„Ab morgen ist Deutschlands Umweltkonto im Minus“

Schon nach einem Drittel des Jahres hat Deutschland alle Ressourcen aufgebraucht, die dem Land nach dem Gebot der Nachhaltigkeit 2022 zur Verfügung stünden.

Zum „German Overshoot Day" am 4. Mai fordert das ifeu einen schnellen Schwenk Richtung Nachhaltigkeit und zeigt, was Einzelne hier und jetzt gegen den Raubbau an Ressourcen und Energie tun können. Denn gemessen am „Erdüberlastungstag" ist der ökologische Fußabdruck in den letzten Jahren nicht kleiner geworden. 

Einer von 10 Tipps, um im eigenen Alltag zur Ressourcenschonung beizutragen: Nutzen Sie erneuerbare Energien: Etwa mit einer Öko-Heizung, einer Solaranlage oder einer Beteiligung an einer regenerativen Bürgeranlage. © Congerdesign, pixnio.com3. Mai, 5. Mai und dieses Jahr am 4. Mai: Schon nach einem Drittel des Jahres hat Deutschland alle Ressourcen aufgebraucht, die dem Land nach dem Gebot der Nachhaltigkeit 2022 zur Verfügung stünden.

„Unsere Industriegesellschaft leistet sich trotz des hohen Umweltbewusstseins einen im Weltmaßstab rekordverdächtig hohen Umweltverbrauch", sagt Dr. Guido Reinhardt, Vorstandsmitglied des Instituts für Energie- und Umweltforschung (ifeu) in Heidelberg.

Nach den Berechnungen der Organisation „Global Footprint Network" liegt Deutschland beim Umweltverzehr zwischen Saudi-Arabien und Frankreich, gleichauf mit Israel. Die Staaten gehören zu den rund 20 Nationen mit dem höchsten Umweltverbrauch pro Kopf. Wenn alle Menschen weltweit in diesem Maße Energie und Ressourcen konsumieren würden, bräuchten wir drei Erden, um diesen Verbrauch zu decken. 

Reichtum verdirbt die Ökobilanz
„Länder mit hohem Lebensstandard schaffen es bis heute nicht, nachhaltig zu wirtschaften", sagt Reinhardt. Dabei ist das Wissen um Ressourcenverbrauch und Klimawandel gerade in den hoch gebildeten, reichen Ländern groß. Doch im Moment der konkreten Einkaufsentscheidung fallen ein günstigerer Preis oder ein größeres Konsumversprechen oft schwerer ins Gewicht als Umwelt-Überzeugung. 

„Auch wenn verändertes Denken nicht sofort zu einem neuen Handeln führt, liegt der Schlüssel zur Nachhaltigkeit weiter in der Umweltbildung und einem immer weiter steigenden Umweltbewusstsein", sagt Reinhardt. „Mit der Zeit verändern die Menschen ihr Verhalten im Alltag – etwas indem sie weniger Fleisch essen oder weniger fliegen. Und sie sorgen dafür, dass Parteien und Regierungen ihre politische Agenda ändern." 
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Nachhaltigkeit bedeutet keinen Verlust an Lebensqualität 
Auf Umwelttechniken wie Kläranlagen oder Recycling als Teil einer Kreislaufwirtschaft will trotz der Kosten bei ihrer Einführung heute niemand mehr verzichten. Sie stellen sicher, dass wir uns in einer gesunden Umwelt bewegen und nicht immer mehr Ressourcen aus der Erde kratzen. 

Auch die Investitionen in den Umstieg von Atom und Kohle auf erneuerbare Energie hat sich gelohnt. „Für die Verbraucherinnen und Verbraucher macht das keinen Unterschied, welcher Strom aus der Steckdose kommt. Und heute ist die Entwicklung so weit, dass Second-Hand-Rohstoffe und Energie aus Erneuerbaren oft einen Kostenvorteil haben", so Reinhardt. 

Gleichzeitig plädiert Reinhardt für einen sparsameren und bewussteren Umgang mit Ressourcen: „Die Glücksforschung zeigt, dass Lebensqualität sich nicht daran bemisst, wie viel Geld man beim Shoppen ausgeben kann oder wie viele Flugmeilen auf dem Konto stehen. Immer mehr Menschen finden für sich heraus, dass ein Weniger oder ein Anders ein Mehr an Lebensqualität bedeuten kann."

10 Tipps zum nächsten „Germany Overshoot Day"
Damit jede und jeder Einzelne ab sofort im Alltag etwas zur Ressourcenschonung beitragen kann, rät das ifeu: 
  1. Reduzieren Sie den Verbrauch von Fleisch und Milchprodukten.
  2. Kaufen Sie regional, saisonal und möglichst bio ein und vermeiden Sie Lebensmittelabfälle.
  3. Kaufen Sie langlebige Textilien statt Fast Fashion. 
  4. Vermeiden Sie Retouren im Online-Handel, vor allem bei Kleidung und Elektrogeräten. Denn diese Retouren werden meist entsorgt.
  5. Kaufen Sie langlebige Konsumgüter und kaufen Sie secondhand. 
  6. Nutzen Sie erneuerbare Energien: Etwa mit einer Öko-Heizung, einer Solaranlage oder einer Beteiligung an einer regenerativen Bürgeranlage.
  7. Fliegen Sie so wenig wie möglich. 
  8. Reduzieren Sie ihren Spritverbrauch durch Umstieg auf Fahrrad und Elektro-Mobilität oder ein kleineres Auto.
  9. Achten Sie auf Energiesparen – vor allem beim Heizen.
  10. Engagieren Sie sich in Politik und Öffentlichkeit für Klima- und Umweltschutz.
„Damit der German Overshoot Day eines Tages auf den 31. Dezember fällt, brauchen wir das ökologische Verhalten der Einzelnen im Alltag und eine entschiedene Nachhaltigkeitspolitik für Klimaneutralität und geschlossene Kreisläufe", so Reinhardt. 
 
Kontakt
ifeu – Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg gGmbH, Dr. Guido Reinhardt | guido.reinhardt@ifeu.de | www.ifeu.de


     
        
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