Deutschland engagiert sich für gerechte Ressourcenverteilung

Vorwort von Dirk Niebel

Die Rio-Deklaration von 1992 betont das Recht auf Entwicklung und das Erfordernis der Armutsbekämpfung und spricht die besondere Verantwortung der Industrieländer als wesentliche Verursacher für bisher entstandene Umweltschäden an. Sie fordert mithin Gerechtigkeit bei der Verteilung von Einkommen und natürlichen Ressourcen. Die deutsche Entwicklungspolitik hat sich diesen Zielen verschrieben und engagiert sich in vielen Arbeitsbereichen dafür. Hier seien einige genannt.
Dirk Niebel ist Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.
Foto: © FDP - Die Liberalen, Pressefoto

Entwicklungsländer waren bisher nur zu einem geringen Anteil Verursacher des Klimawandels - doch sie werden die Hauptleidtragenden sein. Die deutsche Entwicklungspolitik steht daher in der Verantwortung, die Partnerländer zu unterstützen bei der Minderung von Treibhausgasen, einschließlich des Waldschutzes und bei Maßnahmen der Anpassung an den Klimawandel.
Im Sektor Wald bedeutet gerechte Ressourcenverteilung, die lokale Bevölkerung an dem Nutzen aus dem nachhaltigen Management und der nachhaltigen Bewirtschaftung ihrer Wälder zu beteiligen und ihnen den Zugang zu neuen Märkten zu ermöglichen. So konnten zum Beispiel in Vietnam seit den 1990er Jahren insgesamt 100.000 Familien erreicht werden, die ihr Einkommen im Schnitt bereits um 30 Prozent steigern konnten.

Gerechte Ressourcenverteilung bedeutet auch einen rechtlich gesicherten Zugang zu Land. So standen in Kambodscha vier Fünftel der Bevölkerung nach Vernichtung aller Grundbuch- und Katasterunterlagen durch die Roten Khmer ohne verbriefte Eigentums- und Nutzungstitel auf das von ihnen bewirtschaftete Land da. Mit Unterstützung durch die deutsche Entwicklungszusammenarbeit erarbeitet die kambodschanische Regierung eine umfassende Landreform, damit Grund und Boden gerecht, transparent, effizient und vor allem auch nachhaltig verwaltet werden können. Bereits 15 Prozent aller Bodenparzellen sind heute mit rechtlich gesicherten Landtiteln in der Hand kleinbäuerlicher Familien, und die Landregistrierung schreitet voran.

Bisweilen wird Ressourcenreichtum auch zum Fluch. Dies geschieht öfter in extraktiven Industrien, d.h. Öl, Gas und Mineralien. Hier fehlt vor allem die gerechte Verteilung der Rohstoffeinnahmen. Ein Lösungsansatz ist hier die Extractive Industries Transparency Initiative. In ihr werden die Finanzströme von Unternehmen an Regierungen offen gelegt und ein Dialog zwischen Staat, Privatwirtschaft und Zivilgesellschaft etabliert. Zudem beraten wir unsere Partner dabei, wie sie ihre Steuerbehörden schlagkräftiger und das Ausgabenmanagement effizienter machen.
Die nächste VN-Konferenz für nachhaltige Entwicklung findet 2012 wieder in Rio de Janeiro statt. Die Aufgabe, die Nutzung der natürlichen Ressourcen gerechter und nachhaltiger zu gestalten, besteht nach wie vor. Deshalb wird der Schwerpunkt der Konferenz auf dem Thema "Green Economy" liegen. Eine ökologische Wirtschaftsweise respektiert die ökologischen Grenzen im Sinne einer Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen. Sie bewahrt und schafft damit Handlungsspielräume wohl für die gegenwärtige als auch für kommende Generationen. Das klingt ganz nach dem Motto für das 50-jährige Jubiläum unseres Ministeriums: Wir machen Zukunft. Machen Sie mit!
 
Von Dirk Niebel, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

Quelle: B.A.U.M.-Jahrbuch
Umwelt | Ressourcen, 14.09.2011
     
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