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Nadine Münch

Zukunft braucht Haltung

Warum enkelfähiges Handeln zur unternehmerischen Pflicht wird

Nachhaltigkeit ist nicht länger ein „Nice-to-have", sondern ein Muss, um in einer sich schnell verändernden Welt zu bestehen. forum zeigt, was Unternehmen tun können, um auch zukünftigen Generationen eine lebenswerte Welt zu hinterlassen – während sie gleichzeitig aktuelle Heraus­forderungen meistern und auch morgen noch erfolgreich sind.

© Mable Amber, pixabay.comAuch wenn es den Begriff (noch) nicht im Duden zu finden gibt – wer sich in der Nachhaltigkeits- Bubble bewegt, hat ihn vermutlich schon öfter gehört: Enkelfähigkeit oder auch Enkeltauglichkeit. Wer damit nichts anfangen kann: Es geht dabei nicht um die Fähigkeit, erfolgreich selbstgestrickte Socken unter die Familie zu bringen oder die Kunst, ein wandelnder Süßigkeitenschrank zu sein.
 
Vielmehr geht es darum, wie wir heute leben und wirtschaften – mit dem Ziel, dass auch die (über-)nächste Generation noch eine Welt hat, in der sie atmen und leben kann. Enkelfähigkeit bedeutet also, so zu handeln, dass man seinen nachfolgenden Generationen das geben kann, was sie am meisten brauchen: Eine intakte Welt, in der sie gut leben können.

Umgemünzt auf die Wirtschaft beschreibt Enkelfähigkeit die Fähigkeit von Unternehmen, so zu agieren, dass auch nachfolgende Generationen von den heutigen wirtschaftlichen Entscheidungen profitieren können. Dabei geht es nicht nur um finanzielle Stabilität, sondern auch um soziale und ökologische Verantwortung. Während heute kurzfristige Gewinne oft im Vordergrund stehen, denken enkelfähige Unternehmen langfristig. Sie investieren u.a. in nachhaltige Innovationen, schaffen stabile Arbeitsplätze und fördern eine Unternehmenskultur der Achtsamkeit und des Respekts.
 
Der Begriff fordert Unternehmen heraus, nicht nur im Hier und Jetzt zu agieren, sondern die Zukunft aktiv und positiv zu gestalten – für die eigenen Nachkommen, für die Gesellschaft und den Planeten. Unternehmen, die ressourcenschonend, fair und verantwortungsvoll wirtschaften, schaffen Werte, die über das kurzfristige Gewinnstreben hinausgehen.

Ein Muss für Unternehmen
Die Herausforderungen unserer Zeit – vom Klimawandel über Ressourcenknappheit bis hin zu sozialen Ungleichheiten – erfordern langfristiges Denken und Handeln. Unternehmen, die heute nicht nachhaltig agieren, riskieren morgen ihre Existenzgrundlage. Enkelfähigkeit bedeutet, diese Herausforderungen anzuerkennen und in zukunftsorientierte Strategien zu übersetzen. So schaffen Unternehmen nicht nur Stabilität für sich selbst, sondern tragen auch zu einer gesunden und stabilen Umwelt bei, in der sie langfristig erfolgreich wirtschaften können.

Langfristige Planung und nachhaltiges Handeln sind somit kein „nice to have" mehr – sie sind essenziell. Eine enkelfähige Strategie stärkt die Resilienz eines Unternehmens und ermöglicht es, sich flexibel an verändernde Rahmenbedingungen anzupassen. Sie bietet auch eine Antwort auf die wachsenden Anforderungen von Konsumenten, Investoren und der Gesellschaft nach mehr Verantwortung und Transparenz.
 
„Enkelfähige Unternehmen verbinden ökologische und soziale Nachhaltigkeit und sichern so gesellschaftliche Verantwortung und langfristige Wettbewerbsvorteile.”
Michael Schwienbacher, Initiator des „Beyond Economy Festivals"

Der Weg zur Enkelfähigkeit
Um enkelfähig zu werden, sollten Unternehmen verschiedene Schritte gehen. Es beginnt mit einer umfassenden Bestandsaufnahme: Wo stehen wir heute in puncto Nachhaltigkeit und Verantwortung? Auf Basis dieser Analyse können konkrete Maßnahmen entwickelt werden, die auf langfristige Ziele ausgerichtet sind.

Wichtige Schritte umfassen:
  • Transparenz schaffen: offene Kommunikation über die Auswirkungen des eigenen Handelns auf Umwelt und Gesellschaft.
  • Ressourcenschonend agieren: den eigenen Ressourcenverbrauch minimieren und auf nachhaltige Alternativen setzen.
  • Langfristig planen: Entscheidungen treffen, die nicht nur kurzfristigen Gewinn maximieren, sondern langfristige Stabilität sichern.
  • Soziale Verantwortung übernehmen: faire Arbeitsbedingungen schaffen und sich in der Gesellschaft engagieren.
Pioniere zeigen den Weg
Ein gutes Beispiel für ein enkelfähiges Unternehmen ist die Neumarkter Lammsbräu. Der Bio-Pionier zeigt, wie nachhaltiges Wirtschaften in der Praxis aussehen kann. Mit einem klaren Fokus auf ökologische Verantwortung, regionalem Engagement und fairen Produktionsbedingungen beweist der Getränkehersteller, dass enkelfähiges Handeln nicht nur möglich, sondern auch wirtschaftlich erfolgreich ist. Der Erfolg von Neumarkter Lammsbräu, deren Produkte zu 100 Prozent ökologisch sind, motiviert andere Unternehmen, diesen Weg ebenfalls einzuschlagen – und das schon seit 1977!

Auch Vaude, Hersteller von Outdoor-Bekleidung, ist ein hervorragendes Beispiel für enkelfähiges Wirtschaften. Das Unternehmen setzt auf umweltfreundliche Materialien und faire Arbeitsbedingungen entlang der gesamten Lieferkette. Vaude engagiert sich zudem stark für die Kreislaufwirtschaft, indem es auf langlebige Produkte setzt und Reparaturservices anbietet. Durch diesen Ansatz schafft Vaude nicht nur einen positiven ökologischen Fußabdruck, sondern stärkt auch die soziale Verantwortung gegenüber seinen Mitarbeitenden und der Gesellschaft.

Ein weiteres Best Practice ist Alnatura, ein Unternehmen, das Bio-Lebensmittel vertreibt und dabei den Fokus auf nachhaltige Landwirtschaft und faire Partnerschaften legt. Alnatura fördert Projekte, die den Erhalt der Biodiversität unterstützen und setzt auf langfristige Kooperationen mit regionalen Landwirten. Damit sorgt das Unternehmen dafür, dass alle Beteiligten, von den Produzenten bis zu den Konsumenten, langfristig profitieren.
 
Alnatura zeigt eindrucksvoll, dass die Integration von ökologischer und sozialer Verantwortung in das Geschäftsmodell nicht nur möglich, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll ist. Unternehmen sind jetzt gefragt, die Grundlagen für eine erfolgreiche und nachhaltige Zukunft zu legen – zum Wohl der nachfolgenden Generationen und der gesamten Gesellschaft.

Wichtige Enkelfähigkeit-Akteure

  • Enkelfähigkeit-Akademie: Unterstützt Unternehmen durch Seminar-Programme, Beratungsservices und einem Business Ecosystem dabei, langfristig nachhaltig und erfolgreich zu sein.
  • Enkelfähig e.V. : Initiative der Haniel-Gruppe, die u.a. durch den Enkelfähig Summit und den Enkelfähig Campus nachhaltige Unternehmensführung fördert.
  • Enkeltaugliches Österreich: Bewegung, die sich für eine zukunftsfähige und nachhaltige Gestaltung der österreichischen Landwirtschaft, Wälder, Landschaft und Wirtschaft einsetzt.
  • Gemeinwohl-Ökonomie: Netzwerk von Unternehmen und Organisationen, das das Ziel verfolgt, das Wirtschaften auf gemeinwohlorientierte Werte auszurichten und damit enkelfähige Wirtschaftssysteme zu etablieren.
Zum Nachlesen und -hören
  • Nachhaltigkeit als Unternehmensstrategie: Der notwendige Umbau der Wirtschaft zu mehr Nachhaltigkeit bietet immer mehr Familienunternehmen Chancen, aber auch Herausforderungen – darüber schreibt Felix A. Zimmermann in seinem Buch „ESG Made in Germany – Nachhaltigkeit als Unternehmensstrategie in deutschen Familienunternehmen".
  • Warum Unternehmen enkelfähig werden müssen: Diese Folge des Podcasts „TEILZEIT TALENTE – Erfolgreich in Führung" behandelt das Thema, warum Unternehmen enkelfähig werden müssen.
Nadine Münch ist gelernte Journalistin. Als Beraterin für Kommunikation und digitales Marketing hat sie namhafte Unternehmen strategisch begleitet und Brands positioniert. Heute unterstützt sie bei der Enkelfähigkeit®-Akademie Unternehmen, die enkelfähige Strategien schaffen und damit nachhaltig erfolgreich sein wollen.

Dieser Artikel ist in forum 04/2025 - Zukunft gestalten erschienen.



     
        
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