Andreas Koch
Lifestyle | Sport & Freizeit, Reisen, 01.03.2021
Eine neue Vision für den Tourismus
Lernen aus der Krise
Vor der Pandemie hatten wir das
Thema Overtourismus, nun das Thema Undertourismus. Beides beinhaltet große
Herausforderungen: Einmal direkt für die Bevölkerung und das andere Mal für die
Tourismusakteure. Wir können sicher noch nicht absehen, welche Gesamtfolgen es
hat. Nur eines ist klar: Wir sollten aus dieser Krise lernen.
Darf
man in dieser Krise träumen? Ich glaube sogar, wir sollten es! Denn gerade
jetzt sind Visionen wichtig, weil es darum geht, wie wir gemeinsam eine
gesündere, zukunfts- und krisensichere Welt erschaffen wollen. Auch wenn der
Tourismus gerade am Boden liegt, bin ich davon überzeugt, dass er ein guter
Impuls- und Taktgeber dieser neuen Welt sein kann. Einen solchen Tourismus habe
ich tourythm getauft.
1. tourythm definiert Qualität neu
Bisher
wird touristische Qualität vor allem über die Zufriedenheit der Gäste
definiert. Ein Tourismus auf Kosten der Einheimischen hat in vielen Regionen
allerdings zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft geführt. Daher definiert tourythm
die Qualität eines touristischen Angebotes als die Summe der positiven
Beziehungen, die es fördert. Zum Beispiel die Beziehung zwischen Reisenden und
Bereisten, zwischen Reisenden und Tourismusangestellten, die Beziehung zwischen
Tourismusakteuren und ihren Zulieferern bis hin zu der Beziehung zwischen dem
Tourismus als Ganzem und unserem Planeten.
2. tourythm entwickelt authentische
Erlebnisse, die die Welt verbessern
Produkte
im Tourismus sind vor allem authentische Erfahrungen, die ein Grundbedürfnis
vieler Reisenden sind. Gemäß der Neudefinition der Qualität folgt die
Produktentwicklung bei tourythm der Maxime, dass Produkte nicht die Reisenden,
sondern auch die Bereisten und unseren Planeten bereichern. Im Sinne dieser
Produkt- und Serviceentwicklung werden die globalen und nationalen
Herausforderungen selbst als Rahmen gesehen, zu der der Tourismus einen Beitrag
leisten kann. Nationale und regionale Herausforderungen werden so zur
Gemeinschaftsaufgabe aller Tourismusakteure, die ihre Produkte als
einzigartige Visitenkarte ihrer Region entwickeln und sie somit zeitgleich
schützen und erlebbar machen.3. tourythm nutzt
regenerative Technologien
Schon
heute gibt es Vorreiter, die zeigen, dass Hotels mehr Energie produzieren als
verbrauchen können, dass Wasserkreisläufe zirkulär gedacht und Abfälle nahezu
komplett vermieden werden können. Die Herausforderung ist lediglich, das vorhandene Know-how weltweit zu teilen und die Umstellung zu finanzieren. Die 10.000 Ökodörfer machen es vor, wie es gehen kann: Jedes Dorf ist Pionier in einer oder mehrerer zukunftsweisenden Technologien oder Vorgehensweisen. Was wäre, wenn sich alle Hotels und Tourismusakteure der Welt verbinden, um sich über die besten schon vorhandenen Zukunftstechnologien auszutauschen, gemeinsam diese weiterzuentwickeln und umzusetzen? Hotels würden zu Vorreitern und Laboren dieser Zukunftstechnologien werden und gleichzeitig erlebbare Impulse in ihren Regionen und für die Reisenden setzen.
4. tourythm geht neue
Wege im Lieferantenmanagement
Der größte Hebel zur Minimierung der Umweltauswirkungen eines
Hotels ist die Zusammenarbeit mit lokalen Lieferanten. Und hier vor allem die
Zusammenarbeit mit Farmern und Produzenten, die eine Land- und Viehwirtschaft
betreiben, die die Böden schützen anstatt sie auszulaugen. Denn je nach Studie
hat unser Food-System einen Anteil von 20 bis 30 Prozent an den globalen
Treibhausgasemissionen. Und dazu kommt, dass Landwirtschaftsböden, die regenerativ
– z.B. ohne Dünger und Pestizide – behandelt werden, Kohlenstoff binden können
und damit dem Klimawandel entgegenwirken. Aus Sicht der Reisenden hat dies den
Vorteil, dass so authentische und gesündere, lokale Produkte serviert werden.

5. tourythm sieht Mitarbeiter als
Botschafter und nicht als Ressource
Da bei tourythm Mitarbeiter Botschafter für diese neue Form des
Tourismus sind, ist es von zentraler Bedeutung, inspirierende
Ausbildungsformate anzubieten. Dies kann am besten geschehen, wenn man unter
anderem über die guten Beziehungen zu lokalen Lieferanten gemeinsam interaktive
Trainings entwickelt, die alle Mitarbeiter einladen, sich für ihre Region und
unseren Planeten einzusetzen. Denn Restaurantmitarbeiter, die ihren Gästen
einen lokalen Bio-Wein oder lokale Produkte empfehlen, da sie die Menschen
hinter den Produkten persönlich kennen, steigern gleichzeitig das Erlebnis für
die Gäste.
Bleibt
die Frage, ob dies alles finanzierbar ist. Die Antwort ist „Ja", weil alle
genannten Prinzipien Komponenten eines erfolgreichen Geschäftsmodells sind und
keine Konzepte oder Utopien:
-
Energie- und Wassereffizienz ist Krisenresistenz.
-
Authentische, lokale und gemeinsam mit Lieferanten entwickelte Erlebnisse steigern die Gästezufriedenheit
-
Wenn Mitarbeiter Botschafter für die Region und den Betrieb werden, ist das Employer Branding
-
Storytelling über diese Maßnahmen ist das beste Marketing.
Darüber hinaus werden viele zukünftige Fördergelder zum Beispiel
des neuen EU Green Deals an diese Prinzipien gekoppelt sein. Hier bedarf es
lediglich der Steuerung und Nutzung dieser Fördergelder durch Tourismusakteure.
Denkbar wäre auch ein Klimafond, in den Kompensationsgelder für die durch die
Anreise verursachten Emissionen fließen, die zweckgebunden an die
Tourismusakteure weitergereicht werden zur Förderung dieser Maßnahmen.
Wie
nach jeder Krise wird es diejenigen geben, die etwas daraus lernen, und die,
die so schnell wie möglich zurück zum Alten wollen. Wenn der Tourismus daraus
lernt, dann hilft es allen. Denn letztendlich ist eine bewusst entwickelte
touristische Region nichts anderes als ein Mikrokosmos unserer Gesellschaft von
morgen.
Andreas Koch war Umweltbeauftragter der TUI und ist Mitbegründer der touristischen Nachhaltigkeitsinitiative Futouris e.V. Mit blueContec inspiriert und berät er gemeinsam mit seinen Partnern Hotels, Tourismusunternehmen und touristische Regionen dabei, sich zukunftsfähig und nachhaltig zu entwickeln.
Dieser Artikel ist in forum 01/2021 - SOS – Rettet unsere Böden! erschienen.
Weitere Artikel von Andreas Koch:
Eine neue Vision des Tourismus
tourythm – Taktgeber einer neuen, zukunftssicheren Welt
2020 war ein Jahr, was uns deutlich vor Augen geführt hat, dass sich etwas verabschiedet. Viele uns bekannte und gewohnte Arten zu arbeiten, zu reisen, zu leben…alles was für uns vorher normal war, steht plötzlich in Frage. Aber was ist das Neue, wo geht die Reise hin?
tourythm – Taktgeber einer neuen, zukunftssicheren Welt
2020 war ein Jahr, was uns deutlich vor Augen geführt hat, dass sich etwas verabschiedet. Viele uns bekannte und gewohnte Arten zu arbeiten, zu reisen, zu leben…alles was für uns vorher normal war, steht plötzlich in Frage. Aber was ist das Neue, wo geht die Reise hin?
Zukunft braucht Frieden
forum 02/2026
- Grüner Wasserstoff
- Moorschutz als Invest
- ESG loves KI
Kaufen...
Abonnieren...
05
MÄR
2026
MÄR
2026
10
MÄR
2026
MÄR
2026
Rechtliche Aspekte der Kreislaufwirtschaft
Kreislaufwirtschaft zwischen Green Deal und Praxis
kostenfreies Webinar
Kreislaufwirtschaft zwischen Green Deal und Praxis
kostenfreies Webinar
11
MÄR
2026
MÄR
2026
Circular Valley Convention 2026
Gestalten Sie mit uns die Zukunft der Kreislaufwirtschaft - Ticketrabatt für forum-Leser*innen!
40474 Düsseldorf
Gestalten Sie mit uns die Zukunft der Kreislaufwirtschaft - Ticketrabatt für forum-Leser*innen!
40474 Düsseldorf
Anzeige
Professionelle Klimabilanz, einfach selbst gemacht
Einfache Klimabilanzierung und glaubhafte Nachhaltigkeitskommunikation gemäß GHG-Protocol
Politik
Hinterzimmer in DavosChristoph Quarchs Plädoyer für das persönliche Gespräch ohne Zuschauer als Königsdisziplin der Diplomatie
Jetzt auf forum:
Starke Partnerschaft für den polnischen Offshore-Markt
Mercosur und europäische Verpackungsverordnung: Unterschätzte Falle PPWR
Bio-Branche weist GAK-Sparpläne entschieden zurück
Weiterbildungsangebot für Fachkräfte aus der Entwicklungszusammenarbeit




















