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Pionier des Natur- und Umweltschutzes kurz vor seinem 101. Geburtstag gestorben

Prof. em. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Haber – Ein großer Wegbereiter der Landschaftsökologie und ein prägender Denker unserer Zeit

Ein Nachruf von Beatrice Voigt zum Tod von Wolfgang Haber: Prof. Udo Weilacher, Inhaber des Lehrstuhls für Landschaftsarchitektur und Transformation (LAT) an der Technischen Universität München, übermittelte mir eine traurige Botschaft „Ein großer Wegbereiter der Landschaftsökologie und ein prägender Denker unserer Zeit ist von uns gegangen".

© Qi Huang | Gestaltung: Udo WeilacherEs war davon auszugehen, dass der Augenblick des Abschieds nicht mehr in weiter Ferne liegen würde. Und doch erschüttert und schmerzt das unwiderrufliche Ende eines so einzigartigen Menschenlebens zutiefst. Die Trauer um den Verlust des weithin hochgeschätzten Wissenschaftlers und verehrten Menschen Wolfgang Haber werden viele Menschen in Nah und Fern empfinden – ganz besonders die Studierenden, denen er Wegbegleiter und Wegbereiter für Ihr berufliches und persönliches Leben war. In Dankbarkeit reihe ich mich in das Defilee der Glücklichen ein, die von ihm lernen und mit ihm gemeinsam denken durften.

Prof. Haber war stets offen für neue überraschende Denkansätze und verknüpfte sie mit dem weiten und tiefen Blick eines Landschaftsökologen der ersten Stunde – ja, eines Landschaftsphilosophen, der den kontinuierlichen Vermittlungs- und Anpassungsprozess zwischen Naturnotwendigkeit, Freiheit und Ordnung mit Blick auf landschaftliche, wirtschaftliche wie gesellschaftliche Gegebenheiten als grundlegend erachtete.

Dies hat er im Rahmen des transdisziplinären Symposiums „Vom Werden – Entwicklungsdynamik in Natur und Gesellschaft" mit der daraus hervorgegangenen Publikation (2019) mit seinem Beitrag „Werden aus ökologisch-evolutionärer Sicht – Über das Zusammenspiel von Natur- und Kultursystemen" eindrucksvoll dargelegt. Diese Gedanken stellte er dem Essay voran:

Leben ist selbst-organisiertes, innovatives Werden und Vergehen, das – als Evolution – bewusst nur vom Menschen erkannt werden kann und kulturelle Wertsetzungen erhält. Mit diesen sucht er das Werden zu gestalten, Natur in Kultur zu transformieren, und bringt damit deterministische Elemente in die Selbstorganisation. Das Ergebnis ist Fortschritt als neuer Teil vom Werden und steigert dessen – nunmehr als System begriffene – Komplexität, die damit zum Kennzeichen menschlicher Umwelt geworden ist. Zugleich wird aber Werden mit statisch aufgefasstem Sein durchsetzt, weil als wertvoll angesehene Schöpfungen von Kultur und Natur erhalten bleiben und nicht vergehen sollen. Diese Wertekultur trifft auf das allgemeine Lebensprinzip der Vielfalt, das auch kulturelle Weltsichten zwischen Globalisierung und Individualität umfasst, und Entscheidungen über Werden, Sein und Vergehen zu einer ständigen Herausforderung macht.

Gerne möchte ich diese Gedanken ergänzen durch ein Interview „Wolfgang Haber – Ökologe und Pionier des Natur- und Umweltschutzes", das ich anlässlich seines 100. Geburtstags am 13. September 2025 – auch als langjähriges Mitglied der Deutschen Humanökologischen Gesellschaft (DGH) – mit ihm führte. An gleicher Stelle finden Sie sein wissenschaftliches Curriculum. Der einhundertjährige Geburtstag war ebenfalls Anlass für ein Gespräch, das Prof. Weilacher mit drei namhaften Weggefährten von Prof. Haber führte und unter der Überschrift „Vom Naturwissenschaftler zum Philosophen" im Magazin „nodium #18" publizierte. Es ist ein bemerkenswertes Dokument, das vertiefte Einblicke in das Leben und Wirken des Wissenschaftlers gibt und den Erinnerungsbogen dieser Würdigung abrundet.

Am 13. August 2026 ist Wolfgang Haber kurz vor seinem 101. Geburtstag von uns gegangen. Sein Geist und seine Liebe zu Natur und Kultur sind sein Vermächtnis an uns – möge es einer lebendigen fruchtbaren Beziehung von Mensch und Landschaft zugutekommen.

In herzlichem Gedenken,
Beatrice Voigt

Kontakt: Beatrice Voigt, Kunst und Kulturprojekte & Edition | info@bea-voigt.de | www.bea-voigt.de



     
        
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