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Vermeiden, verringern, kompensieren!

Nachhaltigkeit in der Geschäftsreiseorganisation

Immer mehr Unternehmen streben eine Reduzierung ihrer klimaschädlichen Emissionen bis hin zu einer Klimaneutralstellung an. In diesem Zusammenhang denken Travel Manager in Unternehmen intensiv darüber nach, wie Geschäftsreisen zukünftig nachhaltiger gestaltet werden können.

Metropole Berlin: In einem gemeinsamen Pilotprojekt erarbeiten regionale Unternehmen Visionen und Strategien, damit die Hauptstadt eine Topdestination für Green Business Travel wird.
Foto: © TÜV Rheinland Akademie
Der Bereich der Geschäftsreisen ist weltweit ein umsatzstarker Markt, in dem Unternehmen von einer Vielzahl von Anbietern umworben werden. Der Verband Deutsches Reisemanagement (VDR) hat in seiner Geschäftsreiseanalyse für das Jahr 2010 insgesamt 8,1 Millionen Reisende und 154,8 Millionen Geschäftsreisen für Deutschland mit Ausgaben in Höhe von 43,5 Milliarden Euro angegeben. Das aktuelle Meeting- & Event Barometer gibt an, dass 2010 in Deutschland 2,69 Millionen Veranstaltungen mit insgesamt 323 Millionen Teilnehmenden stattgefunden haben. Es beziffert den Umsatz deutscher Unternehmen durch Geschäftsreisen 2010 auf 66 Milliarden Euro. Dieses Marktvolumen zeigt, dass in den Zukunftsmärkten für Green Business Travel große Potenziale liegen.

Bei der Gestaltung der nachhaltigen Geschäftsreise ist zu prüfen, in welchen Elementen der Reisekette Nachhaltigkeitspotenziale liegen. Die Graphik gibt einen Überblick, welche Aktivitätsfelder vorrangig zum Business Travel zu zählen sind. Über die unmittelbaren geschäftlichen Aktivitäten hinaus, wurden reise-flankierende Dienstleistungen und Freizeitbereiche aufgenommen.

Aktivitästfelder im Business Travel
Foto: © TÜV Rheinland Akademie

Sowohl Anbieter als auch Nachfrager treffen bei der Gestaltung der nachhaltigen Geschäftreisekette auf eine Reihe externer strategischer Marktumfelder, die von ihnen - teils mehr, teils weniger - gestaltbar sind: Infrastruktur, Technologien, Innovationen für Nachhaltigkeit, urbane Qualität, politisch-regulatives Umfeld, gesellschaftliche Einstellungen und Werte, die Marktnachfrage nach nachhaltigen Produkten und deren tatsächliche Lieferfähigkeit, Mobilitäts- und Logistikdienstleistungen, Kompetenzen und Qualifikationen.

Das unternehmensinterne Management des nachhaltigen Business Travel umfasst drei Bereiche:
  1. Reisevermeidung
    Nicht jede Geschäftsreise ist erforderlich. Telefonkonferenzen, Webmeetings und Videokonferenzen sind aus dem Geschäftsalltag vieler Unternehmen nicht mehr wegzudenken und tragen zur Einsparung von finanziellen und personellen Ressourcen bei.
  2. Nachhaltige Reiseplanung
    Ist die Reise nach Abwägung aller Gründe erforderlich, rücken mit der Reisebuchung folgende Fragen in den Blick:
    • Verfügt das Unternehmen über eine Reiserichtlinie? Sind Nachhaltigkeitskriterien darin integriert? Wie wird ihre Einhaltung überprüft? Gibt es Sanktionen bei Verstößen?
    • Wie kann ein CO2-reduzierter Reiseablauf gefördert werden? Welche Kriterien gibt es für die Wahl des Verkehrsmittels?
    • Wie wird die Geschäftsleitung, wie werden die Mitarbeiter motiviert, umweltverträglich zu reisen?
    • Nach welchen Kriterien werden Hotels und Veranstaltungsorte ausgewählt?
  3. Footprint Accounting und Kompensation
    Der aktuelle Entwicklungsstand geschäftstouristischer Dienstleistungen ermöglicht derzeit noch kaum die Gestaltung einer klimaneutralen Reisekette. Unternehmen, die dies anstreben, bleibt nur der Weg der Kompensation. Hierbei gilt es genau zu überlegen, in welche Klimaschutzprojekte mit welcher Zertifizierungsqualität bei welchem Kompensationsanbieter investiert wird. Dabei kann auch Berücksichtigung finden, welcher Prozentsatz der investierten Mittel tatsächlich direkt in die Klimaschutzprojekte fließt.
 
Von Carmen Giese und Frank Weber  

Im Profil
Dr. Carmen Giese und Frank Weber sind Berater im Projekt "Nachhaltiger Business Travel in Berlin" und arbeiten im Center of Corporate Social Responsibility, Sustainability & Compliance bei der TÜV Rheinland Akademie.
carmen.giese@de.tuv.com
frank.weber@de.tuv.com


Quelle:

Dieser Artikel ist in forum Nachhaltig Wirtschaften 04/2011 - Stadt der Zukunft erschienen.



     
        
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