Lifestyle | LOHAS & Ethischer Konsum, 21.09.2020
Nachhaltigkeits-Wissenschaft: Schluss mit zweierlei Maß
Forscherteam thematisiert Widersprüche zwischen Schlüsselprinzipien der Nachhaltigkeit und alltäglichen Praktiken
Wie nachhaltig verhalten sich eigentlich Nachhaltigkeits-Wissenschaftler? Prof. Dr. Tobias Plieninger hat gemeinsam mit zwei Kolleginnen zehn Grundsätze erarbeitet, die Hilfestellung beim nachhaltigen Führen einer Nachhaltigkeits-Forschungsgruppe bieten sollen.
„Nachhaltigkeits-Wissenschaft ist noch nicht lange als eigenständige Wissenschafts-Disziplin akzeptiert", sagt Prof. Plieninger, der eine gemeinsame Professur der Universität Kassel und der Georg-August-Universität Göttingen innehat. In den vergangenen 20 Jahren hat dieser Forschungszweig weltweit ein rasantes Wachstum erfahren, was sich unter anderem an der Zunahme an wissenschaftlichen Zeitschriften, Konferenzen, Professuren und Lehrstühlen zeigt.„Zu den wichtigsten Zielen der Nachhaltigkeits-Wissenschaft gehört es, Lösungsvorschläge für globale Probleme wie den Klimawandel zu erarbeiten", sagt Prof. Plieninger. Gleichzeitig sähen sich aber viele Kolleginnen und Kollegen mit dem Dilemma konfrontiert, dass ihr eigenes Verhalten im Alltag wenig nachhaltig ist – Flüge zu Konferenzen, nicht nachhaltig produziertes Essen und institutionelle Rahmenbedingungen an Universitäten und Forschungsinstituten, die nicht auf Nachhaltigkeit ausgerichtet sind.
„Das führt bei nicht wenigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zu Unbehagen und Stress", fasst Prof. Plieninger zusammen. Gemeinsam mit seinen Kolleginnen Nora Fagerholm und Claudia Bieling hat er daher zehn Grundsätze verfasst, um Handlungsoptionen für Forschungsgruppen aufzuzeigen. „Damit möchten wir Denkanstöße geben, um sowohl das eigene Verhalten als auch die institutionellen Rahmenbedingungen in Richtung Nachhaltigkeit zu verändern", sagt Prof. Plieninger.
Zu den Vorschlägen gehört unter anderem die Ermittlung des CO2-Fußabdruckes einer Forschungsgruppe, die Ausrichtung des privaten Lebensstils hin zu mehr Nachhaltigkeit und der Dialog mit verschiedenen Akteuren wie Universitätsverwaltungen, Politik oder wissenschaftlicher Community.
Prof. Plieninger: „Die Handlungsmöglichkeiten für Einzelne sind oft begrenzt – durch den Fokus auf Forschungsgruppen wollen wir aber Möglichkeiten aufzeigen, wie sich Nachhaltigkeits-Strategien durch eine größere Gruppe von Menschen realisieren lassen."
Zur Originalarbeit in der Zeitschrift „Sustainability Science" (frei zugänglich)
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