Lifestyle | Mode & Kosmetik, 10.01.2019
Mehrheit der Deutschen sieht Bekleidungshersteller in der Verantwortung für ihre Liefererketten
Wegweisende Studie zeugt von mangelndem Vertrauen in die Aussagen der Modegiganten
Mehr Informationen zum Thema Alternative Ansätze für eine nachhaltige Bekleidungsindustrie lesen Sie in der Themenstrecke Slow Fashion in forum Nachhaltig Wirtschaften 4/2018. |
Laut einer jüngsten Umfrage ist die Mehrheit der Deutschen - 79 % - der Meinung, dass Bekleidungsfirmen mehr Informationen über ihr Umweltengagement und Maßnahmen zur Senkung der Umweltbelastung zur Verfügung stellen sollten. Dabei sehen 71% der Deutschen Bekleidungshersteller in der Verantwortung für ihre Liefererketten.
Hintergrund der Umfrage:
Die Stiftung Changing Markets und die Clean Clothes Campaign hat vom Marktforschungsunternehmen Ipsos MORI eine Umfrage durchführen lassen. Dabei wurden 7.701 Interviews in sieben Ländern (Vereinigtes Königreich, USA, Frankreich, Deutschland, Italien, Polen und Spanien) durchgeführt und pro Land jeweils mehr als 1.000 Interviews durchgeführt. Die Themen des Fragebogens bezogen sich unter anderem auf die Rechte und Entlohnung von Beschäftigten in der Bekleidungsproduktion, die Nutzung von Viskose im der Bekleidungsherstellung und nachhaltige Zertifizierungssysteme. Verbraucher im Alter zwischen 16 und 75 Jahren in wurden online befragt.
Warum ist das Thema besonders für Deutschland relevant?
Der Bekleidungsmarkt in Deutschland ist von weltweit signifikanter Bedeutung. 2017 belief sich der Wert der deutschen Textilwirtschaft auf geschätzte EUR 55,6 Milliarden. Sie ist damit die wertvollste in ganz Europa. Nach den Vereinigten Staaten ist Deutschland der zweitgrößte Importeur von Bekleidung. Laut Angaben des GfK Vereins aus dem Jahr 2015 kaufte etwa jeder vierte Konsument in Deutschland mindestens ein Bekleidungsstück mit einem Ökolabel wie Fairtrade, GOTS oder Textiles Vertrauen (Oeko-Tex).
Grundtenor aus der Umfrage:
- Starker Wunsch nach einem Richtungswechsel in der Bekleidungsindustrie: Die Mehrheit der deutschen Verbraucher ist skeptisch, wie nachhaltig die Modeindustrie sowohl in ökologischer als auch in sozialer Hinsicht agiert. Zwei Drittel der Deutschen (66 %) – ein größerer Anteil als in jedem anderen der insgesamt sechs untersuchten Kernmärkte der EU – wären bereit, mehr für Modemarken auszugeben, die den Beschäftigten in ihren Lieferketten gerechte Löhne zahlen.
- Mangelndem Vertrauen: Nur jeder sechste Bundesbürger (15 %) glaubt, dass die Textilindustrie ihre Kunden über die Auswirkungen der Kleiderherstellung auf Mensch und Natur ausreichend informiert. Die Umfrage belegt, dass Verbraucher kein höheres Vertrauen in Luxusmarken im Vergleich zu Billiganbietern und Einzelhandelsketten haben.
Weitere Umfrageergebnisse:
- Transparenz:
- Nur jeder sechste Bundesbürger (15 %) glaubt, dass die Textilindustrie ihre Kunden über die Auswirkungen der Kleiderherstellung auf Mensch und Natur ausreichend informiert.
- Acht von zehn Deutschen (79 %), so das Ergebnis der Umfrage, sind der Ansicht, dass Bekleidungsfirmen mehr Informationen über ihr Umweltengagement und Maßnahmen zur Senkung der Umweltbelastung zur Verfügung stellen sollten.
- Nur jeder sechste Bundesbürger (15 %) glaubt, dass die Textilindustrie ihre Kunden über die Auswirkungen der Kleiderherstellung auf Mensch und Natur ausreichend informiert.
- Verantwortung:
- Sieben von zehn (71 %) finden, dass die Hersteller für das, was in ihren Lieferketten geschieht, verantwortlich sein sollten und dafür Sorge tragen müssen, dass Kleidung auf umweltfreundliche Weise hergestellt wird.
- Lediglich 13 % der Deutschen assoziieren die Marke Hugo Boss mit nachhaltigen Lieferketten – ebenso viele wie bei der Einzelhandelskette H&M – während gerade einmal 10 % der Befragten die Marke Gucci mit nachhaltigen Lieferketten in Verbindung bringen – 1 % weniger als beim Discounter Lidl, der 11 % erreichte.
- Sieben von zehn (71 %) finden, dass die Hersteller für das, was in ihren Lieferketten geschieht, verantwortlich sein sollten und dafür Sorge tragen müssen, dass Kleidung auf umweltfreundliche Weise hergestellt wird.
- Billiglöhne / Preise:
- Fast drei Viertel der deutschen Bevölkerung (72 %) sind der Ansicht, dass die Modeindustrie den Beschäftigten in ihren Lieferketten grundsätzlich Billiglöhne zahlt.
- 66 % (mehr als in jedem der anderen fünf untersuchten Kernmärkte der EU) wären bereit, zwischen 2 und 5 % mehr für teurere Kleidungsstücke auszugeben, wenn die Hersteller den an der Produktion beteiligten Arbeitern gerechte Löhne zahlen würden.
- Fast drei Viertel der deutschen Bevölkerung (72 %) sind der Ansicht, dass die Modeindustrie den Beschäftigten in ihren Lieferketten grundsätzlich Billiglöhne zahlt.
- Vertrauen in Modemarken:
- Jeder sechste Bundesbürger (14 %) hält die eigenen Angaben der Textilfirmen zum Thema Nachhaltigkeit für glaubwürdig.
- Ein Viertel der Befragten geht davon aus, dass brancheninterne Selbstregulierung der effektivste Weg wäre, um von der Modeindustrie verursachte Umweltschäden zu minimieren.
- 40 % der deutschen Verbraucher – mehr als in jedem anderen Umfrageland – geben an, keines der in der Umfrage genannten Unternehmen (Hugo Boss, Zalando und Lidl) mit nachhaltigen Lieferketten zu assoziieren.
- Jeder sechste Bundesbürger (14 %) hält die eigenen Angaben der Textilfirmen zum Thema Nachhaltigkeit für glaubwürdig.
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