Technik | Wissenschaft & Forschung, 19.05.2020
Nanocellulose aus Agrarreststoffen für eine klimafreundliche Kreislaufwirtschaft
Wissenschaftliche Grundlagen für die umfassende Entwicklung von biobasierten Industrieprodukten
Agrarreststoffe können fossile Rohstoffe bei der Herstellung von Kunststoffprodukten ersetzen. Eine Schlüsselrolle könnte das Zwischenprodukt Nanocellulose spielen. Wie sich die Nanocellulose aus Agrarreststoffen gewinnen und effektiv nutzen lässt, hat ein internationales Forscherteam unter Beteiligung des Fraunhofer WKI herausgefunden. Die Forschenden legen damit Grundlagen für die umfassende Entwicklung von biobasierten Industrieprodukten.
Ziel des Projekts "ValBio-3D" war es, Agrarreststoffe, die bisher beispielsweise verbrannt werden, in höherwertige Anwendungen zu bringen und sie möglichst effizient zu nutzen. Die Partner entwickelten Wege, aus Zuckerrohr-Bagasse und Kiefernsägemehl Nanocellulose herzustellen und sie für Bio-Kunststoffe oder Beschichtungen zu verwenden.Das Forscherteam aus Europa und Südamerika betrachtete die gesamte Wertschöpfungskette – von der Gewinnung der Rohstoffe, ihrer Verwendung, bis hin zu einer Lebenszyklusanalyse. Das "Instituto de Materiales de Misiones" in Argentinien entwickelte in Zusammenarbeit mit einer Bioraffinerie die Verfahren zum Aufschluss von Lignocellulosen und der Isolierung von Grundchemikalien. Der Schwerpunkt der "Universidad de La Frontera" in Chile war die biotechnologische Herstellung von Biokunststoffen und Grundchemikalien. Unterdessen veredelte das "VTT Technical Research Center of Finland" die Cellulose zu Nanocellulose und optimierte diese für die Verwendung in verschiedenen Bioverbundwerkstoffen. Das "Paper and Fibre Research Institute AS" in Norwegen stellte Filamente auf Basis von Biopolymeren und Cellulose für den 3D-Druck her und entwickelte Verfahren für das Drucken mit Nanocellulosepasten für medizinische Anwendungen.
Abgerundet wurde das Projekt durch eine umfassende Lebenszyklusanalyse und ökonomische Bewertung durch die "Pontifical Catholic University" in Peru.
Am Fraunhofer WKI forschten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler daran, wie die in Finnland entwickelte Nanocellulose für die Produktion von Bio-Verbundwerkstoffen und Beschichtungen verwendet werden kann. "Unsere Idee war, dass die Nanocellulose direkt bei der Polymersynthese eingesetzt wird und dadurch eine stärkere Bindung zwischen Polymermatrix und Füllstoff entsteht. Dies soll zu verbesserten Produkteigenschaften führen", erläutert Dr. Claudia Schirp, Projektleiterin am Fraunhofer WKI. Die Forschenden führten erfolgreich die In-situ-Polymerisation von Polyester und Nanocellulose durch. Das Material eignet sich grundsätzlich für den 3D-Druck, weitere Forschung dazu ist notwendig.
Erfolgreich waren die Forschenden außerdem mit Versuchen, die Nanocellulose bei der Synthese von Bindemitteln für Holzbeschichtungen einzusetzen. "Gerade für die Beschichtung von Holz ergeben sich spannende und vielversprechende Lösungsansätze, vor allem mit mikrofibrillierter Cellulose (MFC). Durch die Verwendung von Nanocellulose soll die Wasserdampfdurchlässigkeit verbessert und die Beschichtung atmungsaktiver werden. Die sich daraus ergebenden Möglichkeiten, wollen wir in einem neuen Projekt weiterverfolgen". In einem Folgeprojekt soll eine Brandschutzbeschichtung für Holz mit einer speziell modifizierten Nanocellulose entwickelt werden. Besonderer Schwerpunkt der Forschung liegt auf der Dauerhaftigkeit der Brandschutzleistung.
Fördermittelgeber des von Februar 2017 bis Januar 2020 geförderten Projekts "ValBio-3D" war das Bundesministerium für Bildung und Forschung über den Projektträger Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. Die Kooperation ist aus dem EU geförderten ERANet-LAC Projekt entstanden, einem Netzwerk der Europäischen Union (EU) und der Gemeinschaft lateinamerikanischer und karibischer Staaten (CELAC) für gemeinsame Innovations- und Forschungsaktivitäten.
Kontakt: Anna Lissel, Fraunhofer-Institut für Holzforschung Wilhelm-Klauditz-Institut WKI
Zukunft braucht Frieden
forum 02/2026 ist erschienen
- Geopolitische Spannungen, Aufrüstung und Unsicherheit prägen Märkte und Investitionsentscheidungen wie lange nicht. Die neue Ausgabe von forum future economy setzt bewusst einen Kontrapunkt: Sie gibt Stimmen Raum, die für Diplomatie, Deeskalation und zivile Lösungen eintreten – weil wirtschaftliche Stabilität ohne Frieden nicht denkbar ist.
Kaufen...
Abonnieren...
06
MÄR
2026
MÄR
2026
10
MÄR
2026
MÄR
2026
Rechtliche Aspekte der Kreislaufwirtschaft
Kreislaufwirtschaft zwischen Green Deal und Praxis
kostenfreies Webinar
Kreislaufwirtschaft zwischen Green Deal und Praxis
kostenfreies Webinar
11
MÄR
2026
MÄR
2026
Circular Valley Convention 2026
Gestalten Sie mit uns die Zukunft der Kreislaufwirtschaft - Ticketrabatt für forum-Leser*innen!
40474 Düsseldorf
Gestalten Sie mit uns die Zukunft der Kreislaufwirtschaft - Ticketrabatt für forum-Leser*innen!
40474 Düsseldorf
Anzeige
Professionelle Klimabilanz, einfach selbst gemacht
Einfache Klimabilanzierung und glaubhafte Nachhaltigkeitskommunikation gemäß GHG-Protocol
Politik
Gute Politik bedient nicht PartikularinteressenChristoph Quarchs Überlegungen zum Wahlsonntag
Jetzt auf forum:
Industrial Accelerator Act: Dekarbonisierung als Sicherheitsstrategie
Handelsblatt Jahrestagung Stadtwerke 2026, 22./23. April, Berlin
Gute Politik bedient nicht Partikularinteressen
Zukunft braucht Frieden, Resilienz und Unabhängigkeit



















