Lastenräder kommen leise, aber gewaltig …

Moderne Lastenräder sind ideal für Transporte in der Stadt und auf dem Betriebsgelände.

Im Vergleich zu konventionellen Kraftahrzeugen sind Lastenräder gesünder, günstiger und schneller

Sie machen Spaß, sind gut für die Gesundheit, oft schneller und in jedem Fall günstiger als konventionelle Kraftfahrzeuge. Zudem erhöhen sie die Lebensqualität in Städten und stellen eine attraktive, umweltfreundliche Ergänzung für den betrieblichen Fuhrpark dar.

© Kay StrasserEine europäische Innenstadt, frühmorgens in naher Zukunft. Wie immer herrscht reger Lieferverkehr, doch keiner stört sich daran. Was für den Tag gebraucht wird, bewegt sich zumeist auf leise surrenden Fahrrädern durch die Straßen und Gassen. Freundliche Fußgänger und lachende Kurierfahrer bestimmen das Bild.

Noch wirkt ein solches Szenario utopisch, aber nicht mehr lange. Denn endlich sind Lastenräder auch politisch gewollt – neben OECD, Weltbank und Verkehrsministern setzen inzwischen sogar Vertreter der Automobilindustrie auf das „Cargo Bike". Nicht nur Kinder- und Einkaufstransporte können mit Lastenrädern erledigt werden, auch Firmentransporte, Lieferverkehr und Umzüge sind ein Einsatzfeld für die modernen Lastesel – vor allem seit die elektrische Unterstützung das Strampeln erleichtert. Pünktlich zum Sommeranfang hat der VCD mit Förderung durch Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt das Projekt „Lasten auf die Räder!" gestartet. Das brandneue Informationsangebot gibt wertvolle Infos und bestätigt: 2014 kommt der Durchbruch für das Lastenrad.


… im Einsatz auf Großevents

Großveranstaltungen bringen einen hohen Material- und damit Transportaufwand mit sich. Das gilt nicht allein für die Vorbereitungs- sowie Auf- und Abbauphase. Auch während der Veranstaltung müssen Güter geliefert, nachgeliefert und entsorgt werden. Beim Kirchentag 2013 in Hamburg mit etwa 800.000 Besuchern wurde erstmals der systematische Einsatz von Lastenrädern als Ergänzung zu Fahrradkurieren und der Pkw/Lkw-Fahrbereitschaft im Rahmen des Nationalen Radverkehrsplans getestet. Die Lastenräder kamen vor allem im Bereich unter 10 Kilometer Entfernung zum Einsatz. Erst ab einem Gewicht des Transportgutes von 300 Kilogramm oder einem Volumen von mehr als einem Kubikmeter wurden Pkws oder Transporter genutzt. Mit diesen Eckdaten arbeitete auch das europäische Forschungsprojekt „Cyclelogistics" und ermittelte, dass 51 Prozent aller städtischen Transporte mit Fahrrädern oder E-Lastenfahrrädern erfolgen könnten.

Auf Events sind das zum Beispiel der Transport von Post, die Versorgung mit Nachschub, die Verpflegung der Helfer sowie Promotionsstände und Werbeaktionen. Auch beim Einsammeln von Müll, Pfandflaschen und dem Demontieren von Schildern sind Lastenräder der Transporter der Wahl.


… bei Kurierdiensten

Mit dem Boom des Online-Handels sind immer mehr und immer kleinteiligere Lieferungen gefragt – zweifellos ein ideales Einsatzgebiet für Lastenräder. Auch an die Zustellung von Paketen bis 30 kg wird bereits gedacht, sagt Gunnar Uldall vom Bundesverband Internationaler Express- und Kurierunternehmen (BIEK). Große Logistikfirmen wie DHL, Hermes oder UPS verstärken den Einsatz der Räder. So hat DHL in Deutschland letztes Jahr rund 1.500 neue Elektro-Dreiräder angeschafft und in den Niederlanden bereits 33 Zustellautos durch Lastenräder ersetzt.


Handwerker Lastenrad… in Handwerk und Gastronomie

Auch Apotheker, Metzger, Hausmeister, Bäcker, Pizzabäcker und Restaurants nutzen immer öfter spezielle Lastenräder. Beispiele für radelnde Lieferdienste sind die Deutsche See (Berlin), Joey‘s Pizza (bundesweit) und der Lieferdienst für Bio-Lebensmittel city farming (Hamburg). Handwerksbetriebe, wie Raumausstatter, Installateure und sogar Wartungsfirmen für den Öffentlichen Nahverkehr schließen sich dem Beispiel an.

Wer die besten Verkaufsplätze haben will, begibt sich an die Orte, an denen sich die Kundschaft am liebsten aufhält. Nicht umsonst haben die fahrradgetriebenen Eis- und Würstchenstände in Innenstädten und Parks eine lange Tradition. Mittlerweile gibt es sogar mobile Beschallungsanlagen oder „Soundsysteme" für Veranstaltungen, die mit einem Lastenrad an den Ort des Spektakels kommen.

Nicht zu unterschätzen ist auch der Effekt von Lastenrädern als Werbeträger. Wer regelmäßig von bestimmten Lieferfahrzeugen belästigt, behindert oder bedrängt wurde, wird den dazugehörigen Firmennamen nicht uneingeschränkt positiv im Gedächtnis behalten. Prangt der Firmenname jedoch auf einem Lastenrad, wird dieser – insbesondere von jüngeren, weniger auto-affinen Kunden – mit großer Sympathie wahrgenommen.


… im Werksverkehr und bei Verlagen

Viele Werksgelände sind sehr weitläufig. Zudem müssen oft Werkzeug, Ersatzteile oder Materialien in Bereiche gebracht werden, in denen keine Kraftfahrzeuge zulässig sind. Auch hier kann das Lastenrad punkten, insbesondere wenn es für den Transport von Europaletten geeignet ist. Schon heute im Werkverkehrs-Einsatz sind Lastenräder bei Evonik (Proben und Ersatzteile), bei Demeter (Erntetransporte) oder beim Landkreisamt Tübingen (Botendienst). BASF hat am Standort Ludwigshafen sogar 1.500 Mopeds durch E-Lastenräder ersetzt. Nicht zuletzt nutzen auch wir beim ALTOP Verlag seit über 20 Jahren Transporträder für den Messeauf- und -abbau, als Promotionstand und zur Ausstattung von Events in und um München sowie Berlin. Bücher- und Magazinsendungen kommen so zu unseren innerstädtischen Kunden und zur Post, und wo der Weg zur nächsten Bahnstation nicht weit ist, bringen wir selbst unsere VIP-Gäste mit dem Fahrrad statt mit dem e-Auto an den Bahnsteig.

Hier lesen Sie den zweiten Teil des Artikels. 


Dieser Artikel ist in forum Nachhaltig Wirtschaften 03/2014 - Tooooor! 3:0 für Nachhaltigkeit erschienen.

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