Johanna Schwarz
Technik | Green IT, 01.09.2025
Green IT!
Mit Refurbished-Hardware Klima und Budget schonen
IT-Geräte landen oft viel zu früh im Elektroschrott – und mit ihnen wertvolle Ressourcen. Refurbishing ist die smarte Lösung für Unternehmen, die CO2 sparen, Kreisläufe schließen und zugleich ihre IT-Ausgaben senken wollen. Der Clean Industrial Deal macht Vorgaben, aber Pioniere handeln schon heute: mit zertifizierten Partnern, die IT-Geräte sicher wieder nutzbar machen – sozial, wirtschaftlich und ökologisch.
Rohstoffe schonen und die Kreislaufwirtschaft stärken – das sind die zentralen Ziele, die die neue EU-Initiative „Clean Industrial Deal" verfolgt. Besonders in gebrauchter IT-Hardware bleiben wertvolle Materialien oft ungenutzt. Eine Lösung: Unternehmen, die ihre aussortierten Geräte einem IT-Refurbisher übergeben, sparen nicht nur Entsorgungskosten, sondern senken auch ihre CO2-Emissionen und bringen Ressourcen zurück in den Kreislauf.Neue Anforderungen an die IT-Wirtschaft
Die Zielrichtung des Clean Industrial Deals bleibt klar: Unternehmen haben damit die Chance, ihre CO2-Emissionen zu senken. Gleichzeitig soll die europäische Wirtschaft krisenfester werden – durch mehr Unabhängigkeit von internationalen Lieferketten, Händlern und Regierungen. Mittel dazu sind Dekarbonisierung, Ressourceneffizienz und Kreislauffähigkeit.
Gerade im IT-Bereich ist das eine große Herausforderung. Der wachsende Einsatz von KI wird den millionenfachen Bedarf an Servern, Laptops oder Tablets weiter erhöhen. In diesen Geräten stecken tonnenweise Ressourcen, die aber größtenteils schon nach zwei bis drei Jahren brachliegen, wenn die Modelle durch leistungsfähigere Neuware ersetzt werden.
Diese frühzeitige Ausmusterung zu stoppen und durch ein Kreislaufmodell zu ersetzen, ist essenziell – auch, weil der Clean Industrial Deal bald konkrete Vorgaben für Beschaffung und Vergaberecht bringen wird.
Neben „Made in Europe" sollen auch Nachhaltigkeits- und Resilienzkriterien stärker ins öffentliche und private Beschaffungswesen einfließen. Die EU plant außerdem, den Rohstoff-Einkauf zu bündeln und insbesondere das Recycling knapper Rohstoffe voranzutreiben.
Bis 2030 sollen 24 Prozent aller Stoffe kreislauffähig sein. Gerade bei IT-Geräten ist das komplex: Schon ein Smartphone enthält über ein Dutzend Metalle – darunter Seltene Erden in Kleinstmengen, schwer trennbar und oft klimaschädlich gewonnen. Umso schmerzhafter ist die kurze Nutzungsdauer.
Refurbishing und Remarketing etablieren Kreisläufe
Hier kommt die nachhaltige Beschaffung ins Spiel, die den Einkauf von Waren oder Dienstleistungen einschließen kann. Bei Letzterem können sich Konzerne wie Mittelständler für die Wiederaufbereitung und Wiedervermarktung ihrer gebrauchten IT entscheiden, um dabei wertvolle Ressourcen zu schonen und ein klares Zeichen zu setzen. Professionelle IT-Refurbisher verlängern die Lebensdauer von Geräten und führen nicht verwertbare Komponenten zertifiziert dem Recycling zu. Ein professioneller, zertifizierter Partner ist obligatorisch, um dem Schutz sensibler und personenbezogener Daten Rechnung zu tragen.
Im Mittelpunkt steht deshalb die Datensicherheit: Gebrauchte Notebooks, Smartphones & Co. müssen absolut zugriffssicher zum Refurbisher transportiert, DSGVO-konform gelöscht oder nicht löschbare Datenträger vernichtet werden. Danach erfolgen die technische Prüfung, Reinigung und gegebenenfalls der Austausch defekter Teile.
Ist der Refurbisher von Microsoft autorisiert, wird zudem eine Microsoft-Lizenz installiert. So entsteht ein fast neuwertiges Gerät, das meist über Online-Plattformen nebst Versandlogistik oder lokale Shops mit geschultem Personal verkauft wird. Nicht wieder verkaufbare Geräte werden in einem zertifizierten Recycling zerlegt, ihre enthaltenen Wertstoffe umweltschonend getrennt und fachgerecht in die Rückgewinnung verbracht.
Garantierte Sicherheit nur bei zertifizierten IT-Unternehmen
Hundertprozentige Datensicherheit, nachweislicher Umweltschutz, gesetzeskonformes Recycling und CO2-Einsparungen – diese Kriterien erfüllen zertifizierte IT-Refurbisher. Unternehmen wie AfB social & green IT, Refurbed, Rebuy, circulee, TKBC oder Swappie bieten entsprechende Prozesse und Nachweise an. Einige stellen darüber hinaus Wirkungsurkunden zur Verfügung, etwa zur Ressourceneinsparung oder zur sozialen Wirkung durch Inklusion.
So betont etwa Hanna Hennig, CIO von Siemens: „Wir haben einen verlässlichen, sozial engagierten Partner für unsere ausrangierte IT-Hardware gefunden, dessen Prozesse hinsichtlich Datensicherheit auf höchstem Niveau sind. Wir übernehmen Verantwortung für die Umwelt durch Abfallreduzierung und Recycling."
Eine Besonderheit bildet die gemeinnützige GmbH AfB, welche ökologische mit sozialer Nachhaltigkeit kombiniert, indem sie Menschen mit Behinderung beschäftigt und deren berufliche Teilhabe fördert. Eine externe wissenschaftliche Stude belegt, dass 60 Prozent der Mitarbeitenden mit Behinderung eine Verbesserung der Lebenssituation durch ihre Arbeit bei AfB erleben im Vergleich zur vorherigen Tätigkeit. Andere Anbieter wiederum legen verstärkt Wert auf CO2-Kompensation, schlanke digitale Prozesse oder besonders breite Produktverfügbarkeit.
Nachhaltigkeit braucht Vielfalt
Unternehmen profitieren bei der Wahl eines passenden Refurbishing-Partners von einem wachsenden Marktangebot: Je nach Schwerpunkt – etwa regionale Nähe, Social Procurement, CO2-Transparenz oder bestimmte Gerätekategorien – lassen sich individuelle Anforderungen bedienen. Wichtig ist vor allem eines: Die Anbieter sollten nachweislich zertifiziert, DSGVO-konform und ökologisch sowie sozial verantwortlich handeln.
Denn die Kreislaufwirtschaft im IT-Bereich kann nur dann dauerhaft Wirkung entfalten, wenn möglichst viele Player mit etablierten Qualitätsstandards daran mitwirken und Unternehmen bereit sind, Refurbishing als festen Bestandteil ihrer IT-Strategie zu etablieren.
Wichtige IT-Refurbisher
- AfB social & green IT | www.afbshop.de
- Back Market | www.backmarket.de
- circulee | www.circulee.com
- Refurbed | www.refurbed.de
- Rebuy | www.rebuy.de
- Swappie | www.swappie.com
- greendevice business GmbH | www.greendevice.eco
Checkliste
Auswahl eines Anbieters für eine nachhaltige IT-Verwertung
- Verfügt der Anbieter über Standorte in der Region?
- Sind seine Services zertifiziert, z.B. mit ISO 9001, 14001, 27001?
- Unterliegen seine Prozesse der DSGVO?
- Verwendet er zertifizierte Löschsoftware und besitzt eigene Schredder?
- Weist er die ökologische Wirkung unabhängig nach und ist bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung behilflich?
- Handelt er sozial nachhaltig, z.B. durch Inklusion im Betrieb?
- Stellt er Datenvernichtungsnachweise zur Verfügung?
Dieser Artikel ist in forum 04/2025 - Zukunft gestalten erschienen.
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