – und überall.
Christoph Santner ist langjähriger Autor, Redner und Consultant zu Innovationsthemen. Seit 2009 schreibt er auch für forum Nachhaltig Wirtschaften und wird weiterhin über aktuelle KI-Entwicklungen berichten. In der aktuellen Ausgabe auch in der Cover-Story. Er ist Gründer der AInitiative to aimprove our Future.
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