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Fritz Lietsch

Europas Startups brauchen mehr als Geld

Erfahrung, Netzwerk und Know-How sind wichtige Faktoren für ihren Erfolg

Europa investiert Milliarden in Startups. Doch was Gründer*innen fehlt, ist nicht zwangs­läufig Geld, sondern Erfahrung: Nur 8 Prozent der europäischen VCs werden von Menschen geführt, die selbst schon einmal ein Unternehmen gegründet und zum Erfolg geführt haben. Operator Capital kann das ändern.

'Unternehmer*innen sind der stärkste Hebel für eine bessere Zukunft', sagt Co-CEO und betterventures- Gründerin Tina Dreimann. © Stephanie KernEuropa hat kein Geldproblem. Allein 2025 flossen laut KPMG Venture Pulse rund 85 Milliarden US-Dollar Venture Capital in europäische Startups. Fonds wie World Fund oder AENU mobilisieren gezielt Kapital für Klima- und Impact-Themen und haben in kurzer Zeit dreistellige Millionenbeträge eingesammelt.

Die klare Botschaft: Geld für gute Ideen ist da. Und trotzdem hakt es. Denn Kapital allein macht aus einer Idee noch kein Unternehmen. Was in der Frühphase oft fehlt, sind operative Erfahrung, Netzwerke und Marktzugang, kurz: die Unterstützung durch Menschen, die schon einmal ein Unternehmen aufgebaut haben. Dieses Problem zeigt sich besonders deutlich an der Kooperationslücke zwischen Startups und etablierter Wirtschaft.

Der Deutsche Startup Monitor 2024 zeigt hier einen Abwärtstrend, der aufhorchen lässt: Nur noch 37,5 Prozent der Startups bewerten die Zusammenarbeit mit etablierten Unternehmen als positiv; ein neuer Tiefstand. Die Gesamtzahl der Startups mit Kooperationserfahrung ist von 71,8 Prozent im Jahr 2020 auf 61,9 Prozent gesunken. Dabei wünschen sich 72 Prozent der Gründer*innen genau das: über Kooperationen zu wachsen.

Auf der anderen Seite sehen 90 Prozent der etablierten Unternehmen Startups als wichtige Innovationspartner, doch nur 11 Prozent der Startups erleben eine tatsächliche Kooperationsbereitschaft. Das zeigt der Report „Collaborate to Innovate" des Startup-Verbands. Die Gründe: langsame Prozesse, Risikoaversion, fehlende Erfahrung. 59 Prozent der etablierten Unternehmen finden unter 23.000 Startups schlicht den richtigen Partner nicht.
 
Fazit: Deutschland hat kein Innovationsproblem — es hat ein Kooperationsproblem.
 
„Operator Capital verbindet die Finanzierung durch Unternehmer*innen mit der gleichzeitigen Bereitstellung von Erfahrung, Netzwerk und Know-how. Diese praktische Unterstützung beschleunigt die Entwicklung von Startups.”

Zauberformel Operator Capital = Kapital + Erfahrung
Wer sich fragt, warum das Matching nicht funktioniert, stößt auf eine strukturelle Asymmetrie: In den USA werden laut Pitchbook rund 50 Prozent der Venture-Capital-Firmen von ehemaligen Gründer*innen geführt. In Europa sind es 8 Prozent. Diese Lücke erklärt, warum viele europäische Startups zwar Kapital bekommen, aber zu wenig operative Unterstützung. Doch gerade in der Frühphase entscheidet ein Faktor über fast alles: Geschwindigkeit.
 
Und Geschwindigkeit entsteht durch Investor*innen, die wissen, wie man ein Team aufstellt, einen Vertrieb skaliert oder eine Krise übersteht, weil sie es selbst erlebt haben. Eine Doktorarbeit der Münchener Startup-Schmiede CDTM bestätigt das: Aktive Unternehmer*innen als Business-Angels werden als die mit Abstand wertvollsten Investor*innen bewertet, deutlich vor klassischen VC-Fonds und nicht-operativen Angels.

Ein Akteur, der diese Lücke konsequent adressieren möchte, wurde 2020 in München gegründet. Das Unternehmen mit dem programmatischen Namen „better ventures" verfolgt als Direktinvestoren-Allianz für Impact-Startups einen Ansatz, der sich von klassischen Fonds grundlegend unterscheidet: Statt institutionelles Kapital zu verwalten, bringt es erfahrene Unternehmer*innen zusammen, die mit eigenem Geld, eigenem Wissen und eigenen Netzwerken direkt in Startups investieren – ohne Fondsstruktur, ohne Management Fee, dafür mit voller Transparenz und Direktbeteiligung.

„Unternehmer*innen sind der stärkste Hebel für eine bessere Zukunft", sagt Co-CEO und Gründerin Tina Dreimann. „Aber sie brauchen Investor*innen, die deutlich mehr mitbringen als Kapital und die wissen, wie sich Aufbau, Wachstum und Krise anfühlen."

Performance, die besticht
Über 250 Mitglieder aus mehr als 35 Branchen sind heute Teil dieses Netzwerks: Seriengründer*innen, Familienunternehmer*innen, C-Level-Führungskräfte mit zusammen über 900 vorangegangenen Startup-Investments. Sie bringen nicht nur Kapital mit, sondern Marktzugang, Lieferketten, Netzwerke und Jahrzehnte operativer Erfahrung. Genau die Art von Brücke zwischen alter und neuer Wirtschaft, die der Startup-Verband einfordert.

Das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen: Mehr als 250 Startup-Bewerbungen gehen monatlich bei better ventures ein. Investiert wird in die Top-1-Prozent, ausgewählt durch die kollektive Bewertung aller Mitglieder, unterstützt durch KI-gestützte Vorauswahl und eine Due Diligence mit über 50 Kriterien. In fünf Jahren hat das Netzwerk in über 65 Startups investiert, darunter Teams wie Magnotherm oder Oxyle, die zu den 100 vielversprechendsten Impact-Startups weltweit zählen.

Was ebenfalls auffällt: 35 Prozent der Mitglieder sind Frauen und 85 Prozent sind wöchentlich auf der eigens entwickelten Plattform aktiv. Dort können die „better angels" Interesse an Startups bekunden und sich direkt austauschen. Das ist ein Engagement-Wert, der über dem liegt, was die meisten Social-Media-Plattformen erreichen. Das Modell lebt, weil es offensichtlich Nutzen stiftet: schnellere Entscheidungen, bessere Diversifikation und kollektive Intelligenz statt Einzelmeinung.

Die Allianz will damit ihr Modell europaweit skalieren, mit dem Ziel, insgesamt 500 Startups zu finanzieren und 500 Millionen Euro zu mobilisieren – als Betriebssystem für eine neue Art des Investierens. Denn Europas Problem ist nicht der Mangel an Geld und auch nicht der Mangel an Macher*innen. Europas Problem ist, dass beide nicht zueinander finden. better ventures und das innovative Direkt-Investment-Modell wollen das ändern, indem sie zusammenbringen, was Europa schon hat und gleichzeitig so dringend braucht: Macher*innen, die wirklich sinnvolle Geschäftsmodelle für die nachhaltige Zukunft Europas auf den Weg bringen.
 
Weitere Informationen: 

Dieser Artikel ist in forum 03/2026 - Frau Reiche – es reicht! erschienen.

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