Klaus Schwung
Lifestyle | Geld & Investment, 01.04.2015
Ein Siegel für nachhaltige Geldanlagen
Das ECOreporter-Siegel für Nachhaltige Geldanlagen möchte Anlegern zeigen, welche Anbieter das an Ethik und Ökologie einhalten, was sie versprechen.
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Ein Blick hinter die Kulissen
Für das Siegel prüfen die ECOreporter die Anbieter und deren Produkte. Laut Aussagen des Fachmagazins wird dabei bis in die Bücher, in Beratungsprotokolle und Arbeitsanweisungen, sowie in den Briefverkehr hinein geschaut. ECOreporter-Redakteure und Analysten sind bei jeder Prüfung bis zu fünf Tage bei den Anbietern vor Ort und sprechen mit deren Vorständen, Führungskräften, Kundenberatern und Nachhaltigkeitsexperten.
Das ECOreporter-Siegel für nachhaltige Geldanlagen setzt vor allem ein nachhaltiges Kerngeschäft voraus. Für eine Bank heißt das beispielsweise, dass die eigenen Geldanlagen nachhaltig sein müssen, ebenso die Kredite und die Kundenberatung. Es reicht für das Siegel also nicht aus, wenn eine Bank oder Anlageberatung wenige Produkte aus ihrer Palette als nachhaltig deklariert, Recyclingpapier nutzt oder eine Solaranlage auf das Dach ihrer Firmenzentrale setzt.
Auch für das Siegel in der Kategorie „Nachhaltiges Finanzprodukt" muss das Kerngeschäft des Anbieters nachhaltig sein, und das Finanzprodukt jenseits der Finanzwelt einen positiven Effekt erzielen, etwa fairen Handel fördern oder den Klimawandel bremsen. Zusätzlich werden auch ökonomische Daten geprüft: ein positiver ECOanlage-Check ist nur eine der geforderten Voraussetzungen. In diesem Anlagecheck geht es zu 80 Prozent um Risiken, Liquidität und Renditen. Alle Geldanlagen werden, auch mit Hilfe von Datenbanken, auf Nachhaltigkeit hin untersucht.
Werden Versprechen gehalten?
Bei der Prüfung ist auch das Profil der Nachhaltigkeit auschlaggebend, das der Anbieter für sich definiert hat. Das Siegel schert also nicht alle verschiedenen Nachhaltigkeitsansätze über einen Kamm. „Atomkraft kann schon rein physikalisch nicht nachhaltig sein. Aber bei anderen Kriterien geht es um persönliche Wertentscheidungen, etwa beim Thema Tierversuche für medizinische Forschung zugunsten von kindlicher Gesundheit", erläutert ECOreporter-Chefredakteur Jörg Weber. Konsequenz für das Siegel: Bei diesen Kriterien erfasst die Siegelprüfung, was der Anbieter verspricht – und analysiert dann die Einhaltung. Verspricht er komplette Tierversuchsfreiheit, dann muss er diese für das Siegel auch nachweisen.
Im Hintergrund arbeitet das junge Institut für nachhaltiges, ethisches Finanzwesen e.V. (INAF) an der Weiterentwicklung der Siegelkriterien. Das Nachhaltigkeitssiegel wird für jeweils ein Jahr in den drei Kategorien Banken, Anlageberatungen und Finanzprodukte vergeben. Abstufungen wie „Gold" oder „Silber" gibt es nicht. Die genauen Kriterien sind unter www.ecoreporter.de/Nachhaltigkeitssiegel nachzulesen.
Der „demeter" unter den Siegeln
Vergleicht man das Finanz-Siegel mit Siegeln in der Lebensmittel-Branche, entspricht es nach den Wertmaßstäben der ECOreporter nicht dem staatlichen „Bio"- Siegel, sondern eher Siegeln mit wesentlich höheren Ansprüchen wie zum Beispiel „demeter". Entsprechend exklusiv ist der Kreis derjenigen, die das Siegel bisher erhalten haben. Neu mit dem Siegel ausgezeichnet sind nun erstmals drei Publikumsfonds. Ein Aktienfonds der Bochumer GLS Bank sowie ein Aktien- und ein Rentenfonds der Steyler Bank aus Sankt Augustin. „Diese Fonds zeigen, wie Investoren mit ihrem Geld die Welt außerhalb der Finanzen beeinflussen können: Hier gibt es Dialoge mit Unternehmen und staatliche Institutionen, hier fließt Geld nicht nur an der Börse, sondern direkt in Unternehmen", erklärt Weber die Besonderheit dieser Fonds.
Klaus Schwung ist gelernter Volkswirt. Der Wirtschaftsjournalist schreibt für verschiedene Publikationen, etwa die VDI-Nachrichten.
Dieser Artikel ist in forum Nachhaltig Wirtschaften 02/2015 - Nachhaltige Mode erschienen.
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