Wirtschaft | Branchen & Verbände, 01.09.2019
Das Potsdam-Memorandum
„Global Sustainability: A Nobel Cause“
Wir stehen an einem geschichtlichen Wendepunkt, an dem der Bedrohung unseres Planeten nur mit einer Großen Transformation begegnet werden kann. Diese Transformation muss jetzt beginnen; sie wird von allen Teilnehmern des Nobelpreisträger-Symposiums befürwortet und unterstützt.
– Potsdam, Deutschland, 8. bis 10. Oktober 2007
Die Notwendigkeit einer Großen Transformation
Die weltweite soziale und wirtschaftliche Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg hat unseren Planeten in eine beispiellose Krisensituation gestürzt: Menschliche Aktivitäten wirken heute wie eine quasi-geologische Kraft, die die Funktionsweise des natürlichen Erdsystems tiefgreifend und unumkehrbar verändert – falls diese Dynamik nicht rechtzeitig gebremst wird. Wie durch den IPCC dargelegt, ist die vom Menschen durch den Ausstoß von Treibhausgasen verursachte globale Erwärmung nur die erste in einer Reihe von Entwicklungs-, Sicherheits- und Umweltkrisen, die eine umfassende Reaktion erfordern.
Doch Maßnahmen zum Klimaschutz sind scheinbar nicht mit dem vorherrschenden Wachstums-Paradigma vereinbar, denn dieses lässt den Zusammenhang zwischen menschlichem Gemeinwohl und den begrenzten natürlichen Ressourcen außer Acht. Die Menschheit steht nun vor der Aufgabe, den Ausstoß von Treibhausgasen drastisch zu verringern. Während dies eine veränderte Lebensweise in den wohlhabenden Ländern erfordert, gilt es dagegen in den ärmeren Ländern, in denen der größte Teil der Weltbevölkerung lebt, die Voraussetzungen für Wachstum im Sinne des Rechts auf Entwicklung zu schaffen.
Um künftig rund neun Milliarden Menschen auf der Erde ein Leben in Würde zu ermöglichen, muss vor allem deren nachhaltige Versorgung mit bezahlbarer Energie gesichert werden. Bislang hängt die Energieversorgung jedoch fast ausschließlich von den Ressourcen an fossilen Brennstoffen und deren nicht-nachhaltiger Nutzung ab. Die Frage der „Kohlenstoff-Gerechtigkeit" erfordert dringend eine neue Form der internationalen Zusammenarbeit. Gibt es einen „Dritten Weg" zwischen fortschreitender Umweltzerstörung und lähmender Unterentwicklung? Die Antwort lautet Ja, aber dieser Weg beinhaltet eine zügige und umfassende Neugestaltung unserer Industriegesellschaft. Diese Große Transformation ist eine gewaltige Herausforderung, doch sind wir gegenüber früheren Generationen im Vorteil: Wir verfügen heute über ein ausgereiftes System, Wissen zu produzieren, das prinzipiell dazu genutzt werden kann, diese Transformation unter mutiger politischer Leitung gemeinsam mit aufgeklärten Entscheidungsträgern in der Wirtschaft und der gesamten Zivilgesellschaft herbeizuführen.
Eine globale Zielvereinbarung zwischen Wissenschaft und Gesellschaft
Es ist unumgänglich, dass wir alle Quellen unseres Erfindungsreichtums und der Kooperation erschließen, um den Herausforderungen in den Bereichen Umwelt und Entwicklung im 21. Jahrhundert und darüber hinaus gerecht zu werden. Wesentlich dabei ist eine strategische Allianz zwischen der wissenschaftlichen Gemeinschaft und Führungskräften, Institutionen und den aktiven Bewegungen der Zivilgesellschaft. Im Gegenzug sollten die Regierungen, die Industrie und private Geldgeber in Forschungsvorhaben investieren, die nachhaltige Lösungen aufzeigen. Dieser neue „Vertrag" zwischen Wissenschaft und Gesellschaft muss, neben vielen anderen, vor allem drei Elemente enthalten:
- Ein multinationales Innovations-Programm für die Sicherung der menschlichen Grundbedürfnisse (Energie, Luft, Wasser, Nahrung, Gesundheit etc.), das in vielen Aspekten über die nationalen Kraftakte der Vergangenheit wie etwa Mondlandung oder Grüne Revolution hinausgeht.
- Abbau der hartnäckigen Bildungsgrenzen und -unterschiede durch ein globales Kommunikations-System (das von internationalen Diskursforen bis zu einem echten „World Wide Web" des digitalen Informationsflusses reicht). Insbesondere das im Aufbau befindliche „Global Earth Observation System of Systems (GEOSS)" könnte rechtzeitig vor drohenden ökologischen oder sozialen Nachhaltigkeitskrisen warnen.
- Eine weltweite Initiative für Forschung sowie Aus- und Fortbildung im Bereich der Nachhaltigkeit. Die klügsten jungen Menschen müssen motiviert werden, Probleme interdisziplinär zu lösen, basierend auf der beständig vorangetriebenen Exzellenz in den wissenschaftlichen Einzeldisziplinen. Ziel ist es, die nächste Generation dafür zu gewinnen, die Wissensbasis für das Wohlergehen der übernächsten Generation zu schaffen.
Dieser Artikel ist in forum Nachhaltig Wirtschaften 03/2019 - Social Business beseitigt Plastik-Müll und schafft neue Jobs erschienen.
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