Plastik, die Jahrhundertaufgabe
Sind Social Business und Kreislaufwirtschaft die Lösung?
Klimakrise, Plastikmüll in den Meeren, Artensterben, Verkehr in Städten, Ernteausfälle, Überschwemmungen – die Liste unserer Umweltprobleme ist lang und wird länger. Gut, dass es Menschen gibt, die an Lösungen arbeiten, vor allem an tiefgreifenden Lösungen, um Ursachen zu bekämpfen und einen Systemwandel herbeizuführen. 2016 führten Christina Jäger und Hans Reitz vom Grameen Creative Lab erste Gespräche mit der Umweltorganisation WWF über die ökologischen Herausforderungen unserer Zeit. Schnell wurde klar, dass EIN Thema besondere Bedeutung in den nächsten Jahren gewinnen wird und man jetzt entschieden handeln muss: das Thema Plastik. Um unsere Meere und Flüsse von Plastik zu befreien gründeten sie schnellentschlossen das Plastik Lab. 2017 bekamen sie dafür Rückenwind, denn auf dem World Economic Forum platzte die Bombe: Die Ellen Mac Arthur Foundation präsentierte die katastrophalen Zahlen einer Studie zum weltweiten Aufkommen von Plastikmüll. Danach werden nur 14 Prozent des global anfallenden Plastikmülls recycelt, aber jährlich 8 Millionen Tonnen Plastikmüll in unsere Meere gespült. Bis zum Jahr 2050 wird darin also mehr Plastik als Fische schwimmen. Außer wir handeln jetzt!
80 Prozent des Plastikmüll-Aufkommens in den Meeren stammen von Quellen an Land, die über die Flüsse in die Ozeane getragen werden. Das heißt, die Problemlösung muss an Land, am Ursprung gefunden werden. Hier kommen die drei altbekannten Prinzipien Vermeidung, Wiederverwendung und Wiederverwertung (Refuse, Reuse, Recycle) ins Spiel. Das Interessante und Besondere an der Arbeit des Grameen Creative Labs ist es, dass die drei Rs nicht mit der klassischen Wirtschaftsdenkweise umgesetzt werden, sondern mit dem Ansatz des Social Business. Unter einem Social Business ist ein nachhaltiges Unternehmen zu verstehen, das anstatt Profitmaximierung gesellschaftlichen Mehrwert schaffen will. Es agiert sozusagen selbstlos, da es alle erzielten Gewinne zur Lösung einer sozialen oder ökologischen Aufgabenstellung reinvestiert.
Das Social Business-Konzept geht auf den Friedennobelpreisträger Prof. Muhammad Yunus aus Bangladesch zurück, der mit seinem Konzept von Mikrokrediten v.a. für Frauen weltberühmt wurde. Zusammen mit dem deutschen Eventunternehmer Hans Reitz hat er das Grameen Creative Lab mit Sitz in Wiesbaden gegründet, um eine globale Social Business-Bewegung zu fördern. Seitdem entstanden aus dem Lab eine Vielzahl von Initiativen und Unternehmen, die soziale Herausforderungen adressieren. Doch Yunus erkannte schnell, dass viele soziale Probleme einhergehen mit Umweltproblemen. Ein Bespiel zur Lösung von Problemen ist die Versorgung der ländlichen Bevölkerung mit Solarenergie, um das Abholzen von Wäldern und die gesundheitliche Belastung durch Kerosinlampen zu reduzieren. Schon früh gründete Yunus deshalb ein Social Business zur Förderung von solarer Infrastruktur in den Dörfern Bangladeschs. Doch es gibt noch viel mehr Herausforderungen in Sachen Umweltschutz. Im Juni 2019 lancierte deshalb das Grameen Creative Lab beim Social Business Day in Bangkok den Yunus Environment Hub, in dem auch das Plastic Lab verankert ist.
Nehmen wir das Beispiel Plastikabfall: Social Business-Unternehmer arbeiten hier bereits an Recyclinglösungen. Sie bauen dazu selbst oder in Kooperation mit kommunalen Abfallwirtschaftsakteuren eine Infrastruktur zur getrennten Müllsammlung und -verarbeitung auf. Damit lösen sie nicht nur das Plastikproblem, sondern bieten Arbeitsplätze für Menschen, die bis dahin ohne Beschäftigung waren. Waste Ventures India ist ein solches Social Business, dass in Hyderabad mit Wertstoffsammlern zusammenarbeitet und sie beschäftigt, um Plastikabfall zu sammeln und zu recyceln. Noch besser ist es, das Problem schon früher zu adressieren. Engagierte Sozialunternehmer arbeiten daran, Produkte und Wertschöpfungsketten neu zu gestalten, um dem Ziel Zero Waste näher zu kommen. Unverpackt-Läden und -Cafés sind Bespiele dafür, wie dies funktionieren kann. |
The Yunus Environment Hub...
...fördert Social Business-Lösungen für die drängendsten Umweltprobleme. Im Fokus stehen fünf Kreativlabore, in denen Ideen kreiert und erprobt werden: Circular Lab, Plastic Lab, Carbon Lab, Biodiversity Lab und Green Energy Lab. Der Yunus Environment Hub fördert Social Business-Unternehmer mit Inkubationsprogrammen und berät Unternehmen, Städte und Organisationen, die sich engagieren oder verändern möchten. In Vorträgen, Workshops und Trainings, zum Beispiel zum Thema Circular Thinking, kann man sein Wissen und seine Fähigkeiten gezielt weiterentwickeln.
The Plastic Lab...
...erarbeitet Lösungen zu Abbau und Verhinderung von Plastikverschmutzung in unserer Natur. Im Zentrum stehen Geschäftsmodelle für die Reduktion von Plastikabfall und den Aufbau von Abfallwirtschaftssystemen. Zehn Flüsse transportieren 90 Prozent des Mülls in die Ozeane, acht davon sind in Asien und zwei in Afrika. Das Plastic Lab fokussiert sich auf diese Hot Spot Regionen, um den Plastikfluss zu stoppen, denn wenn das Plastik einmal in unsere Meere gelangt ist, gibt es kaum eine Möglichkeit, es wieder zu entfernen. |
Dieser Artikel ist in forum Nachhaltig Wirtschaften 03/2019 - Social Business beseitigt Plastik-Müll und schafft neue Jobs erschienen.
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