„Materialeffizienz birgt große Potenziale für Klimaneutralität"

Internationales Team von Wissenschaftlern berechnet das Potenzial von Materialeffizienz-Strategien bei Wohngebäuden und PKW

  • Ein internationales Team von Wissenschaftlern berechnet das Potenzial von Materialeffizienz-Strategien bei Wohngebäuden und PKW
  • In diesen Bereichen könnten bis zu zwei Drittel der weltweiten Emissionen eingespart werden, Voraussetzung sind konsequente Umsetzung entsprechender Strategien
Bei den Personenkraftwagen weisen Mitfahrgelegenheiten und Carsharing das größte Einsparpotenzial auf. © kenny2332, pixabay.comDurch eine effizientere Nutzung von Materialien bei Wohngebäuden und PKW könnten bis 2050 enorme Mengen Treibhausgase eingespart werden: Zwischen 20 bis 52 Gigatonnen CO2-Äquivalenten und bei Personenkraftwagen zwischen 13 bis 26 Gigatonnen CO2-Äquivalenten an Treibhausgasemissionen – das wären bis zu zwei Drittel des bisherigen Verbrauchs. Zu diesem Ergebnis kommt ein Forschungsteam um Dr. Stefan Pauliuk, Juniorprofessor für nachhaltiges Energie- und Stoffstrommanagement an der Universität Freiburg. Die Wissenschaftler analysierten dafür zehn globalen Strategien zur Materialeffizienz (ME), wie etwa die Wiederverwendung von Schrott aus der Herstellung und berechneten deren gemeinsames maximales Potenzial – wenn sie konsequent bis 2040 umgesetzt würden und von einer strikten Klimapolitik flankiert würden. Bei Wohngebäuden weisen dabei die Holzbauweise und die Reduzierung der Wohnfläche pro Kopf das größte Einsparpotenzial auf. Bei den Personenkraftwagen sind es Mitfahrgelegenheiten und Carsharing. „Das zeigt, dass Materialeffizienz ein Schlüssel zu einer weitgehenden Klimaneutralität sein kann", sagt Pauliuk. „Die Potenziale sind enorm und sollten stärker genutzt werden." Die Ergebnisse präsentiert das Forschungsteam in der Fachzeitschrift Nature Communications.

Was-wäre-wenn-Szenarien für verschiedene Grade von Material-Effizienz 
In einem internationalen Team, unter anderen mit Prof. Dr. Edgar Hertwich von der Norwegian University of Science and Technology/Norwegen, betrachtete Pauliuk die Lebenszyklen der Materialien für den Wohnungs- und PKW-Bau und berechnete, wie viel Treibhausgasemissionen durch eine breite und ehrgeizige Einführung von Maßnahmen zur Materialeffizienz (ME) in Kombination mit einer strikten Klimapolitik bis 2050 eingespart werden könnten. Die Berechnung berücksichtigt zehn ME-Strategien. Dazu zählen angebotsseitige Maßnahmen wie beispielsweise die Wiederverwendung von Schrott aus der Herstellung, nachfrageseitige Maßnahmen, wie die Wiederverwendung von Produkten sowie eine effizientere Nutzung der Produkte durch Carsharing und geteiltem Wohnraum. Daneben ermittelten die Wissenschaftler die künftigen Veränderungen der Materialflüsse und des Energieverbrauchs aufgrund von höherer Materialausbeute, leichterem Design, Materialsubstitution, längerer Lebensdauer, höherer Serviceeffizienz, Wiederverwendung und Recycling. Dabei erfasst das Rechenmodell die Produktion, die Nachfrage, die Verwendung und das Recycling von sechs klimarelevanten Materialien: Aluminium, Zement, Kupfer, Kunststoffe, Stahl und Holz. „Die Analyse generiert eine Reihe von Was-wäre-wenn-Szenarien für verschiedene Grade von Materialeffizienz im Fahrzeug- und Gebäudesektor und den damit verbundenen wichtigen Materialkreisläufen vor unterschiedlichen sozioökonomischen und klimapolitischen Hintergründen", erklärt Pauliuk.

Materialeffizienz müsse höhere Priorität in der Klimapolitik bekommen
Nach Auffassung der Forscher zeige ihre Studie, dass für tiefgreifende Emissionssenkungen im Wohngebäudesektor Ökostrom allein nicht ausreiche, sondern zusätzliche Effizienzmaßnahmen erforderlich seien. Das Gleiche gelte für PKWs, bei denen die Elektrifizierung und Umstellung auf kohlenstoffarme Elektrizität Hand in Hand gehen müsse. Pauliuk kommt zu dem Schluss: „Wenn Strategien zur Materialeffizienz einen ähnlich hohen Stellenwert wie Maßnahmen zur Energieeffizienz erhalten, wird das Erreichen des Pariser Ziels, die globale Erwärmung auf deutlich unter 2°C zu begrenzen, leichter möglich. Die Maßnahmen zur verbesserten Materialeffizienz können leicht umgesetzt werden, daher sollte ihnen in der Klimapolitik eine höhere Priorität zukommen."

Das Forschungsprojekt wurde unterstützt vom Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, der Israelischen Wissenschaftsstiftung und dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen.

Originalpublikation:
Pauliuk, S., Heeren, N., Berrill, P., Fishman, T., Nistad, A., Tu, Q., Wolfram, P., Hertwich, E. G. (2021): Global Scenarios of Resource and Emission Savings from Material Efficiency in Residential Buildings and Cars. In: Nature Communications. DOI: 10.1038/s41467-021-25300-4 
 
Kontakt: Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Franziska Becker | franziska.becker@pr.uni-freiburg.de


     
        
Cover des aktuellen Hefts

Zukunft braucht Frieden

forum 02/2026

  • Militär & Märkte
  • Grüner Wasserstoff
  • Moorschutz als Invest
  • ESG loves KI
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
20
MAI
2026
Bayerischer Batteriekongress 2026
Einblicke, Strategien, Innovationen
81671 München
21
MAI
2026
Munich Impact Night
Dieser Abend ist für alle, die die Zukunft noch nicht aufgegeben haben
81379 München
20
JUN
2026
Woche des Wasserstoffs 2026 (#WDW2026)
Wasserstoff verbindet
deutschlandweit
Alle Veranstaltungen...
forum goes international! Download the international edition for forum free of charge.
Anzeige

Der Mittelstand im ESG-Dschungel. Sie müssen nicht alles machen. Sie müssen nur wissen, was.

Sie erhalten einen klaren Fahrplan: was jetzt zu tun ist, was Sie auf dem Schirm behalten sollten und was Sie getrost ignorieren können.

Digitalisierung

Neues "Mental Operating System" für Social Media und Ki-Systeme
Christoph Quarch plädiert für die Programmierung einer europäischen, humanistischen KI zur Erreichung digitaler Souveränität
B.A.U.M. Insights
Hier könnte Ihre Werbung stehen! Gerne unterbreiten wir Ihnen ein Angebot

Jetzt auf forum:

Virgin Islands Climate Change Trust Fund launched at Global Sustainable Islands Summit in Gran Canaria, marking new era in climate finance innovation for islands

Kreislaufwirtschaft am Bau & Energie für die Zukunft

Gastfreundschaftslektionen aus Südtirol

Städte weltweit fordern eine Beschleunigung des Ausstiegs aus fossilen Brennstoffen hin zu erneuerbaren Energien

Koalition von Ländern treibt beschleunigte Abkehr von fossilen Energien während Energiekrise voran

Deutsche Umwelthilfe widerlegt Mythos angeblich hoher Systemkosten Erneuerbarer Energien

Die Energiewende ist kein Kostenblock – sie ist ein Gewinnmodell für die Regionen

Aufbruch in Santa Marta

  • NOW Partners Foundation
  • ZamWirken e.V.
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V. (BNW)
  • Protect the Planet. Gesellschaft für ökologischen Aufbruch gGmbH
  • Energieagentur Rheinland-Pfalz GmbH
  • Global Nature Fund (GNF)
  • SUSTAYNR GmbH
  • Engagement Global gGmbH
  • circulee GmbH
  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • TÜV SÜD Akademie
  • 66 seconds for the future
  • BAUM e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften
  • Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG
  • WWF Deutschland