Grünes Gold

Wald als Schutz für Klima und Vermögen

Die Wälder sind krank – die deutschen zumal. Kann man angesichts dieses Befundes überhaupt noch in Wald investieren? Man kann nicht nur, man muss es sogar, und zwar so, dass diese Investition zur Widerstandskraft unserer Wälder beiträgt.
 
© Nattanan Kanchanaprat, pixabay
Wälder sind die Hauptquelle des Sauerstoffs, den wir zum Atmen brauchen. Sie stellen – neben Ozeanen und Mooren – eine der größten CO2-Senken des Planeten dar und sind damit unentbehrlich für den Klimaschutz. Dem Wald eine Zukunft abzusprechen, bedeutet, sie uns selbst abzusprechen.

Wald ist nicht nur als Anlageklasse interessant, er ist auch ein guter Anlageberater. Denn seine systemischen Prinzipien sind auch hilfreiche Wegweiser für die Vermögensverwaltung:
  • Eine gute Mischung senkt das Risiko und verbessert den Ertrag.
  • Nur auf gutem Boden kann sich ein produktives System entfalten.
  • Gut Ding will Weile haben. Wer zur Unzeit ernten muss, erleidet erhebliche Ertragseinbußen.
  • Die Produktivität des Systems steigt, wenn man mit seinen Prinzipien arbeitet, statt gegen sie anzugehen.
Wer dies beachtet, kann mit Waldinvestments auch heute noch sein Vermögen mehren. Forstindustrieller Ackerbau in Fichten-Monokulturen verhindert die Entwicklung von resilienten Waldökosystemen; unvermeidbare Störfälle wachsen sich so regelmäßig zu Katastrophen aus. Doch Bewirtschaftungsprinzipien wie z.B. das Dauerwaldkonzept haben wirksame Mittel gegen diese Probleme gefunden. Und so zeigen einige Großwaldbesitzer in Deutschland seit vielen Jahrzehnten, wie Wald als grünes Gold dienen kann. Ihre in naturnahen Wäldern angelegten Vermögen haben Weltwirtschaftskrisen, Hyper-Inflation und Währungsreformen gut überstanden. Und auch die Stiftungen der Universitäten Yale und Harvard haben bewiesen, dass man mit Waldinvestments langfristig hohe Renditen erzielen kann.
 
Waldinvestment als inflationssicherer Wertspeicher
Dabei liegt ein wesentlicher Vorteil eines Waldinvestments darin, dass Bäume, die Teil eines intakten Waldbiotops sind, auch ohne ständige Pflege ihre biologische Vitalität bewahren und ständig wachsen. Man kann deshalb den Zeitpunkt des Einschlagens recht frei wählen: ernten, wenn die Preise hoch sind, und zuwarten, wenn sie sich unter Druck befinden. Doch das setzt voraus, dass ein Waldbesitzer über hinreichende Liquidität verfügt, um nicht zur Unzeit ernten zu müssen. Und er muss außerplanmäßige Holzernten aufgrund von Kalamitäten vermeiden, denn dann müssen viele Waldbesitzer:innen Holz zu Markte tragen, was die Preise drückt.

Ein mit Eigenkapital finanziertes Waldinvestment ist eine zeitgemäße Antwort auf die gegenwärtige Verfassung der ökonomischen Systeme: Als Sachwertinvestment in nachwachsende Rohstoffe mit Bodenwertanteil bietet es einen inflationssicheren Wertspeicher. 
 
Mit privatem Anlagekapital naturnahe Waldbewirtschaftung fördern
Es gibt Waldprojekte, die aus Steuergeldern und Spendenmitteln finanziert werden. Diese sind notwendig, da unter Naturschutz gestellte Waldflächen privatwirtschaftlich nicht betrieben werden können. Allerdings ist es auch eine große Aufgabe, privates Anlagekapital in ökologisch nachhaltige Waldinvestments zu leiten. Denn nur auf diesem Wege können jene hohen Summen in naturnahe Waldbewirtschaftung gelenkt werden, derer es für spürbare Klimawirkungen bedarf.

Tabelle 1
Es gibt verschiedenste Möglichkeiten in Wald zu investieren, die alle als ökologisch sinnvolle Kapitalanlagen beworben werden (Tab. 1). Kleine Summen lassen sich in Aktien von börsennotierten Forstbetrieben investieren. Dasselbe gilt für offene Branchenfonds mit im Vergleich zur Einzelaktie deutlich besserer Risikostreuung. Beide Anlageformen sind in transparenten und liquiden Märkten angesiedelt, so dass Investor:innen ihr Kapital nahezu jederzeit zu marktgerechten Preisen realisieren können. Ein großes Problem der Forst-AGs besteht darin, dass die Kapitalmärkte hohe Profitraten verlangen und kurzfristigen Beurteilungszeiträumen unterliegen. Naturnahe waldbauliche Konzepte passen eher nicht zu dieser Perspektive, weil der langfristige Wertzuwachs im lebenden Holz in den Quartalsberichten und Bilanzen nur unzureichend abgebildet werden kann.

Investments in sog. Waldsparpläne, Teak-, Sandelholzplantagen o.ä. mit Renditeversprechen von bis zu 10 Prozent p.a. lassen sich häufig auch mit überschaubaren finanziellen Beträgen begründen. Doch handelt es sich hier oft eher um industriellen Ackerbau in Holzplantagen und Ernte durch Kahlschlag als um ökologisch wertvolle Waldinvestments. Nicht selten mangelt es an hinreichender Transparenz über die Mittelverwendung sowie die Prämissen der wirtschaftlichen Erfolgsrechnung (vgl. Finanztest 1/2018), von den rechtlichen und politischen Risiken in Ländern wie Panama, Kolumbien, Paraguay etc. ganz abgesehen.

Dagegen ist ein Direktinvestment in einen deutschen Wald meist eine sicherere Investition – wenn man von den Kalamitäten, gegen die es bewährte Mittel gibt, absieht. Doch natürlich sind die Waldpreise in Deutschland mit häufig über 10.000 Euro/Hektar sehr hoch. Wer allerdings Beträge von 1 Mio. Euro und mehr sowie viel Zeit zur Verfügung hat, der kann seinen Wald mit Hilfe guter Fachleute in Ruhe so entwickeln, dass er langfristig sowohl einen ökologisch sinnvollen Beitrag als auch einen guten Ertrag liefert.

Eine Alternative bietet aktuell das Private Placement bürger:wald:invest, das als praktischer Anwendungsfall für das Dauerwaldkonzept konzipiert wurde, wie es der frühere Chef der Saarländischen Forstbehörde Dipl.-Forstwirt Wilhelm Bode in seinem „Leitfaden" theoretisch dargestellt hat. Hier kann man im Rahmen einer Beteiligungsgesellschaft ab 200.000 Euro Ähnliches erreichen und die Verwaltung einem professionellen Netzwerk von Forst- und Finanzfachleuten überlassen. Als forstlicher Berater steht Bode dafür ein, dass das naturnahe Dauerwaldkonzept konsequent umgesetzt wird.
 
Fazit
Ein ökologisch nachhaltig wirksames und ökonomisch überzeugendes Waldinvestment – in welcher Form auch immer – sollte mindestens folgenden Kriterien genügen:
  • Die waldbaulichen Methoden müssen den Anforderungen aller Teilsysteme des Ökosystems Wald gerecht werden und konsequent naturnah ausgerichtet sein (Verbot des Kahlschlags, Mischwaldprinzip, Altersklassendifferenzierung, bodenschonende Erntemethoden, Schonräume zum Schutz der Biodiversität etc.).
  • Die ökologischen Bewirtschaftungsprinzipien für die Wälder sind dauerhaft rechtswirksam festzuschreiben, denn Waldsysteme benötigen Generationen, um ihre volle Leistungsfähigkeit zu entfalten.
  • Renditeziele werden nur langfristig angestrebt, und zwar nicht durch forstindustrielle Ausbeutung der Natur, sondern durch respektvolle Indienstnahme der Naturprozesse für die wirtschaftlichen Ziele.
  • Investiert wird nur innerhalb von rechtsstaatlich und politisch stabilen Systemen.
  • Ein externes Controlling von qualifizierten und unabhängigen Fachleuten stellt sicher, dass das kodifizierte ökologische Konzept auch konsequent eingehalten wird.
H.-Christian Behrens war Lehrbeauftragter an der Universität Münster sowie Lehrer an einem Gymnasium. 1984 gründete er das Allfinanzunternehmen VA Behrens und seit 2002 weitere Kapitalgesellschaften in Deutschland und Kanada. Gemeinsam mit der bürger:sinn:stiftung, die er 2004 gründete, konzipierte er 2020 den bürger:wald:invest

Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt weder eine Anlageberatung noch eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Produkten dar. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des Autors wieder. Bitte konsultieren Sie eine qualifizierte Person, bevor Sie Anlageentscheidungen treffen.

Quelle: B.A.U.M. e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften

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