Umwelt | Klima, 04.08.2020
Kohleausstieg heißt nachhaltiger Strukturwandel – nicht einfach nur Arbeitsplatzverlust
Handlungsempfehlungen für einen nachhaltigen Strukturwandel in Kohlerevieren
Beim Thema Kohleausstieg gerät das Zusammenspiel der 17 UN-Nachhaltigkeitsziele oftmals ins Wanken, wenn Arbeitsplätze in fossilen Industrien Emissionsminderungen des Energiesektors gegenübergestellt werden. Debatten werden immer wieder auf den Verlust von Arbeitsplätzen reduziert, was den Strukturprozess auf unkonstruktive Weise belastet. Dabei scheint eine Auseinandersetzung über die richtigen Wege hin zu einer klimaneutralen und strukturfesten Zukunft der Energiereviere in den Hintergrund zu rücken – dabei sollte es doch eigentlich genau darum gehen. „Weil der Kohleausstieg früher oder später kommen muss, darf es nicht Kohle oder Klima heißen, sondern Kohle oder Zukunft", findet Polis180-Mitglied Carina Liersch, Autorin des kürzlich erschienenen Polis-Briefs über die zukunftsfähige Wirtschaft und Beschäftigung in den Strukturwandelrevieren.
Die Publikation zeigt Möglichkeiten und Herausforderungen auf, die drei der 17 UN-Nachhaltigkeitsziele im Rahmen des Kohleausstiegs in Deutschland aufgreifen – Wirtschaftswachstum und Vollbeschäftigung, Infrastruktur und nachhaltige Industrialisierung sowie Klimaschutz – und wie diese in Einklang gebracht werden können. Carina Liersch fasst in ihrer Analyse zusammen: „Die Kohleenergieversorgung ist ein vielseitig eingebettetes System mit darüberhinausgehenden sozialen und technischen Verflechtungen. Dieses System wird zunehmend auf ökonomischen, sozialen, kulturellen, ökologischen und politischen Ebenen destabilisiert." Es stellt sich daher die dringende Frage, wie der Ausstieg trotz allem gelingen kann.Die Autorin weist u. a. darauf hin, dass die Beschäftigungsstruktur in der Kohleindustrie eine soziale und klimagerechte Gestaltung des Kohleausstiegs sogar begünstigt, wenn dieser mit sozialpolitischen Maßnahmen flankiert wird. Bei einem Ausstieg bis 2030 könnten zwei Drittel der direkt Beschäftigten regulär oder durch Frührentenprogramme in Rente gehen. Darüber hinaus müssen geeignete Umschulungs- und Fortbildungsmaßnahmen geschaffen werden, die einen fließenden Übergang in neu entstehende Beschäftigungsfelder ermöglichen, wie z. B. in den Bereichen der Erneuerbaren Energien und nachhaltigen Energiesanierung im Bausektor. Drohende Negativeffekte durch Arbeitsplatzverluste lassen sich somit weitgehend abfedern.
Die weitaus größere Herausforderung liegt in der strukturellen Transformation der bisherigen Kohlereviere – denn dafür braucht es ein erhebliches Maß an Innovationskraft in Verbindung mit lokalem Wissen aus den Revieren. „Ein wichtiger Punkt, der einem Zielkonflikt mit SDG 13 [Klimaschutz] entgegenwirkt, ist die Diversifizierung der Industrielandschaft", betont Carina Liersch in Hinblick auf Möglichkeiten zur Vermeidung von drohenden regionalen Strukturbrüchen in der Zukunft und fügt hinzu: „Eine Diversifizierung der Industrie wirkt wirtschaftlichen Risiken entgegen, indem sie Abhängigkeiten verringert, dadurch, dass gegebenenfalls Negativeffekte von anderen Industrien abgefangen werden können."
Der Polis-Brief „Kohle oder Klima?" steht zum Download zur Verfügung. Dieser ist Teil einer Publikationsreihe unseres Programms „Klima und Energie" über Handlungsempfehlungen zu den UN-Nachhaltigkeitszielen aus junger Perspektive.
Über Polis180
Der Grassroots-Thinktank Polis180 übersetzt wissenschaftliche Erkenntnisse für politische EntscheidungsträgerInnen. Ideen, Analysen und Lösungsansätze unserer Generation bringen wir durch innovative, partizipative und inklusive Ansätze in den politischen Diskurs ein. In thematischen Programmen und mit neuen und kreativen Formaten entwickeln wir echte Alternativen für eine konstruktive Außen- und Europapolitik. Weitere Informationen über Polis180 gibt es auf der Website.
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