Etwas mehr Weitsicht – bitte!

All das, damit nachher das Hamsterrad noch schneller läuft?

Als wir vor mehr als 35 Jahren die Biobewegung förderten, wurden wir belächelt und bekamen zu hören: „Die Müslis sind doch nur Träumer". 

Als wir Photovoltaik und regenerative Energien unterstützten und Münchens erste Anlage montierten, lächelte der damalige CEO von RWE und meinte: Mehr als 1 Prozent wird dieser Solarunfug nie zur Stromproduktion beitragen können…

Zukunftsgestalter und Visionär Fritz Lietsch fordert in der Corona-Krise mehr Weitsicht und Wagemut. ©, Manor Lux
Als ich BMW bei der Premiere des legendären Zwölfzylinders empfahl, nun auch ein Auto für die wirkliche mobile Zukunft – elektrisch betrieben - zu entwickeln, erntete ich nur die Aussage: niemals!

Lernen aus der Vergangenheit
Nun: Bio schreibt zweistellige Zuwächse, die Photovoltaik hat weltweit eine Schlüsselrolle bei der Energieerzeugung eingenommen und die deutsche Autoindustrie wird vom amerikanischen „Träumer" Elon Musk vorgeführt. Warum?

Etwas mehr Weitsicht und Wagemut sind gefragt. Etwas mehr Bereitschaft, rechtzeitig Neuland zu betreten und wirklich Verantwortung zu übernehmen. Antworten zu finden für die Zerstörung unserer Böden, die Verunreinigung der Luft durch das Verbrennen von Benzin, Diesel, Kerosin oder gar Schweröl oder den gnadenlosen Raubbau natürlicher und menschlicher Ressourcen.

Chancen in der Krise ergreifen? Fehlanzeige
Das gilt auch für die gegenwärtige Krise: Mein Vorschlag, die Soforthilfen zumindest mit Informationen über Nachhaltigkeitsziele zu verknüpfen, verhallte ungehört. Der noch weitaus mutigere Vorschlag, die Wirtschaft nicht mit Rettungsschirmen zu verzerren, sondern ihr eine bewusste Innovations- und Krisen-Pause über ein bedingtes Grundeinkommen und das Aussetzen von Miet- und Pachtzahlungen zu gewähren, wurde als unmöglich abgetan - zwei Wochen später schlug dies selbst der legendäre Finanzexperte George Soros vor…

Wirkliche Innovationskraft oder gar Solidarität in der Krise konnte nicht entstehen, weil man gebannt auf das Problem starrte und händeringend nach Lösungen suchte, um die Wirtschaft zu retten, statt sie mutig zu reformieren.

Gerechtigkeit und wirkliche Solidarität
Wo bleibt die wirkliche Solidarität, wenn der Lufthansa-Pilot, der gemütlich in Kurzarbeit zu Hause sitzt und ein Vielfaches dessen verdient, was die Krankenschwester für ihren harten und gefährlichen Dauereinsatz überwiesen bekommt? Wurden er und seine Kollegen in dieser Zeit wenigstens angehalten, über die nötigen Veränderungen in der Firma nachzudenken und Vorschläge für mehr Nachhaltigkeit einzubringen? Fehlanzeige. Doch genau das hätte man erwarten können, denn immerhin bezahlen wir Steuerzahler das horrende Kurzarbeitergeld und vermutlich eine jahrelange Stütze unserer „systemrelevanten" Firmen.

Im Krisenmodus wären Lohngerechtigkeit und Gleichheit mehr als angebracht. Stattdessen erhalten die Ärmeren milde Gaben und die Reichen bleiben reich. Es wird Zeit, zu erkennen, dass Bauern, Krankenschwestern und die Müllabfuhr systemrelevanter sind als Börsenspezialisten oder Immobilienspekulanten. Sie bereichern sich selbst in der Krise hemmungslos und lassen ihr Geld „arbeiten"…

Das Recht wurde gebeugt, doch wofür und zu welchem Preis? Dafür, dass nachher das Hamsterrad nur noch schneller läuft…

Das kann und darf es nicht sein. Wir müssen mehr und langfristiger nachdenken, das habe ich u.a. von einem der charismatischsten Unternehmer unserer Zeit gelernt: Götz Werner, dem Gründer von dm. Er hat vieles anders gemacht als seine Kollegen und damit erfolgreich Geschichte geschrieben. Sein Credo: Erst nachdenken, dann immer noch nicht handeln, nochmals nachdenken und dann den Mut haben, es umzusetzen.

Deshalb, liebe Entscheidungsträger, bitte etwas mehr Mut! Gerne bin ich bereit, in Ihre Think- & Do-Tanks meine Weitsicht und vor allem unser Netzwerk an Vordenkern und Changemakern einzubringen. Es ist Zeit für den Wandel und VerantwortungJetzt!

Dann wird der Slogan einer berühmten deutschen Automarke in Zukunft vielleicht nicht mehr heißen „Aus Freude am Fahren", sondern…

Herzliche Grüße und bleiben Sie gesund,

Ihr Fritz Lietsch
forum Nachhaltig Wirtschaften


Fritz Lietsch ist seit über 30 Jahren aktiver Zukunftsgestalter, Co-Initiator der OVB-Serie Planet Heimat, Chefredakteur des Entscheidermagazins forum Nachhaltig Wirtschaften, gefragter Moderator und KeyNote-Speaker sowie Initiator der Kampagne #VerantwortungJetzt! 
Er will die Coronakrise zur Chance machen und fordert: „Rettungsgelder richtig nutzen!"
Finanzhilfen ja. Aber nicht um nach der Krise genauso weiterzumachen, wie vorher. Seine Forderung: „Nachhaltiges Leben und Wirtschaften muss zum Standard für die Zukunft werden." 
Kontaktieren Sie ihn bei Fragen gerne unter f.lietsch@forum-csr.net bzw.  +49 (0)171-211 8884.

Hinweis: Dieser Text ist frei abdruckbar mit dem Hinweis: www.forum-csr.net.


     
        
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