Andrea Pelzeter

Vorstoß für den ökologischen Gebäudebetrieb ­

Facility Management kann noch viel bewegen

Wie sieht ein Gebäudebetrieb aus, der ökologisch und sozial vorbildlich ist? Welche Potenziale sind in einem Unternehmen diesbezüglich noch zu heben? Die Richtlinie 160 des Deutschen Verbandes für Facility Management hält für all diese Fragen eine Antwort bereit.
 
 © GEFMACorporate Social Responsibility (CSR) findet auch bei solchen Prozessen ein weites Anwendungsfeld, die in der Wirtschaft nur eine sekundäre Rolle spielen. Dazu zählen unter anderem das Betreiben von Gebäuden und die Bereitstellung von Services, wie zum Beispiel Security oder Catering. Die Steuerung all dieser Services wird im Facility Management gebündelt. Als in dieser Branche plötzlich für „grüne" oder „blaue" Service-Produkte geworben wurde, zog der Verband GEFMA (German Facility Management Association) daraus eine Konsequenz: Er definierte in 24 Kriterien, worin genau die ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit beim Managen und Erbringen von Facility Services bestehen könnte – ein Prozess, an dem sowohl die Anbieter, als auch die Kunden von Facility-Management-Dienstleistungen beteiligt waren.

Was zeichnet einen nachhaltigen Gebäudebetrieb aus?
Mit Hilfe dieser 2014 veröffentlichten GEFMA-Richtlinie 160 „Nachhaltigkeit im Facility Management" kann der Gebäudebetrieb systematisch auf soziale und ökologische Belange hin untersucht und optimiert werden. Was in der Abbildung bereits auffällt: Immer ist von „...-Management" die Rede. Dies ist wichtig, denn das bedeutet, dass nicht ein bestimmter Kennwert als Ziel gesetzt wird, sondern ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess. So kann auch in einem Gebäude, das schon lange auf seine energetische Ertüchtigung wartet, ein ressourcenschonendes Energiemanagement umgesetzt werden – hier hat es sogar meist einen besonders großen Einfluss. Die benannten Kriterien wurden in fünf Gruppen eingeteilt. Den Anfang machen die drei Kernbereiche von Nachhaltigkeit: Ökologie, Ökonomie und Soziales.

Die Ökonomie umfasst als einziges Kriterium die Nutzungskosten, die zum Beispiel in einem Vergleich mit den letzten drei Jahren eine rückläufige Entwicklung aufweisen sollten. Der ökologische Bereich behandelt die Themen Energie, Wasser und Wertstoffe (aus dem Prozess der Entsorgung) und zusätzlich das Management von Havarien. Bei alledem geht es um die Vermeidung von Umweltschäden, z.B. bei Extremereignissen wie Überschwemmung, Brand, Stromausfall, etc. Ein weiterer Bereich ist die soziokulturelle und funktionale Qualität. Diese umfasst auch einige „Eh-da"-Kriterien, wie die Rechtskonformität oder die Arbeits- und die Gebäudesicherheit, die eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollten. Trotzdem ist das Beachten solcher Regeln kein Automatismus. Ihnen muss im Konzert mit den vielen anderen Impulsen des wirtschaftlichen Handelns eine angemessene Aufmerksamkeit gewidmet werden.

Das nächste Themenfeld heißt „Qualität der FM-Organisation". Darin geht es um all jene Aktivitäten, in denen die Weichen für die Übernahme von ökologischer und sozialer Verantwortung gestellt werden. Das letzte Themenfeld benennt den Status quo, der sich in der vergangenen Optimierung von einzelnen Facility Services bereits herausgebildet hat, wie zum Beispiel das Anbieten von regionalen und saisonalen Speisen im Catering.
 
Wie kann man Nachhaltigkeit im Gebäudebetrieb sichtbar machen?
Damit aber auch Dritte auf einen Blick erkennen können, wie intensiv das Facility Management in einem spezifischen Gebäude bereits auf Nachhaltigkeits-Kriterien hin ausgerichtet wurde, ist eine entsprechende Zertifizierung entwickelt worden. Die Zertifizierung nach GEFMA 160-1 macht das bisher erreichte Nachhaltigkeits-Level in Form eines prozentualen Erfüllungsgrades nach außen hin sichtbar. Bewertet wird hier die ökologische und soziale Qualität aller für die Nutzung eines Gebäudes erforderlichen Leistungen, wie zum Beispiel Instandhaltung, Reinigung oder Sicherheitsdienste.
 
Die Kriterien, die für die Bewertung ausgearbeitet wurden, geben jedoch keine Maximalwerte vor – anders als in der Bewertung des nachhaltigen Bauens. Vielmehr fordern sie die Dokumentation eines Verbesserungsprozesses mit den Phasen „Plan – Do – Check – Act" ein. Zudem benennen sie im Detail, wie ein optimal auf Nachhaltigkeit ausgerichtetes Konzept aussehen sollte. Unabhängig davon, ob diese Listen zu einer Zertifizierung beitragen, sind sie als Instrument für das Qualitätsmanagement und für die Umsetzung der CSR im eigenen Unternehmen nützlich.
 
Übersicht über die Kriterien der GEFMA-Richtlinie 160 zu Nachhaltigkeit im Facility Management
 
Welche Hilfsmittel stellt GEFMA zur Nachhaltigkeitsbewertung bereit?
Seit September 2018 gibt es für den vereinfachten Einstieg in die Bewertung von Nachhaltigkeit im Facility Management zudem die App „SustainFM". Sie führt den Nutzer digital durch die Kriterien der GEFMA 160 und ermöglicht einen Pre-Check für die erste Einschätzung des Grades von Nachhaltigkeit im eigenen Gebäudebetrieb. Auch die bei der ersten Bewertung festgestellten Verbesserungspotenziale kann man mit der App in künftigen internen Prozessen managen. Erhältlich ist die App kostenlos in allen gängigen App-Stores. Alle anderen benannten Unterlagen können über GEFMA Deutscher Verband für Facility Management e.V. bezogen werden.
 
 
Prof. Dr. Andrea Pelzeter leitet den GEFMA-Arbeitskreis Nachhaltigkeit und lehrt an der HWR Berlin.

Dieser Artikel ist in forum Nachhaltig Wirtschaften 03/2019 - Social Business beseitigt Plastik-Müll und schafft neue Jobs erschienen.

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