66 seconds for the future - forum zeigt Zukunftsgestalter:innen und Nachhaltigkeitspionier:innen

VW und der weltweite Kampf um Marktmacht

Die Automobilindustrie verfolgt nur unzureichend eine ökologische Neuordnung.

Michael Müller, Bundesvorsitzender der NaturFreunde Deutschlands, beleuchtet vor dem Hintergrund des VW-Abgasskandals die Auseinandersetzungen auf den internationalen Automobilmärkten: 

Die globale Konkurrenz der hochmonopolisierten Automobilindustrie ist härter denn je. © Günther Schad / pixelio.deNachdem die Trickserei von VW (und anderen) bei den Abgasemissionen der Dieselfahrzeuge aufgeflogen ist, steht das Unternehmen vor harten Einschnitten. Aber es wäre zu kurz, nur VW zu sehen und nicht auch die Auseinandersetzungen, die seit Jahren auf den internationalen Automobilmärkten stattfinden:
  • die globale Konkurrenz der hochmonopolisierten Automobilindustrie ist härter denn je und wird alles andere als fair ausgetragen;
  • der Dieselmarkt in Europa und den USA ist hart umkämpft;
  • die gesamte Automobilindustrie verfolgt nur unzureichend und zögernd eine ökologische Neuordnung der Mobilität;
  • das gilt besonders für die deutschen Premiumhersteller.
Der Konflikt um die Dieselfahrzeuge begann Anfang der 1990er-Jahre: Nachdem die Politik auch zum Schutz von Umwelt und Klima deutliche Verbrauchsminderungen forderte, setzten die deutschen Autofirmen stärker auf Diesel. Damals war der Diesel das laut tuckernde und nach Heizöl riechende Taxi. In Deutschland war der Anteil der Dieselfahrzeuge niedrig, insbesondere im Kleinwagenbereich. Andere Länder wie Frankreich waren dort weiter.

Deutsche Autobauer wollten mehr Marktanteile auf dem "dieselfeindlichen" US-Markt
Diesen Rückstand wollten vor allem Audi, VW und BMW aufholen. Mit Hilfe von Firmen wie Bosch wurden neue Einspritztechniken für die Selbstzünder entwickelt. Der Diesel machte einen Modernisierungssprung, auch um auf dem "dieselfeindlichen" US-Markt größere Marktanteile zu gewinnen. Insbesondere Kalifornien setzte auf deutlich niedrigere Abgaswerte, die nach dem Willen von Teilen der Politik auch in Deutschland und Europa gelten sollten.

Das wurde auch vom Umweltbundesamt (UBA) gefordert. Der damalige Abteilungsleiter des UBA, Axel Friedrich, hatte sogar grundsätzliche Zweifel, ob die Dieselstrategie richtig sei. Seine Hauptkritik galt den Rußpartikeln. Friedrich lehnte auch stets die unzureichenden Test- und Prüfmethoden ab. Friedrichs heutige Umweltorganisation, das International Council on Clean Transportation (ICCT), war an der Aufdeckung des VW-Skandals beteiligt.

Es gab also unterschiedliche Kritik, sogar Angriffe auf den Diesel:
  • von der europäischen Konkurrenz, die vornehmlich mit billigen Dieselfahrzeugen Punkte machen wollte. Sie sah ihre Vorteile durch die moderne Dieseltechnik aus Deutschland bedroht;
  • Umweltpolitiker kritisierten die hohen Stickoxid-Werte;
  • in den USA sollte die deutsche Dieselkonkurrenz kleingehalten werden.
Umweltgerechte Technik ist eine Frage des Preises
In dieser schwierigen Situation hatten die deutschen Dieselbauer das generelle Interesse, ihren Diesel als vorteilhaft herauszustellen. Also wurden die Daten geschönt, nachdem die Anstrengungen vergeblich waren, bei der Politik niedrigere Emissionswerte durchzusetzen. Umweltgerechte Technik ist vor allem eine Frage des Preises, aber die hochpreisigen Unternehmen hatten dadurch Angst vor Verlusten. Also wurde die Software eingebaut.

So kam es in den letzten Jahren zum Diesel-Boom, die Autokonzerne machten gute Geschäfte und trugen zum "deutschen Aufschwung" bei. Das ist nun vorbei. VW wird jetzt viel mit der Aufarbeitung der Krise und mit dem Management der Folgen zu tun haben.

Richtig wäre die Schlussfolgerung, dass der Wolfsburger Autobauer endlich auf echte ökologische Lösungen setzt. Die meisten Unternehmen reden nur darüber, Volkswagen sollte es ernst nehmen. Der Konzern braucht eine Perspektive. Wie wäre es mit konsequenter "green tech"?
 
Quelle: NaturFreunde Deutschlands


     
        
Cover des aktuellen Hefts

forum Nachhaltig Wirtschaften heißt jetzt forum future economy

forum 01/2026

  • Zukunft bauen
  • Frieden kultivieren
  • Moor rockt!
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
04
FEB
2026
Solarenergie, Großspeicher und Netzausbau – aber keine Gaskraftwerke!
Im Rahmen unserer Serie "Klima-Strategien"
80336 München und online
10
FEB
2026
E-world energy & water
Der Branchentreffpunkt der europäischen Energiewirtschaft
45131 Essen
11
FEB
2026
BootCamp Impact Business Design
Professional Training zum Update Ihrer Transformationsskills
81371 München
Alle Veranstaltungen...
forum goes international! Download the international edition for forum free of charge.
Anzeige

Professionelle Klimabilanz, einfach selbst gemacht

Einfache Klimabilanzierung und glaubhafte Nachhaltigkeitskommunikation gemäß GHG-Protocol

LOHAS & Ethischer Konsum

"Du sollst konsumieren!"
Für Christoph Quarch ist der Black Friday ein schwarzer Tag
B.A.U.M. Insights
Hier könnte Ihre Werbung stehen! Gerne unterbreiten wir Ihnen ein Angebot

Jetzt auf forum:

Krankheit und Gesundheit

Aufrüsten für den Frieden?

Tu Du's auf 17 Ziele.de

Rat für Nachhaltige Entwicklung neu berufen

Sperrmüll vs. Entrümpelungsfirma: Wann lohnt sich professionelle Hilfe?

Das große Aufwachen nach Davos

BAUExpo 2026 vom 20. bis 22. Februar in Gießen

Lichtblicke für die Landwirtschaft: Nachhaltige LED-Technologien im Einsatz

  • Global Nature Fund (GNF)
  • TÜV SÜD Akademie
  • circulee GmbH
  • Protect the Planet. Gesellschaft für ökologischen Aufbruch gGmbH
  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
  • toom Baumarkt GmbH
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG
  • WWF Deutschland
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • Engagement Global gGmbH
  • Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V. (BNW)
  • SUSTAYNR GmbH
  • BAUM e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften
  • NOW Partners Foundation