66 seconds for the future - forum zeigt Zukunftsgestalter:innen und Nachhaltigkeitspionier:innen

Kohlegesetz: Viel Geld für zu wenig Klimaschutz und zu wenig Schutz vor Folgekosten

FÖS fordert zusätzliche Instrumente, die CO2-Emissionen aus Kohlestrom schneller reduzieren – beispielsweise einen nationalen CO2-Mindestpreis für den Stromsektor.

Es besteht die Gefahr, dass die Steuerzahler*innen trotz der geplanten Braunkohle-Entschädigungen für Folgekosten aufkommen müssen. Die Entwürfe des Gesetzestexts zum Kohleausstieg und des öffentlich-rechtlichen Vertrags zeigen: Die komplizierten Regelungen versuchen Schlupflöcher zu stopfen, sie sichern die Folgekostenfinanzierung jedoch nach wie vor nicht ausreichend ab.
 
Es besteht die Gefahr, dass die Steuerzahler*innen trotz der geplanten Braunkohle-Entschädigungen für Folgekosten aufkommen müssen. © herbert2512, pixabay.comNächste Woche soll das "Kohleausstiegsgesetz" nun endlich abgeschlossen werden - darin vorgesehen ist eine Entschädigungszahlung für Braunkohlekraftwerke in Höhe von 4,35 Mrd. Euro. Angesichts der sehr späten Ausstiegstermine insbesondere für die Braunkohle ist das viel Geld. Damit sollte zumindest sichergestellt werden, dass die absehbaren Folgekosten der Kohlenutzung später von den Betreibern übernommen werden - und nicht vom Staat. "Wir brauchen jetzt umgehend zusätzliche Instrumente, die CO2-Emissionen aus Kohlestrom schneller reduzieren - beispielsweise einen nationalen CO2-Mindestpreis für den Stromsektor. Nur so kann das Pariser Klimaabkommen umgesetzt werden", fordert Uwe Nestle, Geschäftsführender Vorstand des FÖS.
 
Der Entwurf eines öffentlich-rechtlichen Vertrags gibt Aufschluss über Details der Entschädigungszahlung an Braunkohlekraftwerke. Die grundsätzliche Frage, wofür die Entschädigungen gezahlt werden, bleibt jedoch nach wie vor unbeantwortet. Objektive Kriterien zur Begründung der Zahlungen an RWE und Leag sind auch in den aktuellen Entwürfen nicht enthalten. Für die Öffentlichkeit ist nicht nachvollziehbar, für welche finanziellen Verluste die Braunkohleunternehmen entschädigt werden sollen.
 
Positiv zu bewerten ist, dass das Geld für die Finanzierung von Tagebaufolgekosten genutzt werden soll. Entschädigungen für das Lausitzer Revier in Höhe von 1,75 Mrd. Euro sollen an die Zweckgesellschaften in Brandenburg bzw. Sachsen gehen, welche speziell für diese Aufgabe gegründet wurden. Zudem enthält der Vertrag einige Bestimmungen, mit denen die Mittel auch vor einer Insolvenz der Leag geschützt werden sollen.
 
Entschädigungen für das Rheinische Braunkohlerevier in Höhe von 2,6 Mrd. Euro fließen dagegen direkt an RWE Power und werden nicht speziell für die Folgekosten gesichert. "Das Geld verschwindet im Unternehmen und es ist nicht gesichert, dass es dann tatsächlich noch verfügbar ist, wenn es gebraucht wird", kritisiert Isabel Schrems, wissenschaftliche Mitarbeiterin beim FÖS und ergänzt: "Immerhin soll durch eine Verbesserung bei der Konzernhaftung verhindert werden, dass sich der Mutterkonzern RWE dann aus der Verantwortung stehlen kann."
 
"Die Bemühungen zur Sicherung der Gelder für die Tagebaufolgekosten sind im Kohlevertrag klar erkennbar. Ob das am Ende hilft, muss aber leider immer noch bezweifelt werden. Sicherheitsleistungen zu verlangen wäre die einfachere und sichere Alternative gewesen", fasst Swantje Fiedler, wissenschaftliche Leiterin des FÖS, zusammen. So haben die zuständigen Bergbehörden laut Bundesberggesetz schon heute die Möglichkeit Sicherheitsleistungen zu erheben. Diese würden sicherstellen, dass die Mittel zur Rekultivierung und Wiedernutzbarmachung zur Verfügung stehen.
 
Weitere Informationen:
Über das FÖS
Das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) e.V. ist ein unabhängiger politischer Think Tank für marktwirtschaftliche Instrumente in der Umwelt- und Klimapolitik. Das FÖS erstellt ökonomische Studien und politische Expertisen. Seit 1994 setzt es sich für die Weiterentwicklung der sozialen Marktwirtschaft zu einer ökologisch-sozialen Marktwirtschaft ein.
 
Kontakt: Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft e.V. | foes@foes.dewww.foes.de


     
        
Cover des aktuellen Hefts

forum Nachhaltig Wirtschaften heißt jetzt forum future economy

forum 01/2026

  • Zukunft bauen
  • Frieden kultivieren
  • Moor rockt!
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
04
FEB
2026
Solarenergie, Großspeicher und Netzausbau – aber keine Gaskraftwerke!
Im Rahmen unserer Serie "Klima-Strategien"
80336 München und online
10
FEB
2026
E-world energy & water
Der Branchentreffpunkt der europäischen Energiewirtschaft
45131 Essen
11
FEB
2026
BootCamp Impact Business Design
Professional Training zum Update Ihrer Transformationsskills
81371 München
Alle Veranstaltungen...
forum goes international! Download the international edition for forum free of charge.
Anzeige

Professionelle Klimabilanz, einfach selbst gemacht

Einfache Klimabilanzierung und glaubhafte Nachhaltigkeitskommunikation gemäß GHG-Protocol

Megatrends

Eine Zeit der "Sinnfinsternis"
Ein Blick auf die neuen Zahlen zur Kindswohlgefährdung macht auch den Philosophen Christoph Quarch sprachlos
B.A.U.M. Insights
Lassen Sie sich begeistern von einem Buch, das Hoffnung macht.

Jetzt auf forum:

Krankheit und Gesundheit

Aufrüsten für den Frieden?

Tu Du's auf 17 Ziele.de

Rat für Nachhaltige Entwicklung neu berufen

Sperrmüll vs. Entrümpelungsfirma: Wann lohnt sich professionelle Hilfe?

Das große Aufwachen nach Davos

BAUExpo 2026 vom 20. bis 22. Februar in Gießen

Lichtblicke für die Landwirtschaft: Nachhaltige LED-Technologien im Einsatz

  • Engagement Global gGmbH
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • Global Nature Fund (GNF)
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V. (BNW)
  • TÜV SÜD Akademie
  • Protect the Planet. Gesellschaft für ökologischen Aufbruch gGmbH
  • Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG
  • SUSTAYNR GmbH
  • circulee GmbH
  • BAUM e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften
  • toom Baumarkt GmbH
  • NOW Partners Foundation
  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
  • WWF Deutschland