Grundlagen für ökofaires Beschaffungsmanagement

von Günter Koschwitz

Wenn ein Unternehmen seine Beschaffung systematisch nach ökofairen Kriterien ausrichten und alle Beschäftigten dazu motivieren und verpflichten will, empfehlen sich die folgenden Elemente:

  1. Beschaffungsordnung
    Eine Beschaffungsordnung wird als unternehmenspolitische Richtlinie verabschiedet und setzt den Rahmen für alle Beschaffungsentscheidungen. Darin wird dann z.B. festgelegt, dass neben den wirtschaftlichen und qualitativen Kriterien auch soziale und ökologische Kriterien bei den Beschaffungsentscheidungen berücksichtigt werden. Ein Muster für eine solche Beschaffungsordnung stellen wir Ihnen in der kommenden forum-Ausgabe vor.

  2. Beschaffungsorganisation
    In der Regelung der Beschaffungsorganisation geht es um die Festlegung der Beschaffungsverantwortlichen, ihre Qualifizierung für optimale und auch ökofaire Beschaffungsentscheidungen sowie die Planung der Beschaffung und dabei insbesondere die Ermittlung des "richtigen" Bedarfs (oft können hier schon durch gute Steuerung Ressourcen gespart werden). Weitere Regelungen sind denkbar für Standards zu Leistungsbeschreibungen mit ökofairen Kriterien, Regelungen zu Ausschreibungen und Angebotsaufforderungen, Angebotsbewertungen, Auftragserteilungen sowie Vertragsabschlüssen und den Reklamationen. Eine weitere Option besteht in der Abklärung, ob für die Beschaffung bestimmter Waren und Dienstleistungen eine Kooperation mit anderen Einrichtungen sinnvoll ist.

  3. Produktbewertung und Information
    Die Bewertung der einzelnen Produkte wird erleichtert durch generelle Beschaffungskriterien des Unternehmens, die in der Regel in der Beschaffungsordnung verankert sein können. In den einzelnen Beschaffungsentscheidungen müssen die Kriterien gewichtet und oftmals auch gegeneinander abgewogen werden, insbesondere wenn es zu Zielkonflikten zwischen kurzfristiger Kostenstruktur und den ökologischen und sozialen Wirkungen kommt. Ausreichende Information und Angebotstransparenz sind dabei außerordentlich wichtig. Zudem müssen die einzelnen Beschaffungsverantwortlichen entsprechend den Zielen qualifiziert werden sowie einen einfachen Zugang zu unabhängigen Produktinformationen erhalten.

  4. Lieferantenbefragung und Lieferantenbewertung
    Zur Bewertung der Lieferanten empfiehlt es sich, regelmäßig Lieferantenbefragungen durchzuführen. Diese ermöglichen eine Bewertung, inwiefern die Lieferanten ökofaire Kriterien bei ihrer Wirtschaftsweise und bei ihren Produkten berücksichtigen. Mit einem einfachen Bewertungsraster nach Punkten und Kategorien können die Lieferantenbefragungen ausgewertet werden und ggf. zur Neuausrichtung von Geschäftsbeziehungen führen. Gleichzeitig motivieren die Lieferantenbefragungen zur Auseinandersetzung mit ökofairen Alternativen des Wirtschaftens. Gerade dieser Dialog zwischen der "Marktmacht Sozialwirtschaft" und den Wirtschaftsunternehmen als Lieferanten kann zu einer nicht zu unterschätzenden Nachhaltigkeitswirkung in der Wirtschaft führen.


KATE berät im Umwelt- und Nachhaltigkeitsmanagement und dabei auch in der Einführung ökofairer Beschaffungssysteme. Für den Tourismus wurde in den letzten Jahren ein CSR-Branchenstandard entwickelt, der bereits bei mehreren Reiseunternehmen zur erfolgreichen CSR-Zertifizierung geführt hat.

koschwitz@kate-stuttgart.org
www.kate-stuttgart.org






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"forum Nachhaltig Wirtschaften"-Ausgabe 3/2010: "Die Verantwortung der Medien" mit dem Special "Fair Trade und ethischer Konsum"

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Quelle: Günter Koschwitz
Lifestyle | LOHAS & Ethischer Konsum, 10.11.2010

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