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Umwelt | Klima, 24.08.2026

"Wirtschaftliche und gesundheitliche Schäden sind viel zu hoch"

Wissenschaftler empfehlen Kurswechsel

68 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen unterzeichnen ein Schreiben, das die Einhaltung bisheriger Klimaziele und Klimaschutzvereinbarungen und die schrittweise Streichung von fossilen Subventionen empfiehlt.
 
© Oleksandr Sushko, unsplash.comDarin findet sich harte Kritik an der Regierung Merz: Man erkenne "derzeit nicht, dass die Bundesregierung auf die Klimakrise mit der notwendigen Entschlossenheit und Einigkeit reagiert." – es brauche "einen Kurswechsel der Bundesregierung: weg von fossilen Energieträgern und hin zu einer umfassenden Elektrifizierungsstrategie."
 
Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen schreiben weiter, dass es in Deutschland allein in diesem Jahr nach Schätzung des Robert Koch-Instituts bereits mehr als 14.000 hitzebedingte Sterbefälle gab. Und "Die wirtschaftlichen Schäden der extremen Dürre in der Landwirtschaft ebenso wie in anderen Branchen, etwa durch Einschränkungen in der Binnenschifffahrt und eine geringere Arbeitsproduktivität, sind (...) gravierend."
 
Laut einer heute erschienenen dpa-Meldung hat Greenpeace die Kosten der Hitzewellen 2026 für die deutsche Wirtschaft auf 36 Milliarden Euro taxiert. Die Klimakrise ist Realität, kein Zukunftsszenario, wirtschaftliche und gesundheitliche Schäden sind deutlich zu hoch, da sind sich auch die Unterzeichner einig. Wer angesichts dessen langfristig angekündigte Transformationspfade immer wieder infrage stellt, gefährdet Investitionen und Wettbewerbsfähigkeit für den Umbau hin zu zukunftsfähiger Wirtschaft und Wohlstand. Klimapolitische Verlässlichkeit ist Standortpolitik.

Klimaschutz schafft Sicherheit - Scientists for Future 24.8.2026

Klimaschutz schafft Sicherheit – für Gesundheit, Wirtschaft und Wohlstand 

Wir erleben diesen Sommer, was Klimawandel konkret bedeutet. Wenn die Emissionen nicht rasch sinken, werden extreme Hitzesommer in Deutschland deutlich häufiger und extremer werden. In Deutschland gab es in diesem Jahr bereits mehr als 14.000 hitzebedingte Sterbefälle. Die wirtschaftlichen Schäden der extremen Dürre in der Landwirtschaft ebenso wie in anderen Branchen, etwa durch Einschränkungen in der Binnenschifffahrt und eine geringere Arbeitsproduktivität, sind zwar noch nicht in vollem Umfang bezifferbar, aber gravierend.  

Wir empfehlen Politikerinnen und Politikern ebenso wie Managerinnen und Managern in Industrie und Gewerbe, dieser neuen Realität mit der nötigen Dringlichkeit zu begegnen. Wir erkennen derzeit nicht, dass die Bundesregierung auf die Klimakrise mit der notwendigen Entschlossenheit und Einigkeit reagiert. Vor allem fehlt es an einer konsequenten Verbindung von Klimaschutz- und Klimaanpassungsmaßnahmen. Das Gegenteil ist derzeit der Fall: Sowohl die Elektrifizierung (z.B. Ersatz von Öl- und Gasheizungen durch Wärmepumpen) als auch die Energiewende werden gebremst. Der Autoindustrie wird die Planungs- und Investitionssicherheit genommen, indem das sogenannte Verbrenner-Aus 2035 in Zweifel gezogen und über längere Übergangsfristen für Transformationsmaßnahmen diskutiert wird. Zugleich werden die finanziellen Mittel für den Klimaschutz gekürzt. 

Die globalen Märkte für Solar- und Windkraftanlagen, für Batteriespeicher wie auch für Elektroautos erreichen derweil Rekordumsätze – sogar in den USA. Die wirtschaftlichen Chancen sind riesig und der deutsche Export könnte von diesem Aufschwung profitieren. Hierzu brauchen wir einen Kurswechsel der Bundesregierung: weg von fossilen Energieträgern und hin zu einer umfassenden Elektrifizierungsstrategie. Klimaschutz und Wohlstand sind dabei kein Gegensatz – im Gegenteil. Energieeinsparungen, erneuerbare Energien und die Elektrifizierung von Mobilität und Wärme sind erprobt, massentauglich und langfristig günstiger als das bisherige System. Zugleich machen sie Städte und ländliche Räume klimaresilienter. 

Die Umwelt zeigt uns in diesem Sommer nicht verhandelbare Grenzen auf. Durch die kumulierten Emissionen der Welt wird die Erhöhung der globalen Mitteltemperatur 1,5 Grad überschreiten, wobei das Risiko für das Überschreiten von Kipppunkten mit jedem Zehntel Grad weiterer Erwärmung steigt. Die Schäden des Klimawandels übertreffen bei weitem die Kosten einer Reduzierung der Kohlenstoffemissionen. Zu dieser Reduzierung hat sich Deutschland mit der Ratifizierung des Pariser Klimaschutzabkommens verpflichtet.  

Wir können die künftigen Risiken für Wohlstand, Gesundheit und Wirtschaftskraft nur verringern, indem Deutschlands Regierung klare Signale gibt für eine schnellere Elektrifizierung der Mobilität, der Gebäude und der Industrie, Umbau von Siedlungsinfrastrukturen mit Fokus auf naturnahe Lösungen für Hitzeschutz und Verringerung des Überschwemmungsrisikos. Fossile Abhängigkeiten sollten reduziert werden, u.a. durch mehr erneuerbare Stromerzeugung, Netzausbau, Energy-Sharing, Flexibilisierung, Smart-Meter-Rollout und Energiespeicher. Um diese Maßnahmen effektiv umzusetzen, braucht es wirksame Strategien und messbare Ziele. 

Klimaschäden liegen nicht in der fernen Zukunft, sondern zeigen sich heute schon konkret. Die Beseitigung von Schäden und das Umsetzen von Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel erhöhen die Wirtschaftsleistung – aber nicht den Wohlstand. Konsequenter Klimaschutz sichert den Wohlstand, weil er immer größer werdende Schäden abschwächt.  

Konkret sollten Politikerinnen und Politiker Folgendes tun: 
  1. Wirksame nationale und internationale Initiativen zur Gewährleistung der Einhaltung des Pariser Klimaschutzabkommens und der europäischen und nationalen Klimaschutzziele. 

  2. Stärkung der langjährigen Planbarkeit und Investitionssicherheit für eine erfolgreiche Transformation der deutschen Wirtschaft.  

  3. Stärkung der Handlungsfähigkeit der unterschiedlichen staatlichen Ebenen (Bund, Land, Kommune) und Klärung von Verantwortlichkeiten in Bezug auf Klimaschutz- und Klimaanpassungsmaßnahmen. 

  4. Wirksamere Verankerung von Klimaschutz und Klimaanpassung im Grundgesetz. 

  5. Schrittweise, sozial ausgewogene Streichung aller vom Umweltbundesamt identifizierten Subventionen für fossile Energie und Infrastruktur, Mobilität und Heizsysteme. 

Unterzeichnerinnen und Unterzeichner (alphabetisch) 

Prof. Dr. Pietro P. Altermatt 
Prof. Franz Baumann, Ph.D. 
Prof. Dr. Jelle Bijma 
Prof. Dr. Ulrich Brand 
Prof. Dr. Christian Breyer 
Dr. Friedrich Bohn 
Dr. Jens Clausen 
Prof. Dr. Marianne Darbi 
Prof. Dr. Claus-Heinrich Daub 
Assoc. Prof. Dr. Kirsten v. Elverfeldt 
Prof. Dr. Klaus Fichter 
Prof. Dr. Daniel Gembris 
Dr. Christoph Gerhards 
Dr. Edgar Göll 
Prof. Dr. Rainer Grießhammer   
Dr. Gregor Hagedorn 
Dr. Judith Nora Hardt 
Dipl.-Geol. Gabriele Harrer-Puchner 
Prof. Dr. Stefan Heiland 
Prof. Dr. Peter Hennicke 
Dr. Laura M. J. Herzog 
Dr. Niklas Höhne 
apl. Prof. Dr. Ulrike Jordan 
Prof. Dr. Jonathan Jeschke 
Prof. Dr. Claudia Kammann 
Prof. Dr. Jörg Kopecz 
Prof. Dr. Volker Wulfmeyer 
Prof. Dr. rer. nat. Harald Krause 
Prof. Dr. Reinhold Leinfelder 
Prof. Dr. Peter Lemke 
Prof. Dr.-Ing. Sven Linow 
Prof. Dr. Ellen Matthies 
Prof. Dr.-Ing. Stefan Müller 
Dr. Klaus Müschen 
apl. Prof. Dr. Michael Mutz  
Prof. Dr. Bernhard Neumärker 
Prof. Dr. Kai Niebert  
Prof. Dr. Pao-Yu Oei 
Prof. Dr. Andreas Oschlies 
Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-O. Poertner 
Dr. Guy Pe’er 
Prof. Dr. Barbara Praetorius 
Prof. Dr. Volker Quaschning 
Prof. Dr. Stefan Rahmstorf 
Prof. Dr. Dr. Martina Schäfer 
Prof. Dr. Tilman Santarius 
Prof. Dr. Jürgen Scheffran 
Prof. Dr. Matthias Schmelzer 
Prof. Dr.-Ing. Wulf-Peter Schmidt 
Dr. Marion Schroedter-Homscheidt 
Dr. Thomas Seifert 
Prof. Dr. Ralf Seppelt 
Prof. Uli Spindler 
Dr. Bernhard Steinberger 
Dr. Volker Stelzer 
Prof. Dr. Charlotte Streck 
Prof. Dr. Katja Tielbörger 
Prof. Dr. Britta Tietjen 
Dr. Dr. h.c. Manuela Troschke 
Dr. med. Katharina Truschinski 
Prof. Mario Tvrtkovic 
Dr.-Ing.  Lorena Valdivia Steel 
Prof. Dr. Doris Vollmer 
Prof. Dr. Urban Weber 
Prof. Dr. Michael Weiß 
Dr. phil. Christina West 
Dr. Heike Wex 
Dr. Marten Winter 

Kontakt: Scientists for Future Germany, Markus Feilner | mfeilner@scientists4future.org | scientists4future.org



     
        
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