Alpengrün

Georg Hechenblaikner über den langen und steinigen Weg auf den Gipfel

 

Das Kongresszentrum im österreichi­schen Alpbach liegt in einer ­atem-beraubenden Bergkulisse und ­möchte sich als grünes Tagungsangebot von der Konkurrenz ­abheben. forum sprach mit dem Geschäftsführer Georg ­Hechenblaikner über den langen und steinigen Weg auf den Gipfel.

Sein Credo: Nachhaltigkeit funktioniert für ein Kongresszentrum nur mit Einbeziehung der gesamten Destination.

 

Wann hat sich Ihr Haus entschlossen, ein „grünes" Kongresszentrum zu werden?

Die Weichen zur Entwicklung als Green Meeting-Destination wurden sehr früh gestellt. Die wichtigsten Meilensteine waren die erstmalige Durchführung des Europäischen Forums Alpbach, das seit 1945 in Alpbach stattfindet, der Gemeinderatsbeschluss im Jahr 1953 zum Erhalt des Alpbacher Baustils und der Neubau des Congress Centrums Alpbach mit hoher Energieeffizienz im Jahr 1999. Erst vor sechs Jahren haben wir dann das Thema Green Location konsequent entwickelt.


Was waren die Gründe hierfür?

In den Jahren 2007 und 2008 entstanden viele Initiativen für „Green Meetings". Doch viele Angebote konnten einer genaueren Prüfung nicht standhalten. Wir erkannten die enorme Chance, uns als besonderer Tagungsort in den Tiroler Bergen für unsere Kunden attraktiver zu machen. Dann begann die letztlich doch sehr aufwendige Entwicklung unseres Green Meeting Angebotes mit allen heute umgesetzten Bausteinen.


Hat sich der Aufwand gelohnt?

Der Einsatz hat sich für uns in jeder Hinsicht gelohnt. Alpbach entwickelt sich derzeit über das Congress Centrum hinaus zu einer nachhaltig ausgerichteten Destination. Wir konnten vor Ort 30 Premium Partner (Hotels, Pensionen, Gasthöfe) gewinnen, die mit uns an einem Strang ziehen und ganz aktuell widmet sich nun auch die Bergbahn als größter touristischer Anbieter der Region diesem Thema. Auch wirtschaftlich waren die Maßnahmen erfolgreich. Unser Unternehmen hat in den Jahren 2012 und 2013 jeweils neue Spitzenwerte beim Umsatz verzeichnen können.


Ist der Trend stabil?

Ja, immer mehr Anbieter widmen sich diesem Thema. Das ist auch gut so, da wir dadurch gefordert sind, nicht stehen zu bleiben. Die gesamte Branche kann hier noch einiges bewegen.


Wie verändert sich die Nachfrage?

Zuerst haben wir festgestellt, dass unser Green Meeting-­Angebot einen Zusatznutzen für unsere Kunden darstellt. Heutzutage ist es teilweise der Hauptgrund, warum Alpbach als Tagungsort zum Zug kommt. Manche Kunden nehmen es sehr ernst und fordern uns und unsere Partner damit massiv, andere sind froh, dass wir schon in so vielen Bereichen die Weichen gestellt haben (z.B. Anreise, Energieeffizienz, regionale Produkte, Beschaffung und Entsorgung, Green Event Management) und sie selbst nur auf die einzelnen Leistungen zurückgreifen müssen. Die Teilnehmer selbst sind zu Recht kritisch und schauen sehr genau hin.


Was ist bei Ihren Kunden besonders gefragt?

Regionale Produkte beim Catering im Congress Centrum und beim Frühstück in den Beherbergungsbetrieben werden besonders geschätzt. Bei der Energieeffizienz und Ressourcenschonung vertraut man auf unsere Zertifizierungen. Alpbach überzeugt aber vor allem durch das einheitliche Ortsbild. Hier dürfen wir die Früchte der frühen Weichenstellung des Alpbacher Gemeinderats ernten. Unsere Kunden könnten aber selbst oft noch viel mehr beitragen, damit eine Veranstaltung wirklich ein Green Meeting wird. Der Einsatz von Taschen, Give-aways und Papier lässt sich leider nur schwer eingrenzen, da dies oftmals Beiträge von Sponsoren sind.


Was können Sie Kongress- und Tagungsanbietern als Empfehlungen mit auf den Weg geben?

Wir haben mehr als zwei Jahre am Produkt gefeilt, danach die Green Globe Zertifizierung und zugleich auch das österreichische Umweltzeichen für Green Meetings angestrebt und sind erst dann mit unserem Angebot am Markt aufgetreten. Es hat sich auf jeden Fall gelohnt, zuerst das Angebot zu entwickeln und erst danach zu kommunizieren. Wir sind auch nicht beim Congress Centrum Alpbach stehen geblieben, sondern haben schon bald begonnen, das ganze Dorf als Partner zu gewinnen. Damit erfreut sich Alpbach einer gewissen Einzigartigkeit, was auch einem Kopierschutz gleich kommt.


Welche Siegel, Vereinigungen und Verbände sind aus Ihrer Sicht besonders wichtig?

Wir verfolgen hier eine zweistufige Strategie. Die Green Globe Zertifizierung bezieht sich auf Abläufe im Gebäude und hat eine hohe internationale Relevanz. Sie ist auch im – für uns so wichtigen – Markt Deutschland bekannt. Das österreichische Umweltzeichen für Green Meetings bezieht sich auf die Veranstaltung selbst und weniger auf das Gebäude. Dadurch wird der Kunde stärker gefordert, kann aber dann auch seine Erfolge als eigenen Verdienst geltend machen.


Was werden Sie unternehmen, um weiterhin Leuchtturm in Sachen Green Events zu sein?

Wir arbeiten intensiv an der Destinationsentwicklung. Dies geht nur kooperativ und mit viel Einsatz und Motivation. Auch Enttäuschungen und Rückschläge gehören dabei zum Arbeitsalltag. Wir entwickeln ein zukunftsfähiges Tourismusangebot und möchten damit auch der nächsten Generation außergewöhnliche Chancen bieten.


Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Ich wünsche mir, dass der eingeschlagene Weg in Alpbach fortgesetzt wird. Privat wäre es wünschenswert, eine gesunde Work-Life-Balance aufrecht zu erhalten, wobei gute Beziehungen, besonders innerhalb der Familie, oberste Priorität haben.


Wir danken für das Gespräch

 

Weitere Infos

www.congressalpbach.com


Dieser Artikel ist in forum Nachhaltig Wirtschaften 03/2014 - Tooooor! 3:0 für Nachhaltigkeit erschienen.



     
        
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