66 seconds for the future - forum zeigt Zukunftsgestalter:innen und Nachhaltigkeitspionier:innen
Florian Pronold

Innovative Leuchtturmprojekte für nachhaltiges Bauen

Vier Gewinnerprojekte

Ob moderne Wohngebäude mit besonders geringem Energiebedarf und sozialverträglichen Mieten oder ein intelligent gestaltetes Schulgebäude mit energiesparender Low-Tech-Lüftung – mit innovativen Ideen antworten die mit dem ersten Bundespreis UMWELT & BAUEN prämierten Bauprojekte aus Aalen, Hamburg und Berlin auf die Herausforderungen nachhaltigen Bauens. Am 29. September 2020 zeichneten Bundesumweltministerium (BMU) und Umweltbundesamt (UBA) vier Gewinnerprojekte aus. Unterstützt wurde der Wettbewerb von B.A.U.M. und dem Öko-Zentrum NRW als Fachpartner. 
 
Kategorie Wohngebäude
ARGE MUDLAFF & OTTE / Studio Witt / MoRe Architekten Stadthäuser StadtFinken Hamburg © Daniel Sumesgutner
Auf einem 145 Meter langen Baufeld wurden 22 Stadthäuser mit 44 Wohneinheiten im Passivhausstandard errichtet. Das Energiekonzept erlaubt sogar die Einhaltung der PlusEnergiehausstandards und führt so zu einem negativen Primärenergiebedarf. Ermöglicht wird dies durch eine Gebäudehülle im Passivhausstandard, den Einsatz von Erdsonden zur Wärme- und Kälteerzeugung, ein Biogas-BHKW, die Wärmerückgewinnung aus dem Abwasser und eine Photovoltaikanlage, die 80 Prozent des Strombedarfs deckt. Das Projekt wurde durch eine Baugruppe realisiert und umfasst Gärten, Gemeinschaftsraum mit Gästebett sowie E-Lastenfahrräder, die von allen genutzt werden können. Bei der Baustoffauswahl wurden gesundheitsschädliche Inhaltsstoffe nach Möglichkeit vermieden. Raumluftmessungen dienten der Qualitätssicherung.
 
Geschosswohnungsbau 
HOWOGE, Quartier Sewanstraße, Berlin © Daniel SumesgutnerDas Projekt der HOWOGE ist ein vorbildliches Beispiel für innovativen und zukunftsorientierten Geschosswohnungsbau in der Stadt. Die beiden achtgeschossigen Punkthäuser bieten bezahlbaren Wohnraum durch sozialverträgliche Mieten. Ermöglicht wird dies auch durch ein innovatives Energiekonzept:
  • Photovoltaikanlage mit Batteriespeicher, die 70 Prozent des Strombedarfs im Quartier deckt und günstigen Mieterstrom bereitstellt, 
  • KfW 40Plus Effizienzhaus-Standard, wodurch der benötigte Primärenergiebedarf nur noch 60 Prozent des Bedarfs beträgt, der nach Energieeinsparverordnung (EnEV) zulässig ist,
  • dezentrale Wohnungslüftung mit Wärmerückgewinnung
Bei der Wahl der Baustoffe und Materialien standen die Langlebigkeit, ein geringer Instandhaltungs- und Pflegeaufwand und die Schadstoffminimierung im Vordergrund. Eine Wiederholung des Planungskonzepts ist geplant und führt so zukünftig zu einer weiteren Kostenreduzierung. 
 
Kategorie Nichtwohngebäude
Liebel/Architekten Klassentrakt Schubart-Gymnasium, Aalen © Valentin Schmied Das unter Denkmalschutz stehende Schulgebäude des Schubart-Gymnasiums in Aalen wurde um einen Fachklassentrakt erweitert: eine 2-geschossige Holz-Beton-Hybridkonstruktion, teilweise in der Erde versenkt, um den Blick auf das Bestandsgebäude beizubehalten. So entstand eine Null-Energieschule, deren Photovoltaikanlage 100 Prozent des Strombedarfs deckt. Ermöglicht wurde dies auch durch eine optimierte Tageslichtnutzung der Klassenräume, die mit Hilfe von Oberlichtern den Einsatz künstlicher Beleuchtung und damit auch den Strombedarf minimiert. Ein Erdkanal erwärmt bzw. kühlt die Zuluft und führt in Kombination mit einer Schublüftung zu einer Energieeinsparung von ca. 80 Prozent gegenüber einer konventionellen Lüftung. Lehrer und Schüler waren von Beginn eingebunden. Eine App zeigt ihnen in Zukunft die energetischen Zusammenhänge und wie sich das Nutzerverhaltens darauf auswirkt.
 
Kategorie Quartiere
Deimel/Oelschläger Architekten, Quartier WIR, Berlin © Andrea KrothDas Quartier WIR in Berlin zeichnet sich nicht nur durch die hohe Energieeffizienz (KfW 40 Standard) und die Verwendung des nachwachsenden Rohstoffs Holz für die Baukonstruktion aus. Eine Besonderheit ist auch der gemeinschaftliche Planungsprozess, der zu unterschiedlichen Wohnkonzepten und zur Integration verschiedener sozialer Gemeinschaften führte. Gemeinschaftsflächen und Gemeinschaftseinrichtungen wie Werkstatt, Schwimmbad, Quartiersplatz und Kita ermöglichen eine lebendige und vielfältige Nachbarschaft. Auch eine Demenz-Wohngemeinschaft sowie Träger für Jugendarbeit und Flüchtlingsgruppen gehören dazu.
 
Die fünf Mehrfamilienhäuser wurden in Holzskelettbauweise und die Fassade in Holztafelbauweise realisiert. So entstanden flexible Grundrisse, die bei Bedarf leicht eine Umnutzung ermöglichen.
 
Neben den Hauptpreisträgern wurden weitere sieben Objekte mit Anerkennung ausgezeichnet:
  • IBUS Architektengesellschaft, Neubau der Stadtwerke Neustadt
  • Tragraum Ingenieure, Umwelt-station der Stadt Würzburg
  • Ökologische Mustersiedlung Prinz-Eugen-Park, München
  • Nassauische Heimstätte, Quartier Melibocusstraße, Frankfurt a.M.
  • kadawittfeldarchitektur, "Kreis-laufhaus" RAG Stiftung, Essen
  • cityförster, Recyclinghaus, Hannover
  • Hofgut Erler, Sanierung der Sonnenscheune Plottenhof 
 
Florian Pronold - Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit: „Die ausgezeichneten Projekte bilden ein breites Spektrum dessen ab, was bereits heute in Sachen nachhaltiges Bauen möglich ist. Sei es der neue Schultrakt eines Gymnasiums oder die denkmalgerechte energetische Sanierung einer Scheune zum Wohnhaus – es braucht Preise wie den Bundespreis Umwelt & Bauen, um solche Projekte für die breite Öffentlichkeit sichtbar zu machen und so einen Paradigmenwechsel herbeizuführen."
 
Prof. Dr. Dirk Messner - Präsident des Umweltbundesamts: „Dem Bausektor kommt in der sozial-ökologischen Transformation hin zu einer nachhaltigen Gesellschaft eine zentrale Rolle zu: Nur wenn es gelingt, nachhaltige Bauweisen und Sanierungsprojekte auch bezahlbar umzusetzen, können diese konventionelle und oftmals klimaschädliche Praktiken ablösen. Ich freue mich daher, dass die Entscheidung der Jury dem Rechnung trägt und soziale Aspekte, wie Durchmischung und bezahlbarer Wohnraum, mitgedacht wurden."

Quelle: BAUM e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften



     
        
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