Umwelt | Umweltschutz, 29.07.2013
GNF Studie - wie Tourismusbetriebe besser in den Schutz der Natur eingebunden werden können
Tourismus profitiert in hohem Maße von intakten Seen-Ökosystemen und sollte höhere finanzielle Beiträge zum Seenschutz leisten
Der Global Nature Fund hat in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg und der Bodensee-Stiftung eine Studie veröffentlicht, die den ökonomischen Wert intakter Seen und Feuchtgebiete behandelt. Eine zentrale Erkenntnis der Studie ist, dass besonders die Tourismuswirtschaft von intakten Ökosystemen profitiert und daher einen größeren finanziellen Beitrag zum Erhalt der Natur leisten sollte.
Radolfzell, am 29.07.2013: In Deutschland sind Sommerferien und es herrschen fast tropische Temperaturen. Nicht nur deshalb ist allen exotischen Fernreisedestinationen zum Trotz das eigene Land bei den Deutschen immer noch das beliebteste Reiseziel. Insbesondere Seenregionen ziehen Touristen und Tagesgäste fast magisch an. So verzeichnet der Bodensee als größter See Deutschlands jährlich über 30 Millionen Besuche. Der Tourismus wird dadurch insbesondere für Seengebiete zu einem Wirtschaftsfaktor von zentraler Bedeutung. Gastronomie und Hotelbetriebe profitieren ebenso wie Anbieter von Freizeitaktivitäten, beispielsweise Segelschulen, Strandbäder oder Fahrradverleihe. Den Kommunen wiederum nutzen die höheren Steuereinnahmen durch diese Betriebe und ihre Gäste.
Die hohe Attraktivität der Seen hat aber auch eine Kehrseite: Der Druck auf sensible Ufergebiete und Schutzzonen führt häufig zu Übernutzung, Erosion und Zerstörung wichtiger Lebensräume bedrohter Tier- und Pflanzenarten.
Dass Schutz und Erhalt der sensiblen Seen-Ökosysteme im ureigenen Interesse aller Tourismusbetriebe sein müsste, unterstreicht eine neue Studie, die von den Umweltorganisationen Global Nature Fund und Bodensee-Stiftung sowie der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg veröffentlicht wurde. Konservative Schätzungen ergaben, dass alleine die im Jahr 2010 im Bodenseekreis gezählten 807.000 Übernachtungsgäste rund 370 Millionen Euro ausgaben. Rechnet man die Übernachtungsgäste in der gesamten Bodenseeregion sowie die Ausgaben der Tagesausflügler hinzu, ergibt sich ein touristischer Umsatz von 1,8 Milliarden Euro - ein Betrag, der den immensen Wert des Bodensees unterstreicht. Die Studie zeigt weiterhin auf, dass nicht nur der Tourismussektor von intakter Umwelt profitiert. Für den Bodensee spielt z.B. die Trinkwasserversorgung eine wichtige Rolle. Hier schlägt sich die gute Wasserqualität des Sees direkt in niedrigeren Kosten für die Trinkwasseraufbereitung nieder. Der Fischfang, ein weiterer typischer Wirtschaftsfaktor an Seen, ist am Bodensee zwar zurückgegangen. Dennoch trägt der Fischfang zum ökonomischen Wert und zum "Urlaubserlebnis Bodensee" wesentlich bei. Der See spielt auch als positiver Standortfaktor für Unternehmen eine wichtige Rolle, wie eine im Rahmen der Studie durchgeführte Umfrage ergeben hat. Das Gewässer verleiht Unternehmen der Region ein attraktives und spezifisches Profil, das als eine Art Alleinstellungsmerkmal gesehen werden kann.
Seen-Ökosysteme und ihre ökologischen Dienstleistungen werden von allen Nutzergruppen insgesamt als "sehr wichtig" eingestuft. Die Bedeutung von Seen und ihr wertvoller Beitrag zur regionalen Wirtschaft sind also unbestritten.
Wie kann erreicht werden, dass die Nutzer der Ökosystemleistungen von Seen auch ihre Beiträge zum Erhalt und Schutz der Gewässer leisten? Inzwischen gibt es verschiedene Ansätze für Zahlungen für Ökosystemdienstleistungen ("Payments for Ecosystem Services"). Beispielsweise werden flussaufwärts gelegene Landbesitzer dafür entschädigt, dass sie eine gewünschte Landnutzung beibehalten oder einführen, um dadurch die Wasserqualität flussabwärts zu verbessern. Ein klassisches Beispiel hierzu ist der stromaufwärts gelegene landwirtschaftliche Betrieb und die stromabwärts gelegene Brauerei. In diesem Fall erhält der Landwirt eine Zahlung für Bewirtschaftungsmaßnahmen, die dem Wasserschutz dienen (z.B. weniger oder keine Düngemittel und Pestizide). Auch die EU Wasserrahmenrichtlinie unterstreicht die Notwendigkeit, dass die Wassernutzer einen angemessenen Beitrag leisten sollen, um sich an den hohen Umwelt- und Ressourcenkosten zu beteiligen.
Die Studie gibt Empfehlungen, wie Tourismusbetriebe, Gemeinden und Gäste besser in den Schutz der Natur eingebunden werden können. Neben Umweltbildungsmaßnahmen können dies auch finanzielle Beiträge sein. Denkbar wäre z.B. eine "Naturtaxe" aus der Umlage von Gewinnen aus der Parkraumbewirtschaftung oder freiwilligen Abgaben. Ein übertragbares
Pilotprojekt wurde im Lake District in Großbritannien umgesetzt. Verschiedene Unternehmen des Tourismussektors, von Hotels bis zu Souvenirshops, haben sich dort im "Visit Give Project" zusammengetan und motivieren Gäste und Kunden, einen freiwilligen Beitrag für den Erhalt der Natur zu leisten. Jedes Unternehmen kann die Höhe der Spende selbst festsetzen und schlägt die Spende auf die Rechnung auf. Das Projekt in England zeigt, dass etwa 95 % der Gäste bereit sind, einen kleinen finanziellen Beitrag zu leisten. Aufgrund der hohen Besucherzahlen kommen dadurch trotzdem erhebliche Mittel zusammen, die dann
für Umweltprojekte in der Region verwendet werden und zur Sensibilisierung der Gäste beitragen.
Seen und Feuchtgebiete sind besonders von den Folgen des Klimawandels betroffen - auch am Bodensee sind die Auswirkungen spürbar. Nur intakte Seen können die zusätzlichen Belastungen durch die Klimaveränderungen verkraften. Einen finanziellen Beitrag zum Schutz der Seen zu leisten muss also im ureigenen Interesse aller Nutzer sein, zum Beispiel wenn es darum geht, notwendige Renaturierungen von Ufer- und Flachwasserzonen zu finanzieren. Damit ist in der Bodenseeregion vor allem die Tourismusbranche angesprochen.
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Branche mit Weitblick? Der Schutz der Seen müsste im ureigensten Interesse der Tourismusindustrie liegen. Allein der Bodensee hat jährlich über 30 Millionen Besucher. |
Die hohe Attraktivität der Seen hat aber auch eine Kehrseite: Der Druck auf sensible Ufergebiete und Schutzzonen führt häufig zu Übernutzung, Erosion und Zerstörung wichtiger Lebensräume bedrohter Tier- und Pflanzenarten.
Dass Schutz und Erhalt der sensiblen Seen-Ökosysteme im ureigenen Interesse aller Tourismusbetriebe sein müsste, unterstreicht eine neue Studie, die von den Umweltorganisationen Global Nature Fund und Bodensee-Stiftung sowie der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg veröffentlicht wurde. Konservative Schätzungen ergaben, dass alleine die im Jahr 2010 im Bodenseekreis gezählten 807.000 Übernachtungsgäste rund 370 Millionen Euro ausgaben. Rechnet man die Übernachtungsgäste in der gesamten Bodenseeregion sowie die Ausgaben der Tagesausflügler hinzu, ergibt sich ein touristischer Umsatz von 1,8 Milliarden Euro - ein Betrag, der den immensen Wert des Bodensees unterstreicht. Die Studie zeigt weiterhin auf, dass nicht nur der Tourismussektor von intakter Umwelt profitiert. Für den Bodensee spielt z.B. die Trinkwasserversorgung eine wichtige Rolle. Hier schlägt sich die gute Wasserqualität des Sees direkt in niedrigeren Kosten für die Trinkwasseraufbereitung nieder. Der Fischfang, ein weiterer typischer Wirtschaftsfaktor an Seen, ist am Bodensee zwar zurückgegangen. Dennoch trägt der Fischfang zum ökonomischen Wert und zum "Urlaubserlebnis Bodensee" wesentlich bei. Der See spielt auch als positiver Standortfaktor für Unternehmen eine wichtige Rolle, wie eine im Rahmen der Studie durchgeführte Umfrage ergeben hat. Das Gewässer verleiht Unternehmen der Region ein attraktives und spezifisches Profil, das als eine Art Alleinstellungsmerkmal gesehen werden kann.
Seen-Ökosysteme und ihre ökologischen Dienstleistungen werden von allen Nutzergruppen insgesamt als "sehr wichtig" eingestuft. Die Bedeutung von Seen und ihr wertvoller Beitrag zur regionalen Wirtschaft sind also unbestritten.
Wie kann erreicht werden, dass die Nutzer der Ökosystemleistungen von Seen auch ihre Beiträge zum Erhalt und Schutz der Gewässer leisten? Inzwischen gibt es verschiedene Ansätze für Zahlungen für Ökosystemdienstleistungen ("Payments for Ecosystem Services"). Beispielsweise werden flussaufwärts gelegene Landbesitzer dafür entschädigt, dass sie eine gewünschte Landnutzung beibehalten oder einführen, um dadurch die Wasserqualität flussabwärts zu verbessern. Ein klassisches Beispiel hierzu ist der stromaufwärts gelegene landwirtschaftliche Betrieb und die stromabwärts gelegene Brauerei. In diesem Fall erhält der Landwirt eine Zahlung für Bewirtschaftungsmaßnahmen, die dem Wasserschutz dienen (z.B. weniger oder keine Düngemittel und Pestizide). Auch die EU Wasserrahmenrichtlinie unterstreicht die Notwendigkeit, dass die Wassernutzer einen angemessenen Beitrag leisten sollen, um sich an den hohen Umwelt- und Ressourcenkosten zu beteiligen.
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Perfektes Mitbringsel: Der Weinbau in touristischen Gegenden bietet nicht nur Erholungswert für die Gäste, sondern fördert auch die regionale Wirtschaft. Doch für eine funktionierende Landwirtschaft braucht es intakte Seen. |
Die Studie gibt Empfehlungen, wie Tourismusbetriebe, Gemeinden und Gäste besser in den Schutz der Natur eingebunden werden können. Neben Umweltbildungsmaßnahmen können dies auch finanzielle Beiträge sein. Denkbar wäre z.B. eine "Naturtaxe" aus der Umlage von Gewinnen aus der Parkraumbewirtschaftung oder freiwilligen Abgaben. Ein übertragbares
Pilotprojekt wurde im Lake District in Großbritannien umgesetzt. Verschiedene Unternehmen des Tourismussektors, von Hotels bis zu Souvenirshops, haben sich dort im "Visit Give Project" zusammengetan und motivieren Gäste und Kunden, einen freiwilligen Beitrag für den Erhalt der Natur zu leisten. Jedes Unternehmen kann die Höhe der Spende selbst festsetzen und schlägt die Spende auf die Rechnung auf. Das Projekt in England zeigt, dass etwa 95 % der Gäste bereit sind, einen kleinen finanziellen Beitrag zu leisten. Aufgrund der hohen Besucherzahlen kommen dadurch trotzdem erhebliche Mittel zusammen, die dann
für Umweltprojekte in der Region verwendet werden und zur Sensibilisierung der Gäste beitragen.
Seen und Feuchtgebiete sind besonders von den Folgen des Klimawandels betroffen - auch am Bodensee sind die Auswirkungen spürbar. Nur intakte Seen können die zusätzlichen Belastungen durch die Klimaveränderungen verkraften. Einen finanziellen Beitrag zum Schutz der Seen zu leisten muss also im ureigenen Interesse aller Nutzer sein, zum Beispiel wenn es darum geht, notwendige Renaturierungen von Ufer- und Flachwasserzonen zu finanzieren. Damit ist in der Bodenseeregion vor allem die Tourismusbranche angesprochen.
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