Maiken Winter

Schöne Worte? CO2-Preis!

"Wer A sagt, nämlich Paris-Abkommen und Zwei-Grad-Ziel, der muss auch B sagen, nämlich CO2-Preis."

Am 22.4. haben 172 Staaten das Pariser Klimaabkommen unterzeichnet. Doch volle Gültigkeit bekommt es erst, wenn mindestens 55 Staaten das Abkommen ratifizieren. Und auch danach ist der Weg noch lange. Vor allem braucht es dazu einen Preis auf CO2, mein Ottmar Edenhofer.
 
Bei der Unterzeichnung des Pariser Klima-Abkommens durch Staats- und Regierungschefs in New York am 22.4.2016 seien „schöne Reden voller großer Worte" zu erwarten, so schreibt Professor Dr. Ottmar Edenhofer, Ökonom und Stellvertretender Direktor am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), in seinem Kommentar „Zur Sache" für die Website des Deutschen Klima-Konsortiums (DKK). Das Pariser Abkommen sei zwar „ein fantastischer Erfolg der internationalen Klimadiplomatie. Weniger gern gehört wird: Das Abkommen ist noch kein Durchbruch für einen wirksamen Klimaschutz." Es sei „der Anfang eines Weges, nicht sein Ende."

„Derzeit ist die Weltwirtschaft nicht auf dem im Dokument der UN-Klimakonferenz ganz ausdrücklich angepeilten Weg in die Dekarbonisierung, sondern im Gegenteil auf dem der Karbonisierung. In China, Vietnam, der Türkei sind Kohlekraftwerke in einer solch ungeheuren Größenordnung in Planung, dass sie alle Bemühungen zur Begrenzung der Klimarisiken zunichte machen können, wie wir jetzt errechnet haben", so berichtet der renommierte PIK-Chefökonom der auch das Mercator Research Institute for Global Commons and Climate Change leitet.

Jetzt sei es an den Sozialwissenschaften, die „scharfen Werkzeuge" aufzuzeigen, mit denen sich das angestrebte Klimaziele rreichen lässt, die globale Erwärmung auf unter zwei Grad zu begrenzen. „Ein Mindestpreis auf CO2-Emissionen ist das wichtigste dieser Werkzeuge. Es setzt gleich doppelt einen Anreiz, der zu Klimaschutz führt: Das Verfeuern von Kohle und Öl wird teurer – und Energie aus Sonne und Wind attraktiver. Vor allem aber bietet die CO2-Bepreisung nicht nur langfristig die Vermeidung von kostenträchtigen Klimarisiken, sondern auch kurzfristig dringend benötigte Einnahmen, die zur Armutsbekämpfung eingesetzt werden können." Allerdings, so ergänzt der Kommentator: „Beim Europäischen Emissionshandel haben auch wir Ökonomen Lehrgeld zahlen müssen. Er funktioniert miserabel. Deshalb ist heute klar, dass es nicht nur irgendeinen Preis auf CO2 geben muss, sondern einen von handlungsfähigen Regierungen gesetzten Mindestpreis. Erst dieser kann die Erwartungen der Investoren so weit stabilisieren, dass diese ihr Geld in emissionsarme Innovationen stecken, wodurch dann Cleantech auf breiter Front billiger und besser wird. Nationale Mindestpreise für CO2 könnten dann international koordiniert werden – dafür wäre die G20 ein Forum, gerade jetzt mit der Präsidentschaft erst von China und dann von Deutschland."

Der Kommentar von Ottmar Edenhofer schließt mit den Worten: „Wer A sagt, nämlich Paris-Abkommen und Zwei-Grad-Ziel, der muss auch B sagen, nämlich CO2-Preis. Alles andere ist besserenfalls naiv, schlechterenfalls verlogen. Die Politik steht in der Verantwortung, einen verlässlichen Rahmen zu setzen. Dann – aber auch nur dann – wird die Wirtschaft diesen mit Leben füllen. Es würde sich lohnen."

Den Kommentar von Prof. Dr. Ottmar Edenhofer in voller Länge finden Sie auf der DKK-Website:
www.deutsches-klima-konsortium.de

Prof. Dr. Ottmar Edenhofer ist Chefökonom und stellvertretender Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), lehrt als Professor für die Ökonomie des Klimawandels an der TU Berlin und leitet das Mercator Research Institute for Global Commons and Climate Change. Von 2008 bis 2015 war er Ko-Vorsitzender der Arbeitsgruppe 3 zum Klimaschutz des Weltklimarates IPCC. Das PIK ist Mitglied des Deutschen Klima-Konsortiums.
Der DKK-Kommentar „Zur Sache" wird seit 2014 auf der DKK-Website veröffentlicht.
 
Wer sich für einen CO2-Preis einsetzen möchte, kann sich bei dem gemeinützigen Verein Bürgerlobby Klimaschutz e.V. einsetzen.

Weitere Artikel von Maiken Winter:

Politik ohne Zukunft
Ein Kommentar von Maiken Winter zum „Kanzlerduell“
Unfassbar. Da haben es die Moderatoren des Fernsehduells geschafft, den Kanzlerkandidaten 90 Minuten lang Fragen zu stellen, ohne jemals die Wörter Klima, Natur, Biodiversität, Erneuerbare Energien, Nachhaltigkeit oder ähnliche überlebenswichtige Wörter zu erwähnen.


Ihr gehört dazu!
Engagement für den Klimaschutz nötiger denn je
Nachdem Trump aus dem Weltklimavertrag ausgestiegen ist, ist es umso wichtiger, dass sich möglichst viele Menschen für den Klimaschutz einsetzen. Ein Appell der Klima-Aktivistin Dr. Maiken Winter für ein öffentliches Bekenntnis zum Klimaschutz.


"Die meisten haben es einfach noch nicht
begriffen"

Professor Schellnhuber spricht Klartext
Die Klimaverhandlungen von Paris wurden als ein großer Erfolg gefeiert. Nun geht es international an die Umsetzung. forum fragte Prof. Hans Joachim Schellnhuber vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, wie er das erbitterte Ringen um ein Klima­abkommen einschätzt und wo die großen ­Risiken und Chancen beim Klimaschutz liegen.


Kinder klagen fürs Klima
Ein Interview mit Dr. James Hansen
Leidtragende des Klimawandels sind unsere Kinder. In den USA klagen sie deshalb ihr Recht auf eine lebenswerte Zukunft ein.


Gelandet! Flug über Atlantik mit 100% Solarkraft
Heute morgen um 7:40 ist das Solarflugzeug SolarImpuls in Spanien gelandet - nach etwas 2 Tagen und 23 Stunden Flugzeit. Eine fantastische Leistung. Die Zukunft ist da.
Die Symbolkraft ist gewaltig. Diese Gruppe von Ingenieuren und Abenteurern hat der Welt gezeigt: Wenn man etwas erreichen will, dann kann man es auch schaffen. Von hier aus ist es zwar noch weit bis zu Solar-betriebenen Passagierflugzeugen. Aber auch Charles Lindbergh flog 1927 "nur" in einem Einmann-Flugzeug über den Atlantik.




     
        
Cover des aktuellen Hefts

Zukunft braucht Frieden

forum 02/2026

  • Militär & Märkte
  • Grüner Wasserstoff
  • Moorschutz als Invest
  • ESG loves KI
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
20
MAI
2026
Bayerischer Batteriekongress 2026
Einblicke, Strategien, Innovationen
81671 München
21
MAI
2026
Munich Impact Night
Dieser Abend ist für alle, die die Zukunft noch nicht aufgegeben haben
81379 München
20
JUN
2026
Woche des Wasserstoffs 2026 (#WDW2026)
Wasserstoff verbindet
deutschlandweit
Alle Veranstaltungen...
forum goes international! Download the international edition for forum free of charge.
Anzeige

Der Mittelstand im ESG-Dschungel. Sie müssen nicht alles machen. Sie müssen nur wissen, was.

Sie erhalten einen klaren Fahrplan: was jetzt zu tun ist, was Sie auf dem Schirm behalten sollten und was Sie getrost ignorieren können.

Megatrends

Überlegen ist, wer Neues wagt
Christoph Quarch empfiehlt "Anfänge auf Abruf" als Schritt zu mehr gesellschaftlicher Expermentierfreudigkeit
B.A.U.M. Insights
Hier könnte Ihre Werbung stehen! Gerne unterbreiten wir Ihnen ein Angebot

Jetzt auf forum:

Rollen und Verantwortlichkeit in der PPWR: Wer ist wofür zuständig?

Wenn Reisen zur Therapie wird, und Kulinarik zur Strategie

Neues SBTN Accelerator-Angebot hilft Unternehmen Biodiversität strategisch mitzudenken

Der Mond als Testfeld für die Energieversorgung von morgen

Virgin Islands Climate Change Trust Fund launched at Global Sustainable Islands Summit in Gran Canaria, marking new era in climate finance innovation for islands

Kreislaufwirtschaft am Bau & Energie für die Zukunft

Gastfreundschaftslektionen aus Südtirol

Städte weltweit fordern eine Beschleunigung des Ausstiegs aus fossilen Brennstoffen hin zu erneuerbaren Energien

  • Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG
  • Protect the Planet. Gesellschaft für ökologischen Aufbruch gGmbH
  • 66 seconds for the future
  • Global Nature Fund (GNF)
  • TÜV SÜD Akademie
  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
  • NOW Partners Foundation
  • Engagement Global gGmbH
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • ZamWirken e.V.
  • WWF Deutschland
  • BAUM e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften
  • SUSTAYNR GmbH
  • Energieagentur Rheinland-Pfalz GmbH
  • Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V. (BNW)
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • circulee GmbH