Umwelt | Klima, 24.08.2026
"Wirtschaftliche und gesundheitliche Schäden sind viel zu hoch"
Wissenschaftler empfehlen Kurswechsel
68 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen unterzeichnen ein Schreiben, das die Einhaltung bisheriger Klimaziele und Klimaschutzvereinbarungen und die schrittweise Streichung von fossilen Subventionen empfiehlt.
Darin findet sich harte Kritik an der Regierung Merz: Man erkenne "derzeit nicht, dass die Bundesregierung auf die Klimakrise mit der notwendigen Entschlossenheit und Einigkeit reagiert." – es brauche "einen Kurswechsel der
Bundesregierung: weg von fossilen Energieträgern und hin zu einer umfassenden Elektrifizierungsstrategie."Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen schreiben weiter, dass es in Deutschland allein in diesem Jahr nach Schätzung des Robert Koch-Instituts bereits mehr als 14.000 hitzebedingte Sterbefälle gab. Und "Die wirtschaftlichen Schäden der extremen Dürre in der Landwirtschaft ebenso wie in anderen Branchen, etwa durch Einschränkungen in der Binnenschifffahrt und eine geringere Arbeitsproduktivität, sind (...) gravierend."
Laut einer heute erschienenen dpa-Meldung hat Greenpeace die Kosten der Hitzewellen 2026 für die deutsche Wirtschaft auf 36 Milliarden Euro taxiert.
Die Klimakrise ist Realität, kein Zukunftsszenario, wirtschaftliche und gesundheitliche Schäden sind deutlich zu hoch, da sind sich auch die Unterzeichner einig. Wer angesichts dessen langfristig angekündigte Transformationspfade immer wieder infrage stellt, gefährdet Investitionen und Wettbewerbsfähigkeit für den Umbau hin zu zukunftsfähiger Wirtschaft und Wohlstand. Klimapolitische Verlässlichkeit ist Standortpolitik.
Klimaschutz schafft Sicherheit - Scientists for Future 24.8.2026
Klimaschutz schafft Sicherheit – für Gesundheit, Wirtschaft und Wohlstand
Wir erleben diesen Sommer, was Klimawandel konkret bedeutet. Wenn die Emissionen nicht rasch sinken, werden extreme Hitzesommer in Deutschland deutlich häufiger und extremer werden. In Deutschland gab es in diesem Jahr bereits mehr als 14.000 hitzebedingte Sterbefälle. Die wirtschaftlichen Schäden der extremen Dürre in der Landwirtschaft ebenso wie in anderen Branchen, etwa durch Einschränkungen in der Binnenschifffahrt und eine geringere Arbeitsproduktivität, sind zwar noch nicht in vollem Umfang bezifferbar, aber gravierend.
Wir empfehlen Politikerinnen und Politikern ebenso wie Managerinnen und Managern in Industrie und Gewerbe, dieser neuen Realität mit der nötigen Dringlichkeit zu begegnen. Wir erkennen derzeit nicht, dass die Bundesregierung auf die Klimakrise mit der notwendigen Entschlossenheit und Einigkeit reagiert. Vor allem fehlt es an einer konsequenten Verbindung von Klimaschutz- und Klimaanpassungsmaßnahmen. Das Gegenteil ist derzeit der Fall: Sowohl die Elektrifizierung (z.B. Ersatz von Öl- und Gasheizungen durch Wärmepumpen) als auch die Energiewende werden gebremst. Der Autoindustrie wird die Planungs- und Investitionssicherheit genommen, indem das sogenannte Verbrenner-Aus 2035 in Zweifel gezogen und über längere Übergangsfristen für Transformationsmaßnahmen diskutiert wird. Zugleich werden die finanziellen Mittel für den Klimaschutz gekürzt.
Die globalen Märkte für Solar- und Windkraftanlagen, für Batteriespeicher wie auch für Elektroautos erreichen derweil Rekordumsätze – sogar in den USA. Die wirtschaftlichen Chancen sind riesig und der deutsche Export könnte von diesem Aufschwung profitieren. Hierzu brauchen wir einen Kurswechsel der Bundesregierung: weg von fossilen Energieträgern und hin zu einer umfassenden Elektrifizierungsstrategie. Klimaschutz und Wohlstand sind dabei kein Gegensatz – im Gegenteil. Energieeinsparungen, erneuerbare Energien und die Elektrifizierung von Mobilität und Wärme sind erprobt, massentauglich und langfristig günstiger als das bisherige System. Zugleich machen sie Städte und ländliche Räume klimaresilienter.
Die Umwelt zeigt uns in diesem Sommer nicht verhandelbare Grenzen auf. Durch die kumulierten Emissionen der Welt wird die Erhöhung der globalen Mitteltemperatur 1,5 Grad überschreiten, wobei das Risiko für das Überschreiten von Kipppunkten mit jedem Zehntel Grad weiterer Erwärmung steigt. Die Schäden des Klimawandels übertreffen bei weitem die Kosten einer Reduzierung der Kohlenstoffemissionen. Zu dieser Reduzierung hat sich Deutschland mit der Ratifizierung des Pariser Klimaschutzabkommens verpflichtet.
Wir können die künftigen Risiken für Wohlstand, Gesundheit und Wirtschaftskraft nur verringern, indem Deutschlands Regierung klare Signale gibt für eine schnellere Elektrifizierung der Mobilität, der Gebäude und der Industrie, Umbau von Siedlungsinfrastrukturen mit Fokus auf naturnahe Lösungen für Hitzeschutz und Verringerung des Überschwemmungsrisikos. Fossile Abhängigkeiten sollten reduziert werden, u.a. durch mehr erneuerbare Stromerzeugung, Netzausbau, Energy-Sharing, Flexibilisierung, Smart-Meter-Rollout und Energiespeicher. Um diese Maßnahmen effektiv umzusetzen, braucht es wirksame Strategien und messbare Ziele.
Klimaschäden liegen nicht in der fernen Zukunft, sondern zeigen sich heute schon konkret. Die Beseitigung von Schäden und das Umsetzen von Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel erhöhen die Wirtschaftsleistung – aber nicht den Wohlstand. Konsequenter Klimaschutz sichert den Wohlstand, weil er immer größer werdende Schäden abschwächt.
Konkret sollten Politikerinnen und Politiker Folgendes tun:
- Wirksame nationale und internationale Initiativen zur Gewährleistung der Einhaltung des Pariser Klimaschutzabkommens und der europäischen und nationalen Klimaschutzziele.
- Stärkung der langjährigen Planbarkeit und Investitionssicherheit für eine erfolgreiche Transformation der deutschen Wirtschaft.
- Stärkung der Handlungsfähigkeit der unterschiedlichen staatlichen Ebenen (Bund, Land, Kommune) und Klärung von Verantwortlichkeiten in Bezug auf Klimaschutz- und Klimaanpassungsmaßnahmen.
- Wirksamere Verankerung von Klimaschutz und Klimaanpassung im Grundgesetz.
- Schrittweise, sozial ausgewogene Streichung aller vom Umweltbundesamt identifizierten Subventionen für fossile Energie und Infrastruktur, Mobilität und Heizsysteme.
Unterzeichnerinnen und Unterzeichner (alphabetisch)
Prof. Dr. Pietro P. Altermatt
Prof. Franz Baumann, Ph.D.
Prof. Dr. Jelle Bijma
Prof. Dr. Ulrich Brand
Prof. Dr. Christian Breyer
Dr. Friedrich Bohn
Dr. Jens Clausen
Prof. Dr. Marianne Darbi
Prof. Dr. Claus-Heinrich Daub
Assoc. Prof. Dr. Kirsten v. Elverfeldt
Prof. Dr. Klaus Fichter
Prof. Dr. Daniel Gembris
Dr. Christoph Gerhards
Dr. Edgar Göll
Prof. Dr. Rainer Grießhammer
Dr. Gregor Hagedorn
Dr. Judith Nora Hardt
Dipl.-Geol. Gabriele Harrer-Puchner
Prof. Dr. Stefan Heiland
Prof. Dr. Peter Hennicke
Dr. Laura M. J. Herzog
Dr. Niklas Höhne
apl. Prof. Dr. Ulrike Jordan
Prof. Dr. Jonathan Jeschke
Prof. Dr. Claudia Kammann
Prof. Dr. Jörg Kopecz
Prof. Dr. Volker Wulfmeyer
Prof. Dr. rer. nat. Harald Krause
Prof. Dr. Reinhold Leinfelder
Prof. Dr. Peter Lemke
Prof. Dr.-Ing. Sven Linow
Prof. Dr. Ellen Matthies
Prof. Dr.-Ing. Stefan Müller
Dr. Klaus Müschen
apl. Prof. Dr. Michael Mutz
Prof. Dr. Bernhard Neumärker
Prof. Dr. Kai Niebert
Prof. Dr. Pao-Yu Oei
Prof. Dr. Andreas Oschlies
Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-O. Poertner
Dr. Guy Pe’er
Prof. Dr. Barbara Praetorius
Prof. Dr. Volker Quaschning
Prof. Dr. Stefan Rahmstorf
Prof. Dr. Dr. Martina Schäfer
Prof. Dr. Tilman Santarius
Prof. Dr. Jürgen Scheffran
Prof. Dr. Matthias Schmelzer
Prof. Dr.-Ing. Wulf-Peter Schmidt
Dr. Marion Schroedter-Homscheidt
Dr. Thomas Seifert
Prof. Dr. Ralf Seppelt
Prof. Uli Spindler
Dr. Bernhard Steinberger
Dr. Volker Stelzer
Prof. Dr. Charlotte Streck
Prof. Dr. Katja Tielbörger
Prof. Dr. Britta Tietjen
Dr. Dr. h.c. Manuela Troschke
Dr. med. Katharina Truschinski
Prof. Mario Tvrtkovic
Dr.-Ing. Lorena Valdivia Steel
Prof. Dr. Doris Vollmer
Prof. Dr. Urban Weber
Prof. Dr. Michael Weiß
Dr. phil. Christina West
Dr. Heike Wex
Dr. Marten Winter
Kontakt: Scientists for Future Germany, Markus Feilner | mfeilner@scientists4future.org | scientists4future.org
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