Klima- und Ressourcenschutz am Scheideweg

Erdüberlastungstag rückt durch Coronakrise drei Wochen nach hinten

Ab Samstag hat die Menschheit nach Berechnungen des Global Footprint Network alle Ressourcen verbraucht, die ihr bei nachhaltiger Nutzung für das gesamte Jahr zur Verfügung gestanden hätten - durch die Coronakrise ist das Tempo der Übernutzung dieses Jahr gesunken.

Global Footprint Network © CC BY-SA 4.0Am Samstag (22. August) ist der globale Erdüberlastungstag. Der Tag markiert den Zeitpunkt im Jahr, bis zu dem die Menschheit so viel von der Erde beansprucht hat, wie alle Ökosysteme im gesamten Jahr erneuern können. Um den aktuellen Ressourcenverbrauch zu decken, bräuchten wir derzeit 1,6 Erden. Aufgrund der Corona-Pandemie rückt der Tag in diesem Jahr erstmals gut drei Wochen nach hinten. BUNDjugend, FairBindung, Germanwatch und NAJU warnen jedoch: Dieser Effekt könnte schon im kommenden Jahr wieder verpufft sein, wenn der Weg aus der Coronakrise nicht ressourcenschonend gelingt.
 
„Dass sich der Erdüberlastungstag dieses Jahr nach hinten verschiebt, ist allein Folge der Corona-Pandemie und noch keine Trendumkehr", sagt Steffen Vogel von Germanwatch. "Wenn dies kein Einmal-Effekt bleiben soll, müssen die Investitionen zur ökonomischen Erholung nach der Pandemie konsequent an Nachhaltigkeit gekoppelt werden. Unsere Wirtschaft darf nicht länger an Profit ausgerichtet sein, der Klimaziele und Menschenrechte untergräbt. Der Ressourcenverbrauch muss sinken."
 
„Wir stehen bei der Bekämpfung der Klima- und Biodiversitätskrise weltweit an einem Scheideweg", so Jan Göldner von der NAJU (Naturschutzjugend im NABU). "Entweder wir nutzen die aktuell notwendige Unterstützung der Wirtschaft für Anreize und zukunftsfähige Investitionen in Klima- und Ressourcenschutz oder wir verpassen diese Chance und machen einen riesigen Schritt rückwärts." Mit einem sogenannten Rebound-Effekt würden positive Auswirkungen auf das Klima und die Biodiversität zunichte gemacht, weil zum Beispiel wieder erheblich mehr CO2 ausgestoßen wird, wenn die Wirtschaft sich weltweit erholt hat. 
 
„Wenn wir jetzt nicht ambitioniert umsteuern, wird sich weltweit auch die Kluft zwischen Arm und Reich weiter verschärfen, die Abfallmengen werden weiter zunehmen und es wird teurer werden, diese Krisen abzuwenden – alles auf dem Rücken unserer und künftiger Generationen", sagt Constantin Kuhn aus dem Vorstand der BUNDjugend. 
 
„Unsere auf Wachstum ausgerichtete Wirtschaft geht nach wie vor auf Kosten der Menschen in Ländern des Globalen Südens", ergänzt Julius Neu von FairBindung. „Ein gutes Leben für alle wird nur möglich, wenn wir unsere Art zu produzieren und zu konsumieren grundlegend verändern."
 
Hintergrundinformationen zum globalen Erdüberlastungstag
Das Global Footprint Network berechnet jedes Jahr den Tag, an dem die Erdüberlastung erreicht ist (Earth Overshoot Day). Dabei werden zwei rechnerische Größen gegenüber gestellt: zum einen die biologische Kapazität der Erde zum Aufbau von Ressourcen sowie zur Aufnahme von Müll und Emissionen, zum anderen der Bedarf an Wäldern, Flächen, Wasser, Ackerland und Fischgründen, den die Menschen derzeit für ihre Lebens- und Wirtschaftsweise verbrauchen. Um ihren Ressourcenbedarf nachhaltig zu decken, bräuchte die Weltbevölkerung rechnerisch 1,6 Planeten. Würden alle Länder so haushalten wie Deutschland, wären sogar drei Erden nötig (bezogen auf das Jahr 2019). Bei einer Lebensweise wie in China bräuchte die Weltbevölkerung 2,2 Erden; würden alle Menschen so wirtschaften wie in den USA bräuchten sie fünf Erden. Während der Erdüberlastungstag in den Siebzigerjahren wegen des geringeren Ressourcenverbrauchs noch in den Dezember fiel, lag er im vergangenen Jahr bereits auf dem 29. Juli.
 
Kontakt: Stefan Küper, Germanwatch e.V. | kueper@germanwatch.org | www.germanwatch.org

Umwelt | Ressourcen, 18.08.2020
     
Cover des aktuellen Hefts

Jetzt reicht's!

forum 04/2020

  • Klimaschutz als Volkssport
  • Marketing for Future
  • Systemrelevant
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
19
MÄR
2021
#NoMoreEmptyPromises
Globaler Klimastreik
weltweit
26
MÄR
2021
DVD-Start „Unser Boden, unser Erbe“
Wie wollen wir in Zukunft leben?
deutschlandweit
Alle Veranstaltungen...
Marketing For Future Award 2021. Marketing zwischen Macht und macht nichts.

Gemeinsam ist es Klimaschutz

natureOffice nimmt Sie mit auf die Reise durch den Klimakosmos - gleich YouTube-Kanal abonnieren und Baum pflanzen!

Sport & Freizeit, Reisen

Fußball als Kitt der Gesellschaft ist viel systemrelevanter, als Beamten und Behörden glauben.
Christoph Quarch fiebert dem Bundesliga-Start entgegen
Hier könnte Ihre Werbung stehen! Gerne unterbreiten wir Ihnen ein Angebot

Jetzt auf forum:

H2-Leitfaden für Stadtwerke

Strom für und aus dem Auto

Mit Pflanzaktionen Bienen retten

Zapf Creation stellt auf plastikfreie Verpackungen um

Decision Advisory Group (DAG) erhält Auftrag zur Erarbeitung deutschlandweiter Industriestudie zum Thema Wasserstoff

Gestalten mit nachhaltigen Pflastersteinen

Kehrtwende am Eisstand — jetzt wird Softeis vegan

Gutes Beispiel 2021: Der Wettbewerb für eine bessere Gesellschaft

  • TourCert gGmbH
  • Bundesdeutscher Arbeitskreis für Umweltbewusstes Management e.V. (B.A.U.M.)
  • SÜDWIND e.V. - Institut für Ökonomie und Ökumene
  • Telefónica Germany GmbH & Co. OHG
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • PEFC Deutschland e. V.
  • Global Nature Fund (GNF)
  • VDMA Nachhaltigkeitsinitiative Blue Competence
  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen