Smart Ageing: Potenziale der Digitalisierung für mehr Altersfreundlichkeit in den Kommunen

Neue Broschüre zeigt innovative technologische Lösungen für ein gutes Leben im Alter auf

Die deutsche Bevölkerung altert. Spürbar wird die Alterung der Gesellschaft vor allem auf lokaler Ebene. Wollen Kommunen älteren Menschen weiterhin ermöglichen, mobil und sicher unterwegs zu sein und länger selbstständig zuhause zu leben, müssen sie auch auf die Bedürfnisse und Wünsche der Älteren reagieren. Intelligente Geräte, Assistenzsysteme, Sensoren oder Apps, aber auch künstliche Intelligenz oder die Vernetzung smarter Lösungen tragen dazu bei, dass Kommunen altersfreundlicher werden - und damit zukunftsfähiger.

Eine neue Broschüre zeigt innovative technologische Lösungen für ein gutes Leben im Alter auf. © stevepb, pixabay.comViele Deutsche können heute dank guter Gesundheitsversorgung sowie verbesserter Lebens- und Arbeitsbedingungen ihren 85. oder sogar 90. Geburtstag feiern. Bereits heute ist jeder und jede vierte Deutsche 65 Jahre und älter. Die Bevölkerungsgruppe der Älteren wird in den kommenden Jahren noch wachsen, da nun auch die geburtenstarken Babyboomer-Jahrgänge in dieses Alter kommen. Kommunen stehen deshalb vor der Herausforderung, altersfreundliche Strukturen und Angebote bereitzustellen, um allen ihren Bewohner:innen einen attraktiven Lebensort mit Zukunft zu bieten. Digitalisierung und technologischer Fortschritt können dazu beitragen, dass Kommunen altersfreundlicher und lebenswerter werden. Welche Technologien gibt es dafür bereits und wie werden sie bislang von Gemeinden genutzt? Diesen Fragen widmen sich das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung und die Körber-Stiftung in der neuen Publikation "Smart Ageing - Technologien für die altersfreundliche Stadt. Praxis, Hintergrund und Empfehlungen".

Lebensqualität für Ältere durch innovative und digitale Technologien verbessern
"Ob gutes Altern gelingt, entscheidet sich vor Ort in den Kommunen. Neue Technologien und digitale Angebote können hier künftig eine Schlüsselrolle einnehmen, so dass soziale Teilhabe älterer Menschen besser gelingt", so Catherina Hinz, Direktorin des Berlin-Instituts. Eine alternde Gesellschaft gewinnt durch digitale Lösungen. Wie innovative Technologien in zentralen kommunalen Handlungsfeldern wie etwa dem Wohnen, der Gesundheitsversorgung, Mobilität und Sicherheit sowie der kulturellen und politischen Partizipation die Lebensqualität für Ältere verbessern können, zeigen die vielen Beispiele, die in der Broschüre zusammengetragen wurden. Der Begriff "Smart Ageing" fasst Produkte und Konzepte mit besonders großem Potenzial für mehr Altersfreundlichkeit und ein gutes Leben im Alter zusammen - von intelligenten Spazierstöcken mit GPS und Notrufknopf sowie smarten Bushaltestellen zur besseren Orientierung, bis hin zu smarten Gesamtkonzepten für ganze Städte. Während einige Produkte und Dienstleistungen dem Aufrechterhalten sozialer Kontakte, der Freizeitgestaltung und der politischen oder kulturellen Partizipation dienen, können Technologien in Wohnungen und bei der Gesundheitsversorgung dabei helfen, Älteren ein langes selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen. Kommunen können für ihre Bürger:innen altersfreundliche und damit sichere sowie komfortable Wohnumgebungen schaffen, wenn sie neue Technologien einsetzen oder diese fördern.

"Von vielen dieser Technologien können aber nicht nur Ältere, sondern alle Bewohner:innen profitieren", erläutert Victoria Herrmann-Feichtenbeiner vom Berlin-Institut und Mitautorin der Broschüre, "etwa wenn das Krankenhauspersonal zeitraubende Tätigkeiten an Pflegeroboter abgeben kann und Zeit für die Patient:innen gewinnt." Positive Effekte wie diesen können Kommunen verstärken, indem sie den Einsatz von Technologien wie Robotik und künstlicher Intelligenz in der Pflege gezielt fördern. Auf diese Weise nutzen Städte und Gemeinden die Potenziale der Digitalisierung und neuer Technologien, um aktiv die Herausforderungen des demografischen Wandels wie etwa den Fachkräftemangel in der Pflege anzugehen.

Individuelle und kommunale Hürden für digitale Altersfreundlichkeit
Doch altersgerechte Technologien lösen auch Ängste aus und bergen Risiken. So fehlt es vielen älteren Menschen noch an Erfahrung und Kompetenz, um smarte Lösungen wie ein Wegeleitsystem mit digitalen Informationstafeln zu nutzen. Zudem stehen viele Ältere digitaler Technologie skeptisch gegenüber, auch aus Sorge um Eingriffe in ihre Privatheit und Selbstbestimmung. Den kommunalen Einrichtungen mangelt es zugleich an finanziellen und personellen Ressourcen, zum Teil aber auch an digitalen Kompetenzen, um entsprechende Projekte anzuschieben oder gar ein smartes Gesamtkonzept zu entwickeln.

Für diese Hürden gibt es jedoch bereits Lösungsansätze und Strategien, angefangen von regionalen Beratungs- und Bildungsangeboten, um für Bürger:innen Berührungspunkte mit neuen Technologien zu schaffen und ihre digitalen Kompetenzen zu stärken, bis hin zu vielfältigen Förderangeboten für kommunale Digitalisierungsprojekte. Auch bei ethischen Fragen etwa zum Schutz sensibler Daten sowie der Autonomie von Nutzer:innen können sich Kommunen an bereits existierenden Bewertungskriterien orientieren.

Viele deutsche Kommunen machen es bereits vor und zeigen, wie Altersfreundlichkeit mit Hilfe neuer Technologien aussehen kann. Die Broschüre stellt einige von ihnen vor, richtet ihren Blick aber auch über die deutschen Grenzen hinweg. Anhand des Beispiels der finnischen Hauptstadt Helsinki verdeutlicht sie, wie Smart Ageing funktionieren kann. Deutlich wird dabei: smart ist es vor allem, wenn bestehende analoge Angebote und digitale Lösungen zusammengebracht werden. "Es ist Zeit, die Gestaltung des demografischen Wandels mit den Chancen der Digitalisierung zusammenzudenken. Die Kommunen können hier als Pioniere vorangehen", resümiert Catherina Hinz, Direktorin des Berlin-Instituts.


Die Publikation wurde vom Berlin-Institut in Zusammenarbeit mit der Körber-Stiftung erstellt.

Kontakt: Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung | info@berlin-institut.org | www.berlin-institut.org


     
        
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