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Wissenschaft spannend inszeniert

Preisverleihung des bundesweiten Medienwettbewerbs "Jugend filmt Bionik"

Von Dr. Hans-Dieter Radecke

Die glanzvolle Preisverleihung des bundesweiten Medienwettbewerbs "Jugend filmt Bionik" im Deutschen Museum in München präsentierte filmische Wissenschaftsgeschichten mit erstaunlich frischen Blicken auf die Herausforderungen unserer Zeit. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und der Deutschen Bundesstiftung Umwelt geförderte Projekt hat gehalten, was es versprochen hat: eine innovative Schnittstelle zwischen Bildung, Forschung und Wirtschaft zu schaffen, den Bekanntheitsgrad der noch jungen Querschnittswissenschaft Bionik zu erhöhen und Jugendliche über das kreative Medium Film für nachhaltige Zukunftstechnologien und MINT-Berufe (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) zu begeistern.

"Eine außergewöhnliche und sehr wirksame Idee, um junge Menschen für ein naturwissenschaftliches oder technologieorientiertes Studium zu gewinnen": Staatsminister Heubisch übergibt den "Jugend filmt Bionik"-Preis.
Foto: © Jugend filmt Bionik/ futurevision
Beeindruckend ist sie, die spielerische Leichtigkeit, die Kreativität und Fülle an Stilmitteln, mit denen die jugendlichen Filmemacher die Entwicklung unterschiedlicher innovativer Technologien dargestellt haben. Statt des klassischen Dokumentar- oder Wissenschaftsfilms wählten die meisten ein unterhaltsames Spielfilmformat. Die Bandbreite der Filmgenres reichte vom Tierfilm mit schönen Naturaufnahmen über Robben am Marine Science Center in Rostock, einem Teenie-Thriller über eine Roboterratte aus Ilmenau bis zur Lovestory, die zur Entwicklung des ersten luftreinigenden Dachziegels in Niederbayern inspirierte.

Ressourceneffizienz, Nachhaltigkeit und technische Intelligenz im Fokus

Die Themenauswahl der Gewinner, die von der Jury (Dr. Rainer Erb, Geschäftsführer des Bionik-Kompetenznetzwerks BIOKON, Berlin, Dr. Heike Beismann, Leitung der VDI Gesellschaft Technologies of Life Sciences, Düsseldorf, sowie Dipl.-Pol. Eike Meyer vom Rat für Nachhaltige Entwicklung, Berlin u.a.) ausgewählt wurden, spiegelt die große Bedeutung der Bionik für intelligente, ressourcenschonende und anwendungsorientierte Technologien wider. So stellt der erste Preisträgerfilm "Der Salvinia-Effekt" von Schülern des Gymnasiums Bad Zwischenahn-Edewecht bei Oldenburg die Entdeckung des lufthaltenden Effekts des Schwimmfarns (Salvinia molesta) dar, der mittels feinster "Schneebesen" an der Blattoberfläche eine hauchdünne Lufthülle als wirksame Barriere gegen das Wasser erzeugt. Wenn es Prof. Wilhelm Barthlott (Universität Bonn) im Rahmen seines aktuellen BIONA-Forschungsprojektes gelingt, diesen Effekt auf technische Oberflächen zu übertragen und z.B. Schiffsrümpfe damit beschichtet werden, könnte der Treibstoffverbrauch in der globalen Schifffahrt durch diesen "Luftkisseneffekt" deutlich gesenkt werden.

"Termitecture - Hausbau nach natürlichem Vorbild" war das Thema für die Paschnet-Schüler am Goethe-Institut in Nairobi.
Foto: © Jugend filmt Bionik/ futurevision
Wie Innovationen zu Produkten werden

Neben dieser rein wissenschaftlichen Entdeckung thematisiert der Film einen für die deutsche Forschungswirklichkeit wichtigen Gesichtspunkt: die oft langwierige Umsetzung von Ideen in produktreife Lösungen, die durch professionelle Vermarktung auch den erwünschten wirtschaftlichen Erfolg bringen. Im internationalen Vergleich gibt es gerade auf diesem Gebiet in Deutschland trotz mancher Fortschritte noch einiges zu verbessern. Das zeigen nicht nur verschiedene Studien, sondern auch Gespräche mit Mittelständlern über ihre Erfahrungen bei der Zusammenarbeit mit den Forschungsinstituten. Der zweitplatzierte Wettbewerbsbeitrag mit dem schillernden Titel "Federrüsselfisch", eingereicht von Schülern des Gymnasiums der Regensburger Domspatzen, verfolgt die Entwicklung des "Bionischen Handling-Assistent" des Automatisierungsspezialisten Festo von der Zusammenführung mehrerer Einzelideen bis zum fertigen Produkt eines flexiblen Greifarms. Hier steht die erfolgreiche Teamarbeit der Entwickler im Vordergrund, die am Ende zu einem die Roboterindustrie revolutionierenden Produkt führt.

Drehort des dritten Siegerfilms "Liebesrezept für die Umwelt" war das Unternehmen ERLUS im niederbayerischen Neufahrn, das weltweit den ersten selbstreinigenden Dachziegel auf den Markt gebracht hat. Der von Auszubildenden der ERLUS AG und Berufsschülern der Wirtschaftsschule Pindl gedrehte Kurzfilm rückt den nachhaltigen Nutzen einer umweltschützenden Innovation in den Mittelpunkt: Hauptperson ist eine Auszubildende, die beim Rendezvous auf der grünen Wiese die Idee für die künftige Anwendungsmöglichkeit der Dachziegel als "Luftreiniger" entwickelt.

Zukunftsweisendes Bildungsprojekt mit prominenter Gästeliste

Rund 350 Gäste aus Wissenschaft, Wirtschaft, Bildung und Politik sowie Medien feierten am 30. September 2011 mit den Siegern im Deutschen Museum in München. "Ich halte das Projekt für eine außergewöhnliche und sehr wirksame Idee, um junge Menschen für ein naturwissenschaftliches oder technologieorientiertes Studium zu gewinnen - und ihnen zugleich einen Eindruck von den kreativen Berufen zu vermitteln", lobte der Bayerische Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Dr. Wolfgang Heubisch in seiner Rede. "Der Wettbewerb zeigt das innovative Potenzial, das gerade aus der Verbindung verschiedener Disziplinen und Kompetenzen entstehen kann". Neben dem Staatsminister begleiteten auch Sigmund Gottlieb, Chefredakteur des Bayerischen Fernsehens, der Entdecker des Lotus-Effekts, Prof. Wilhelm Barthlott, Uni Bonn, Markus Fischer von Festo sowie der Vorstand des Bionik-Kompetenznetzwerks Biokon, Prof. Thomas Speck, Uni Freiburg, die Ehrung der Gewinnerteams. Die Gäste betonen, dass es sich bei dem Medienwettbewerb "Jugend filmt Bionik" um ein richtungsweisendes Bildungskonzept handelt. Denn das Projekt setzt das Interesse von Jugendlichen an den Medien ein, um sie an zukunftsorientierte Inhalte heranzuführen und zeigt ihnen gleichzeitig aussichtsreiche Berufsperspektiven in Wissenschaft und Forschung auf, wo derzeit ein eklatanter Mangel an Fachkräften herrscht. Nicht von ungefähr kommt daher die Auszeichnung des Medienwettbewerbs durch den Rat für Nachhaltige Entwicklung als "impulsgebendes Werkstatt N-Projekt 2011".

Auf Tuchfühlung mit einer Robbe kamen die Schüler am Marine Science Center im Yachthafen von Rostock.
Foto: © Jugend filmt Bionik/ futurevision
Wirksame Strategie gegen Fachkräftemangel

Der überraschende Erfolg des Projekts hat sogar für Aufmerksamkeit jenseits der nationalen Grenzen gesorgt: futurevision erhielt eine Einladung des Goethe-Instituts nach Nairobi, um mit afrikanischen Schülern Kurzfilme zu drehen und eine Lehrerfortbildung durchzuführen. An der weiteren Zusammenarbeit im Rahmen eines Großprojekts des Auswärtigen Amtes zu globalen Bildungspartnerschaften wurde bereits Interesse signalisiert - ganz im Sinne der Philosophie von futurevision-Chefin Silke Kraus, die sich zum Ziel gesetzt hat, die abstrakte Leitidee der Nachhaltigkeit über kreative und erlebnisorientierte Projekte an Jugend und Gesellschaft zu vermitteln, um damit einen kleinen Beitrag zu einem großen, globalen Ganzen zu leisten.

Eine wirksame Strategie gegen den Fachkräftemangel in den naturwissenschaftlichen Ingenieurberufen mit seinen bedrohlichen Folgen für den Wirtschaftsstandort Deutschland erfordert - da sind sich die Experten einig - eine nationale Kraftanstrengung von Politik, Wissenschaft und Wirtschaft in Sachen Bildung und Ausbildung. Auf diese gesellschaftliche Herausforderung reagiert futurevision mit dem Vorhaben, das Projekt ab 2012 mit dem Titel "jugend filmt zukunft" als zweijährigen Medienwettbewerb weiterzuführen. "Wir möchten den Nachwuchs über das kreative Medium Film für MINT-Berufe und Ingenieurstudiengänge begeistern und bei Jugendlichen das Vertrauen in eigene Ideen und die eigene Kreativität stärken, die später auch in der Forschung zur Entwicklung neuer Produkte und Verfahren benötigt werden", so die Geschäftsführerin Silke Kraus.

Fortsetzung folgt: Filmpatenschaften für Unternehmen

Inhaltlich soll der Wettbewerb auf nachhaltige Zukunftstechnologien erweitert werden und Kategorien wie Energy, Mobility, Life Science, Green IT sowie Architecture & Design, Smart Materials und Sustainable Lifestyles umfassen. Dabei wird es intensiv um Material-, Energie- und Ressourceneffizienz gehen sowie aktuell in Entwicklung stehende Innovationen mit starkem Potenzial für eine nachhaltigere Wirtschaftsordnung. Silke Kraus liegt besonders die Kategorie "Sustainable Lifestyles" am Herzen. Hier steht das kritische Hinterfragen unserer Konsum- und Wegwerfgesellschaft im Brennpunkt. Man darf gespannt sein, welche Ideen und Interpretationen Jugendliche zu diesem, sie im Alltag unmittelbar betreffenden Thema entwickeln. Unternehmen erhalten die Möglichkeit, im Rahmen einer Filmpatenschaft einen Kurzfilm über ihre Innovationen zu realisieren - mit eigenen Auszubildenden oder Filmteams, die sich beim Veranstalter bewerben. Damit vernetzt futurevision innovatives Marketing mit Mitarbeiterrecruitung und bietet Unternehmen ein hochkarätiges Event zur Darstellung ihres Engagements im Bereich CSR und Nachhaltigkeit. Auch in der nächsten Wettbewerbsrunde geht es darum, mittels des Zaubers, den Filme auf Jugendliche und Erwachsene ausüben, spannende Geschichten über Wissenschaft, technologische Innovationen und ihren möglichen Beitrag zu einer besseren Welt zu erzählen.

Weitere Informationen:
www.jugendfilmtbionik.de
www.jugendfilmtzukunft.de

Im Profil

Silke Kraus ist geschäftsführende Gesellschafterin der futurevision gGmbH mit Sitz in München. futurevision konzipiert und realisiert innovative Kultur-, Medien- und

Jugendprojekte, die Lust auf aktive Mitgestaltung der Zukunft wecken. Silke Kraus war nach ihrem Studium der Philosophie (M.A.) als Filmemacherin tätig und beschäftigt sich seit mehreren Jahren mit Bionik, Kreativitätsforschung und innovativem Technologietransfer. Ihr Wissen gibt sie auch als Beraterin und systemischer Coach weiter.





futurevision gGmbH
Telefon +49 (0)89 / 35 06 21 10
silke.kraus@futurevisionprojekt.de
www.jugendfilmtbionik.de

Quelle: Silke Kraus
Umwelt | Biodiversität, 28.03.2012

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