Kooperation
Das neue Paradigma für Wirtschaft und Gesellschaft
Immer noch gilt in der Wirtschaftslehre das Dogma, der anonyme Markt, die „unsichtbare Hand", sei der objektiv beste Gestalter unseres produktiven Lebens. Dass jedoch gerade die Anonymität der Akteure, die mangelnde Planung und die Nichtabsprache in einer globalen Marktwirtschaft zu Ineffektivität führt, haben wir im ersten Teil dieses Beitrages in Heft 4/2021 beleuchtet. Wie aber könnte eine bewusst gestaltete, intelligente und kooperative Wirtschaft aussehen?Alrun Vogt ist festes Mitglied der forum-Redaktion.
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So finden Lebensmittel sichere Abnehmer
Viele bäuerliche Kleinbetriebe tun sich schwer mit den Effizienzansprüchen moderner Massenproduktion. Was ihnen oft fehlt, ist zum einen Startkapital, zum anderen sind es sichere Abnehmer ihrer Produkte.
Doch es gibt findige Projekte, mit denen Bauern an beides gelangen können: Hierbei vergeben Menschen an Bauern private Minikredite und erhalten als „Rendite" Gutscheine auf Lebensmittel. Der Geldgeber sichert sich dadurch die Versorgung mit Lebensmitteln von einem bestimmten Hof, den er kennt und dem er vertraut; der Bauer indes sichert sich einen dauerhaften, festen Kundenkreis. In Südtirol liehen zum Beispiel 160 Leute dem Bio-Bauern Alexander Agethle Geld, mit dem er eine alte Dorfsennerei kaufen und modernisieren konnte. Dafür bekommen sie von ihm zehn Jahre lang Gutscheine für frische Milch und Bio-Käse. (forum berichtet laufend über Projekte einer Solidarischen Landwirtschaft – SoLaWi).
Auch in einzelne Tiere kann man „investieren". Bei einer „Hühnerpatenschaft" zum Beispiel bezahlt der Pate circa 15 Euro pro Monat für ein Huhn und erhält dafür, je nach Legebereitschaft, maximal 25 Eier im Monat, die er sich selbst abholen darf. Und dann gibt es ja ebenfalls noch das Modell der regionalen „Bio-Kisten", mit denen Verbraucher sich im Voraus zur Abnahme eines bestimmten Anteils der Jahresernte verpflichten. Ähnliches existiert auch über größere Distanzen mit der Direktabnahme von Orangen, Avocados, Olivenöl oder Lebensmittelpaketen. Die Fattoria LaVialla etwa liefert aus der Toscana hausgemachte, biodynamische Feinkost direkt vom Bauernhof.
Weitere Beispiele zeigen, dass Kooperation und Verständigung in der Lieferkette für beide Seiten von großem Nutzen sind. Der Münchner Verein „Genussgemeinschaft Städter und Bauern" hilft Bauern dabei, private Geldgeber und damit zugleich einen festen Kundenstamm zu finden.
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Dieser Artikel ist in forum Nachhaltig Wirtschaften 01/2022 ist erschienen. Schwerpunkt: Energiewende - Was wäre, wenn? erschienen.
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