Zertifizierter ESG Reporting Professional. Fit für CSRS & Co. - ESG-Reporting souverän meistern.
Technik | Energie, 09.08.2021

Die Nahwärme im Visier

Schwerpunkt der Klimaschutzmaßnahmen im Landkreis Cochem-Zell

Obwohl er der zweitkleinste rheinland-pfälzische Landkreis ist und der fünftkleinste bundesweit gesehen, gilt Cochem-Zell als Vorzeigeadresse in Sachen Klimaschutz. Nicht von ungefähr erhielt diese Gebietskörperschaft in der nördlichen Mitte von Rheinland-Pfalz bereits 2014 den „European Energy Award". Inzwischen avancierte sie auch zur „Bioenergie-Region". Und das Bundesumweltministerium zeichnete Cochem-Zell im Rahmen des Förderprogramms „Masterplan 100 Prozent Klimaschutz" für sein herausragendes Engagement aus. Schon 2008 hatte der Kreistag beschlossen, „Null-Emissions-Landkreis" zu werden. Bis 2020 solle sich der CO2-Ausstoß um die Hälfte verringern. Wie sieht die aktuelle Bilanz aus und welche Faktoren spiel(t)en eine entscheidende Rolle?

Holzpellets sind ein wesentlicher Energieträger für Nahwärmenetze, wie sie derzeit im Landkreis Cochem-Zell stark vorangetrieben werden. © Energieagentur Rheinland-Pfalz Soviel vorab: Der aktuelle Energiespiegel kann sich sehen lassen. Der Stromverbrauch im Landkreis Cochem-Zell wird schon zu 190 Prozent durch Ökostrom gedeckt (Stand 2019). Er stammt zu jeweils 40 Prozent aus Wind- und Wasserkraft. Den Rest steuern Photovoltaik-Anlagen (zwölf Prozent) und Biomasse bei (acht Prozent). Inzwischen sind immerhin schon mehr als 500 Elektroautos und Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge kreisweit im Einsatz. 

Potenzial von bis zu 500 Gebäuden
Besondere Aufmerksamkeit erzeugt der Landkreis Cochem-Zell mit seinen Anstrengungen, Nahwärmeverbünde in Dörfern mit gemeinschaftlichem, dorfübergreifendem Quartiersmanagement (Ermittlung Gebäudebestand mit Einsparpotenzial) zu koppeln. Nicht ohne Grund: Im Wärmesektor werden zirka 60 Prozent der Endenergie verbraucht, und hier entstehen etwa über 50 Prozent der Treibhausgase. Auch wenn gegenwärtig erst in drei Kommunen Dorfwärmenetze Realität werden, gilt ein Anschluss von bis zu 500 privaten, gewerblichen und kommunalen Gebäuden als realistisch. Je nach Größe der Kommune, sind CO2-Einsparungen in der Größenordnung von jährlich 750 bis 1.400 Tonnen wahrscheinlich.

Neben diesen Dorfwärme-Netzen entstanden in den letzten Jahren auch mehrere kleinere Nahwärmeverbünde. Beispielhaft dafür stehen die Grünschnitt-Heizungsanlagen in den Schulzentren Zell und Kaisersesch. Hier wird der regional anfallende Grünschnitt energetisch in einem Stromkreislauf und in Verbindung mit Solarthermie-Anlagen genutzt. 

Rund 20 Mio. Euro Investitionsvolumen
Vor dem Hintergrund des neuen Landesförderungsprogrammes „ZEIS" (mit einer höheren Förderquote) sollen fünf weitere Kommunen Interesse an einem Dorfwärmeprodukt angemeldet haben. Damit wäre ein Investitionsvolumen von rund 20 Millionen Euro verbunden. Jeder Teilnehmer erhält übrigens einen Highspeed-Glasfaseranschluss dazu.

Als Treiber der Nahwärmeprojekte gelten die Energieagentur „unser-klima-cochem-zell e.V." (mit dem Projekt „Cochem-Zeller-Energiedorf") und die Kreiswerke Cochem-Zell (mit eigenem Betriebszweig Nahwärme). Dirk Barbye bilanziert: „Im Ergebnis können wir den Bürgerinnen und Bürgern eine günstige, klimafreundliche Wärmeversorgung anbieten!" Als Leiter des Fachbereiches Kreis-Entwicklung und Klimaschutz bei der Kreisverwaltung Cochem-Zell weiß Barbye natürlich, dass es stets projektbezogene Verbesserungspotenziale gibt. „Aber dies ist auch immer der bestehenden Förderkulisse geschuldet. Heute gibt es passgenauere Förderprogramme." 

Mit vereinten Kräften zu mehr Nahwärmeverbünden im Kreis Cochem-Zell. Eine tragende Figur dabei ist Dirk Barbye (ganz links). © Kreisverwaltung Cochem-Zell
Pandemie kontra Masterplan?
Barbye hofft, dass die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie das Umsetzen der Energieziele im Landkreis nicht bremsen. Dann blieben die Zielvorgaben im aktuellen „Masterplan 100 % Klimaschutz für Cochem-Zell" bestehen: Halbierung des Endenergiebedarfs bis 2050 und Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen bis zu diesem Zeitpunkt um 95 Prozent gegenüber 1990. Bereits zwischen 1990 und 2014 (aktuellere Zahlen liegen nicht vor) konnte der CO2-Ausstoß von annähernd 890.000 Tonnen um 32 Prozent auf rund 600.000 Tonnen jährlich gesenkt werden. 

Ein Schlüsselfaktor zur Erreichen der Klimaziele ist Dirk Barbye zufolge das konsequente Einbinden der Bevölkerung, nicht zuletzt der politisch motivierten Jugend (wie die „Fridays for trees"-Bewegung im Landkreis Cochem-Zell).

Kontakt: Kreisverwaltung Cochem-Zell, Dirk Barbye, Leiter des Fachbereiches Kreis-Entwicklung und Klimaschutz | 02671-61 680 | dirk.barbye@cochem-zell.de

Quelle: Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz GmbH



     
        
Cover des aktuellen Hefts

Frau Reiche – es reicht!

forum 03/2026

  • Resilienz
  • Klimafinanzierung
  • Wald
  • Startups
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
11
SEP
2026
Den Demokratie-Muskel stärken – Zusammen für das Gemeinwohl!
Training mit Christian Felber & Roman Huber
38489 Beetzendorf
11
SEP
2026
Den Demokratie-Muskel stärken
Live-Online-Training in Echtzeit mit Grit Bümann, Roman Huber, Christian Felber
online
22
OKT
2026
csrTAG 2026 – Nachhaltigkeit als Wirtschaftsfaktor
R³essourcen. R³esilienz. R³entabilität. - Ticketverkauf gestartet
A-6236 Alpbach
Alle Veranstaltungen...
Anzeige

Der Mittelstand im ESG-Dschungel. Sie müssen nicht alles machen. Sie müssen nur wissen, was.

Sie erhalten einen klaren Fahrplan: was jetzt zu tun ist, was Sie auf dem Schirm behalten sollten und was Sie getrost ignorieren können.

Sport & Freizeit, Reisen

Hinaus in die Wildnis!
Christoph Quarchs Blick auf die junge Kulturgeschichte von Naturschutz und Naturtourismus
Lassen Sie sich begeistern von einem Buch, das Hoffnung macht.
Hier könnte Ihre Werbung stehen! Gerne unterbreiten wir Ihnen ein Angebot

Jetzt auf forum:

Die AnStifter – Eine Welt. Viele Wege. Der Podcast von Engagement Global

Hiroshima und Nagasaki: Der Mahnruf des missachteten Gewissens

Das nachhaltigste Gebäude steht schon

Hitzegipfel jetzt!

36 Grad und es wird immer heißer...

Erneute Extremhitze: Verbände fordern Hitzegipfel

Hitze gefährdet die Trinkwasserversorgung

Mehr Präsenz für Innovationen und eine nachhaltige Zukunft!

B.A.U.M. Insights
  • NOW Partners Foundation
  • Protect the Planet. Gesellschaft für ökologischen Aufbruch gGmbH
  • ZamWirken e.V.
  • TÜV SÜD Akademie
  • BAUM e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • 66 seconds for the future
  • Global Nature Fund (GNF)
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • Engagement Global gGmbH
  • Klimabündnis Ebersberg-München
  • WWF Deutschland
  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
  • Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG
  • SUSTAYNR GmbH
  • Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V. (BNW)
  • Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz GmbH