ESG Finance: Gut für Planet Erde, besser fürs Geschäft

Drei Gründe für eine Investition in Umwelt, Soziales und Governance

Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank, kündigte an, die Rolle der EZB im Kampf gegen den Klimawandel untersuchen zu wollen – ein Schritt, der vielerorts auf Skepsis stieß. Währenddessen setzt TCI, ein Hedge Fond und Erfindung von Klimaaktivist Sir Christopher Hohn, sein Geld dort ein, wo es hingehört – in wertorientierte Investitionen.

Ajay Vij zeigt die (Ein-)Sicht? der Finanzbranche
Ajay Vij, SVP und Industry Head, Financial Services bei Infosys © InfosysDie Ratingagentur Moody’s berücksichtigt bei ihren Ratings und Analysen routinemäßig das Klimarisiko und globale Institutionen wie die Vereinten Nationen, die Weltbank, das Weltwirtschaftsforum und der Internationale Währungsfonds sowie aktivistische Organisationen sind die treibende Kraft hinter der Umsetzung von ESG-Standards (Environmental, Social and Governance) für sozialverantwortliche Investitionen. Die weltweit nachhaltigen Investitionen in den Bereichen Umwelt, Soziales und Governance sowie Impact Investing stiegen in den vergangenen Jahren rasant und knackten Anfang 2018 die 30 Billionen USD-Marke. Aber das ist erst der Anfang, denn ESG-Investitionen müssen wachsen – und dies nicht nur zum Wohle der Allgemeinheit. Sie fördern auch das Geschäft. Hier sind einige Gründe, warum nachhaltige Finanzen und Investitionen der richtige Weg sind.

Erkenntnis als Weg zur Einsicht?
Der Klimawandel ist nicht nur Realität – vielmehr ist er ist in einigen Ländern bereits ein Notstand. Während internationale Übereinkommen, wie das Pariser Abkommen, und die nationalen Regulierungsbehörden die Krise durch Gesetze bekämpfen, ist es auch Aufgabe der privaten Unternehmen, ihren Beitrag zu leisten. Nachhaltige Praktiken übernehmen, wirkungsvolle Investitionen tätigen sowie Transparenz und Governance verbessern, sind einige Möglichkeiten. Wird letzteres vernachlässigt, kann das äußerst schmerzliche Folgen haben, wie die Finanzkrise 2008 zeigte. Für weltweit tätige Unternehmen kann darüber hinaus jeder Verstoß gegen Menschenrechtsvorschriften, Arbeitsnormen oder ethische Praktiken zu Rückzügen der Investoren, Rufschädigung und Strafschadenersatz führen.

Führt Einsicht zum richtigen Handeln?
Die Betriebsökonomie verlagert sich langsam auf grüne Ressourcen, da Erdgas billiger als Kohle wird und andere erneuerbare Energieformen wirtschaftlicher, berechenbarer und skalierbar werden. Digitale Technologien unterstützen den Wechsel zu umweltfreundlichen, kostensparenden Optionen wie Online-Kanäle, digitale Dokumentation, Roboter-Berater, Chatbots, intelligente Assistenten und Cloud Computing. 

Die Generationen von heute und morgen sind gesellschaftsbewusst und erwarten von Unternehmen, dass sie sich für die Nachhaltigkeit einsetzen. Die Millennial-Generation, die in den nächsten Jahrzehnten ein Vermögen von 16 Billionen US-Dollar erbt, wird ihren Einfluss ausüben, um Finanzdienstleister zu ESG-konformen Praktiken zu bewegen. Vermögensverwalter, Banken und andere Finanzinstitutionen haben damit keine andere Wahl, als die Erwartungen dieser wichtigen Kundengruppe zu erfüllen.

Einige Finanzinstitutionen übernehmen eine Vorreiterrolle und halten an den ESG-Prinzipien bei der Kreditvergabe und Investitionen fest. ABN Amro beispielsweise verfügt über eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie mit Schwerpunkt auf Klimawandel, Kreislaufwirtschaft und sozialen Auswirkungen. Die Klimaschutzvision der Bank zielt darauf ab, bis 2030 ausschließlich Immobilien des „Energielabels A" zu finanzieren, den Anteil erneuerbarer Energien am Energieportfolio bis zum kommenden Jahr auf mindestens 20 Prozent zu erhöhen und außerdem die nachhaltig investierten Mittel bis dahin auf 16 Milliarden Euro zu verdoppeln. Außerdem eröffnete sie in Oosterhout, Niederlande, das erste auf Kreislaufwirtschaft basierende Bankbüro. Ein weiteres Beispiel für nachhaltige Finanzierung ist die Nordic Investment Bank: Neben „grünen Investition" von Unternehmen in verschiedenen Ländern, emittiert die NIB eigene Umweltanleihen und investiert diese Erlöse in nachhaltige Projekte. Die Bank folgt den besten Praktiken der Unternehmensführung, um mehrere Ziele zu erreichen, darunter die Bekämpfung von Korruption und Geldwäsche, das Risikomanagement und ethische Beschaffung.

Geld für die SDG?
Die von den UN-Mitgliedsstaaten verabschiedete Agenda für nachhaltige Entwicklung bis 2030 nennt 17 Ziele, die auf die Beseitigung der Armut, die Verbesserung von Gesundheit und Bildung, die Verringerung von Ungleichheit sowie die Förderung von Wachstum abzielen und gleichzeitig den Klimawandel bekämpfen und unsere Ozeane und Wälder erhalten sollen. Diese Agenda wird nur dann erfolgreich sein, wenn sie vor Ort, auf der Ebene des Unternehmens, Unterstützung findet. Die Finanzdienstleistungsindustrie kann durch nachhaltige Kreditvergabe und Investitionen einen bedeutenden Beitrag dazu leisten.

Ajay VijSVP und Industry Head, Financial Services bei Infosys hat 20 Jahre Erfahrung in der Entwicklung von Produkt-/Plattform-Partnerschaften und Transformationsgeschäften mit Finanzkunden. Er leitet erfolgreich die Strukturierung von Maßnahmen in den Bereichen Informationsmanagement und Regulierung.


     
        
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