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Markus Elsässer
Technik | Energie, 01.06.2026

Energie für die Zukunft

Interview mit Solar Promotion Geschäftsführer Markus Elsässer

Die regenerative Energieerzeugung feiert immer weitere Rekorde. Was fehlt, ist die Koordination von Erzeugung und Verbrauch durch Energiespeicherung, intelligente Netze, Elektromobilität und vor allem verlässliche politische Rahmenbedingungen. Im forum-Interview erläutert Markus Elsässer, wie der Weg in eine moderne und resiliente Energiezukunft aussieht und was er mit der Sonderschau „Renewables 24/7" beweisen will.

Herr Elsässer, die Intersolar und die The Smarter E Europe gibt es bereits seit vielen Jahren. Was hat sich seitdem verändert? 
Markus Elsässer ist Gründer und Geschäftsführer der Solar Promotion GmbH, die gemeinsam mit der Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe GmbH & Co. KG die Messe The smarter E Europe ausrichtet. © SolarpromotionNach Tschernobyl war für mich klar: Wir können so nicht weitermachen. Wir brauchen eine sichere Energieversorgung. Aus dieser Überzeugung heraus entstand 1991 in Pforzheim die erste „Solar ’91" – der Grundstein der heutigen Intersolar. Was sich seitdem verändert hat? Eigentlich alles. Wir sind mit der Branche gewachsen: von einer kleinen lokalen Fachkonferenz mit nur fünf Ausstellern und 300 Besuchern zu einer internationalen Leitveranstaltung mit rund 2.800 Unternehmen und über 100.000 Besuchern aus aller Welt

Was sich besonders in den letzten Jahren verändert hat, ist der Reifegrad der Technologien. Früher ging es vor allem darum, Photovoltaik überhaupt marktfähig zu machen. Heute sprechen wir über ein komplexes, vernetztes Energiesystem. Themen wie Energiespeicherung, intelligente Netze, Elektromobilität und sektorübergreifende Lösungen sind in den Mittelpunkt gerückt.

Darauf haben wir reagiert: 2014 kam mit der ees Europe unsere Fachmesse für Batterien und Energiespeichersysteme dazu. 2018 haben wir The smarter E Europe gegründet, die erstmals die Branchen und Sektoren zusammenführte. Die EM-Power Europe, mit Fokus auf Energiemanagement und vernetzte Energielösungen, und die Power2Drive Europe, mit Fokus auf Ladeinfrastruktur und Elektromobilität, wurden in diesem Zuge gelauncht. Gleichzeitig hat sich der Rahmen verändert. Geopolitische Krisen haben deutlich gemacht, dass erneuerbare Energien nicht nur Klimaschutz bedeuten, sondern auch Versorgungssicherheit und Energieunabhängigkeit.

In diesem Jahr planen Sie erstmals eine Sonderschau zum Thema „Renewables 24/7". Was wollen Sie damit bewirken?
Unsere diesjährige Sonderschau „Renewables 24/7" ist der Realitätscheck für die aktuelle Debatte. Aktuell gewinnt ein gefährliches Narrativ an Kraft: Der Ausbau der Erneuerbaren sei „zu schnell". Das ist Unsinn. Wir bremsen heute nicht, weil wir zu weit sind, sondern weil wir die Versäumnisse der letzten zwei Jahrzehnte verwalten. Deutschland schleppt einen massiven Investitionsstau bei Netzen und Digitalisierung mit sich herum, der nun zur Modernisierungsbremse wird. Während Skeptiker vor „Zappelstrom" und „Dunkelflauten" warnen, liefern wir den Gegenbeweis. Mit der Sonderschau zeigen wir, dass ein Energiesystem auf Basis erneuerbarer Quellen funktioniert – und zwar zuverlässig, wirtschaftlich und rund um die Uhr.

Was sind die Hauptthemen der Sonderschau?
In vier Themenwelten beleuchten wir die Bereiche Wohnen, Gewerbe, Mobilität und – ganz entscheidend – die Industrie und beweisen dort jeweils ganz konkret: Ein erneuerbares System ist auch für einen Industriestandort wie Deutschland die logischste, sicherste und wirtschaftlichste Lösung. Auf der Sonderschau wird greifbar, wie Erzeugung, Speicher und intelligente Digitalisierung nahtlos ineinandergreifen. Wir zeigen die Herausforderungen der Volatilität und präsentieren die Lösungen, mit denen Unternehmen und Versorger ihnen heute souverän begegnen.

Welche Themenbereiche stehen in diesem Jahr außerdem im Mittelpunkt?
Das große Thema ist Flexibilität. Wir zeigen, wie wir diese Flexibilität technisch und wirtschaftlich schaffen. Ein Schwerpunkt sind Hybridkraftwerke. Hier werden beispielsweise Wind- und Solarparks direkt mit Großspeichern an einem Netzanschlusspunkt kombiniert. Das glättet die Einspeisung und entlastet die Netze.

In der Bidirectional Zone thematisieren wir das bidirektionale Laden, bei dem E-Autos zu mobilen Stromspeichern werden. Ebenso wichtig ist das Lastmanagement über Demand Side Flexibility (DSF). Hierbei verschieben sowohl Unternehmen als auch Endverbraucher ihren Verbrauch digital in Zeiten hoher Erzeugung. Diese Lösungen machen wir auch bei unseren Utility Guided Tours für Energieversorger und Netzbetreiber greifbar. 

Aber wann kommt denn nun endlich der Durchbruch in Sachen bidirektionales Laden und was tut sich sonst noch in Sachen Speicherung?
Bei der Speicherung erleben wir derzeit eine deutliche Beschleunigung. Batteriespeicher, sowohl im Heimbereich als auch im industriellen Maßstab, sind inzwischen wirtschaftlich und skalierbar. Gleichzeitig sehen wir große Fortschritte bei Hybrid- und Langzeitspeichern, etwa in Kombination mit Wasserstoff oder thermischen Lösungen.

Beim bidirektionalen Laden stehen wir am Übergang von Pilotprojekten zur Markteinführung. Die Technik ist weitgehend verfügbar, erste serienmäßige Fahrzeuge und bidirektionale Ladeinfrastrukturen sind bereits im Einsatz. Parallel dazu werden regulatorische Hürden schrittweise abgebaut: Mit der seit 2024 geltenden AFIR Verordnung, die zentrale ISO Normen verbindlich macht, sind die Voraussetzungen für interoperable Lösungen deutlich verbessert worden. In Deutschland wurden außerdem die doppelten Netzentgelte für zwischengespeicherten Strom abgeschafft.

Führend sind dabei Akteure, die Fahrzeugtechnik, Ladeinfrastruktur, Software und Energiemanagement integriert denken. Ein Beispiel ist das Car-Sharing-Projekt „Utrecht Energized" in den Niederlanden, das bidirektionales Laden erstmals im großskaligen Realbetrieb mit netzdienlicher Energieintegration umsetzt.

Wo sind gegenwärtig die Engpässe im System der erneuerbaren Energien?
Die größten Engpässe liegen nicht bei den erneuerbaren Erzeugungstechnologien selbst, sondern im System drumherum. Besonders kritisch sind die Netzinfrastruktur, langsame Genehmigungsverfahren und der Mangel an digitaler Vernetzung. Gleichzeitig fehlt es vielerorts an klaren und verlässlichen Rahmenbedingungen für Investitionen in Flexibilität. Kurz gesagt: Die Technik ist weiter als die Strukturen, in die wir sie einbinden.

An wem liegt es, das Thema Infrastruktur und Netze massiv zu beschleunigen?
Das ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Wir brauchen schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie verlässliche Investitionsbedingungen. Netzbetreiber, Kommunen und Unternehmen sind gleichermaßen gefordert, mutiger zu investieren und neue Technologien zügiger umzusetzen. Entscheidend ist, dass wir Silodenken überwinden. Genau dieses integrierte Denken möchten wir mit unserer Sonderschau voranbringen.

Zum Abschluss: Was ist Ihre Botschaft an unsere gegenwärtige (noch) Wirtschaftsministerin?
Meine Botschaft ist klar: Jetzt ist nicht die Zeit zum Zögern. Die Energiewende ist kein Risiko, sie ist die größte wirtschaftliche Chance, die wir in Europa seit Jahrzehnten hatten. Was wir brauchen, ist Verlässlichkeit: klare Ziele, stabile Rahmenbedingungen und den politischen Mut, Investitionen in Netze, Speicher und Digitalisierung entschlossen zu ermöglichen. Jeder Euro, den wir hier investieren, stärkt unseren Wirtschaftsstandort und unsere Unabhängigkeit. Die Technologien sind da, die Unternehmen sind bereit. Jetzt geht es darum, die Bremsen zu lösen und nicht noch einmal den Rückwärtsgang einzulegen.

Herr Elsässer, wir danken für das Gespräch und wünschen viel Erfolg mit Ihren Veranstaltungen, die wir gerne als Medienpartner unterstützen.

Markus Elsässer fördert erneuerbare Energien mit Leidenschaft. Mit der Sonderschau „Renewables 24/7” zeigt er die Lösungen für eine erfolgreiche Energiewende.

Dieser Artikel ist in forum 03/2026 - Frau Reiche – es reicht! erschienen.



     
        
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