Jens Lönneker
Wirtschaft | Marketing & Kommunikation, 31.08.2020
M4F oder die Wiederentdeckung der Sinnhaftigkeit und Lust am Marketing
Jens Lönneker und Ines Irmdahl über die Philosophie von Marketing For Future
Sinn entsteht, indem Entwicklungen vorangetrieben werden. Sinn entsteht in Übergängen und nicht, indem immer dasselbe weiterbetrieben wird. Dies gilt auch für Bewahrung und Tradition: Traditionsunternehmen haben sich bei genauerem Hinsehen permanent weiterentwickelt. Das heißt auch, dass sich psychologisch etwas paradoxerweise nur bewahren lässt, wenn es sich verändert und entwickelt. Das meinte Erich Fried, wenn er formulierte: „Wer will, dass die Erde so bleibt, wie sie ist, der will nicht, dass sie bleibt."
Marketing for Future gibt dem Marketing wieder eine übergreifende gesellschaftliche Sinnhaftigkeit, die es in seinen Anfängen schon einmal hatte und die in den letzten Jahren verloren ging. Marketing for Future will im besten Sinne zugleich bewahren und entwickeln. Die Orientierung von Unternehmensaktivitäten an klimapositivem Handeln trägt letztlich dazu bei, Lebensbedingungen zu bewahren, die den meisten am Herzen liegen. Daher erzeugt Marketing auf einmal wieder mehr Sinn, als es die reine Ausrichtung an betriebswirtschaftlichen Parametern ermöglicht. Es schafft die Anknüpfung an gesellschaftliche Entwicklungen und im besten Sinn „Purpose".
Es bringt auch eine neue Lust am Marketing mit sich, die in den letzten Jahren verloren ging und durch einen branchentypischen Zynismus verdrängt wurde. Marketing war schon einmal eine geile Disziplin – allerdings vor 30 bis 40 Jahren. Da rannten die Besucher in die Vorführung der Cannes-Rollen und sahen mit Begeisterung die Werbung vor den Kinofilmen.
Marketing zu betreiben hieß seinerzeit, mit Produkten, Marken und Werbung die Verbreitung eines neuen Lebensgefühls in der Gesellschaft zu unterstützen, das auf mehr Freiheit, mehr Lebensfreude und mehr Grenzen auszutesten drängte.
Viele Marketingaktivitäten haben diese Perspektive heute noch im Programm, scheinen damit aber seltsam aus der Zeit gefallen zu sein. Denn die kulturellen Rahmenbedingungen haben sich geändert. Marketing ist daher zurzeit nicht mehr geil, sondern fast ein Schimpfwort, das für Mogelpackungen und das Andrehen von überteuerten, nicht unbedingt erforderlichen Produkten und Dienstleistungen steht.
Der kulturelle Hintergrund: Heute entsteht gesellschaftlicher Sinn nicht mehr im Support eines freiheitlichen, alles auslebenden Lebensgefühls, sondern – ganz im Gegenteil – in der Suche nach Regeln und Maßnahmen, durch die die verheerenden Folgen des menschlichen Umgangs mit der Umwelt bekämpft werden können und ein anderes Verständnis von Wirtschaften erreicht werden kann. Bei M4F steht dieser Mind Change im Zentrum. Marketing for Future findet daher auch wieder Partner in der Wissenschaft, bei den NGOs und beseelt die Marketingmanager in ihrem Tun.
Marketing for Future gibt dem Marketing wieder eine übergreifende gesellschaftliche Sinnhaftigkeit, die es in seinen Anfängen schon einmal hatte und die in den letzten Jahren verloren ging.
Und deswegen sind wir auch ganz persönlich sehr gerne dabei! Auch und gerade, weil uns bewusst ist, dass Verbraucher sich anders verhalten, als sie sagen, Politiker zögerlich sind und NGOs eigene Businessmodelle verfolgen. Widerstände sind der Reiz der Sinnhaftigkeit!
Dieser Artikel ist in forum 03/2020 - Digitalisierung und Marketing 4 Future erschienen.
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