Garten-PV - Stromkosten um fast 80 Prozent gesenkt!

Studie belegt: Bei Kinderarbeit im Kakaoanbau bricht die Schokoladenindustrie ihre Versprechen

NGOs fordern von der Bundesregierung ein ambitioniertes Lieferkettengesetz

Eine neue Studie im Auftrag des US-Arbeitsministeriums belegt: Die Schokoladenindustrie hat ihr Versprechen, die Kinderarbeit auf Kakaoplantagen bis 2020 um 70 Prozent zu reduzieren, klar gebrochen. Die Ergebnisse der Studie wurden gestern Nachmittag veröffentlicht. Demnach arbeiten noch immer rund 1,5 Millionen Kinder unter ausbeuterischen Bedingungen auf Kakaoplantagen in Westafrika, wo rund 70 Prozent des in Deutschland verarbeiteten Kakaos angebaut werden. Die Verbreitungsrate von Kinderarbeit in Westafrika hat in den letzten zehn Jahren trotz Bemühungen von Regierungen und Unternehmen nicht abgenommen. Verbraucher*innen in Deutschland müssen also davon ausgehen, dass in ihrer Schokoladentafel mit hoher Wahrscheinlichkeit ausbeuterische Kinderarbeit steckt. Die Entwicklungsorganisation INKOTA und das Forum Fairer Handel fordern deshalb von der Bundesregierung ein ambitioniertes Lieferkettengesetz, das Unternehmen haftbar macht, wenn sie eine Mitverantwortung für ausbeuterische Kinderarbeit tragen.

Viele Kinder in den Ländern Westafrikas arbeiten auf Kakaofeldern. © Christina Schröder, Südwind„Die Schokoladenindustrie hat ihr Versprechen gebrochen", kritisiert Johannes Schorling, Referent für Wirtschaft und Menschenrechte beim INKOTA-netzwerk. „Die Unternehmen haben zu wenig gegen Kinderarbeit getan und zu spät damit angefangen. Programme zur Bekämpfung der Kinderarbeit erreichen bisher nur einen kleinen Teil der Bauern, auch weil Unternehmen die hohen Kosten für solche Programme scheuen. Menschenrechte gibt es aber nicht zum Nulltarif. Unternehmen müssen bereit sein, die nötigen Kosten für die Vermeidung von Kinderarbeit zu tragen – dazu gehört auch die Zahlung eines existenzsichernden Kakaopreises."

Bereits 2001 hatten Schokoladenhersteller wie Mars und Nestlé im Harkin-Engel-Protokoll versprochen, die schlimmsten Formen der Kinderarbeit bis 2005 zu beenden. Das Ziel wurde in der Zwischenzeit mehrfach revidiert. Aktuell strebt die Industrie eine Reduzierung der Kinderarbeit um 70 Prozent bis 2020 an. Eine neue Studie des National Opinion Research Center (NORC) der Universität Chicago belegt nun, dass auch dieses Ziel verfehlt wurde: Rund 1,5 Millionen Kinder verrichten demnach in Ghana und der Elfenbeinküste ausbeuterische Kinderarbeit auf Kakaoplantagen – das sind 45 Prozent der Kinder in landwirtschaftlichen Haushalten in den Kakaoanbaugebieten. Damit hat trotz der bisherigen Bemühungen von Regierungen und Unternehmen zur Bekämpfung der Kinderarbeit diese in den letzten zehn Jahren nicht abgenommen. Insbesondere der Anteil der Kinder, die gefährlichen Chemikalien ausgesetzt sind, ist in den vergangenen Jahren sogar stark gestiegen.

„Armut ist eine der Hauptursachen für Kinderarbeit", sagt Andrea Fütterer, Vorstandsvorsitzende des Forum Fairer Handel. „Wir brauchen existenzsichernde Preise, die die Produktions- und Lebenshaltungskosten der Kakaobäuer*innen decken. Hier setzt auch der Faire Handel an." Mit Blick darauf, dass im globalen Wirtschaftssystem viele Unternehmen durch die Missachtung von Menschenrechten Wettbewerbsvorteile genießen, stoßen Fair-Handels-Akteure jedoch an ihre Grenzen. „Selbst in Brancheninitiativen wie dem Forum Nachhaltiger Kakao kommen die Mitgliedsunternehmen bisher nicht vollumfänglich ihren menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten nach. Es ist an der Zeit, einheitliche Regeln für alle Unternehmen festzuschreiben", so Fütterer.

INKOTA und das Forum Fairer Handel fordern deshalb von der Bundesregierung ein wirksames Lieferkettengesetz, das Betroffenen von Menschenrechtsverletzungen ermöglicht, vor deutschen Gerichten auf Schadensersatz zu klagen. Die Verhandlungen über Eckpunkte für ein Lieferkettengesetz wurden im Bundeskabinett zuletzt jedoch mehrmals vertagt, weil Wirtschaftsminister Peter Altmaier eine starke gesetzliche Regelung blockiert. „Die gebrochenen Versprechen der Schokoladenindustrie zeigen einmal mehr: Ohne klare gesetzliche Spielregeln kommen wir bei der Bekämpfung von Kinderarbeit nicht weiter", so Johannes Schorling.
 
Weitere Informationen:
 
Das INKOTA-netzwerk ist eine entwicklungspolitische Organisation, die mit politischen Kampagnen und in Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen im globalen Süden Hunger und Armut bekämpft und für eine gerechte Globalisierung eintritt. INKOTA stärkt Menschen im globalen Süden, damit sie sich selbstbestimmt von Hunger und Armut befreien können.

Kontakt:
Johannes Schorling, Referent für Wirtschaft und Menschenrechte, INKOTA-netzwerk |schorling@inkota.de
Maja Volland, Politische Referentin, Forum Fairer Handel | m.volland@forum-fairer-handel.de


     
        
Cover des aktuellen Hefts

Frau Reiche – es reicht!

forum 03/2026

  • Resilienz
  • Klimafinanzierung
  • Wald
  • Startups
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
30
JUN
2026
Circular Tech Hub
Europe’s Largest Tech, Startup & Digital Investment Event
14055 Berlin
28
SEP
2026
Zertifikatskurs „Sustainability Management“
Wir verbinden Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit!
95447 Bayreuth
Alle Veranstaltungen...
forum goes international! Download the international edition for forum free of charge.
Anzeige

Der Mittelstand im ESG-Dschungel. Sie müssen nicht alles machen. Sie müssen nur wissen, was.

Sie erhalten einen klaren Fahrplan: was jetzt zu tun ist, was Sie auf dem Schirm behalten sollten und was Sie getrost ignorieren können.

Pioniere & Visionen

Innovation und Kreativität brauchen Spielräume
Christoph Quarchs Gedanken zum Frühlingserwachen
B.A.U.M. Insights
Garten-PV - Stromkosten um fast 80 Prozent gesenkt

Jetzt auf forum:

Stadtgrün gegen Hitze

Biodiversität beginnt vor der Haustür

Erfolgreicher Moor-Mitmachtag mit 100 Freiwilligen

Klimaneutrale Speicherstadt drei Mal erfolgreich bei DGNB Sustainability Challenge

Die Sommer-INNATEX wartet auf mit bekannten Namen und essenziellen Themen

Recht haben reicht nicht

Neue Wege gehen: Die nächste Generation steht bereit

Der Einkauf als Hebel

  • WWF Deutschland
  • 66 seconds for the future
  • Global Nature Fund (GNF)
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
  • ZamWirken e.V.
  • Engagement Global gGmbH
  • BAUM e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften
  • Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz GmbH
  • SUSTAYNR GmbH
  • NOW Partners Foundation
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V. (BNW)
  • Protect the Planet. Gesellschaft für ökologischen Aufbruch gGmbH
  • Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG
  • TÜV SÜD Akademie
  • Klimabündnis Ebersberg-München