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BIOFACH-Gründer Hagen Sunder feiert 85. Geburtstag

Pionier und Impulsgeber der Bio-Branche

Hagen Sunder ist eine jener Schlüsselpersönlichkeiten der Bio-Branche, ohne die die Bio-Welt 2026 vermutlich anders aussähe. Anders als andere Bio-Pioniere setzte er nicht auf den Aufbau einer Marke oder eines Produktsortiments. Mit der Gründung der BIOFACH, heute die internationale Leitmesse für Bio, trug er maßgeblich dazu bei, dass sich die damals noch junge Bio-Branche präsentieren, vernetzen und neue Zielgruppen erreichen konnte und letztlich aus der Müsli-Ecke in der Mitte der Gesellschaft ankommen konnte.
 
Das BIOFACH-Team im Jahr 2000 (Hagen Sunder ganz rechts) © ÖKOWELT GmbH Dabei ging es ihm nicht primär um den wirtschaftlichen Erfolg, sondern immer auch um die gesellschaftliche und politische Veränderung: Sunder wollte mit seiner Arbeit einen Beitrag für ein grundlegendes Umdenken der Menschheit leisten – und Bio war für ihn ein zentraler Baustein für die Sicherung unsere zukünftigen Lebensgrundlagen. 

Sein Lebenslauf begann ganz „normal" mit einer Ausbildung zum Industriekaufmann und einem Studium der Wirtschaftswissenschaften. Der entscheidende Impuls, der seine Zukunft prägen sollte, war für ihn der 1972 erschienene Bericht „Die Grenzen des Wachstums" des Club of Rome. „Hier wurde zum ersten Mal klar, dass wir unsere Lebensgrundlagen vernichten, wenn wir den blauen Planeten weiter so ausbeuten", erinnert sich Sunder. Er begann, politisch aktiv zu werden, war bei der Gründung der bayerischen Grünen dabei. Doch bald kehrte er der Parteiarbeit den Rücken: „Ich kam zu der Überzeugung, dass die ökologischen Zustände wirksam durch ein verändertes Verhalten der Verbraucherinnen und Verbraucher verbessert werden können."
 
Er entwickelte einen Wassersparer, den er auf den ersten alternativen Märkten und Messen anbot. „Vielfach bestand das Angebot dieser Märkte aus einem Sammelsurium von Pseudo-Bio- und -Öko und viel Esoterik. Das schadete der ganzen Bewegung", erinnert sich Sunder. Deshalb veranstaltete er ab 1985 mit seinem Partner Hubert Rottner 28 ÖKO-Märkte in 14 Städten. Bereits diese Veranstaltungen trugen wesentlich zur Marktentwicklung bei. Die neu entstehende Branche brauchte aber vor allem eine Plattform für den Handel, die sowohl einen umfassenden Überblick über das sich entwickelnde Sortiment, als auch persönliche Begegnung, Erfahrungsaustausch und Wissensvermittlung bot. 

Hagen Sunder ging es immer um mehr als nur den wirtschaftlichen Erfolg: Für ihn ist Bio ein Beitrag zur Sicherung unserer Lebensgrundlagen. © Hagen Sunder Im März 1990 veranstaltete Hagen Sunder gemeinsam mit Hubert Rottner und Jürgen Ries die erste BIOFACH in der Stadthalle Ludwigshafen. Bio-Lebensmittel waren von Anfang an das Kernangebot der Veranstaltung. Die Veranstalter leisteten echte Pionierarbeit: Pseudo-Bio sollte keinen Platz auf ihrer Messe finden, alle ausgestellten Produkte mussten die strengen Anforderungen der ökologischen Anbauverbände wie Bioland oder Naturland und die Anforderungen des ebenfalls noch jungen Branchenverbands BNN erfüllen – die EU-Bio-Verordnung trat nämlich erst 1992 in Kraft. Es waren Jahre stürmischen Wachstums, die Nachfrage nach Bio stieg, die Sortimente wurden ausgebaut: „Von Produzenten für Instant-Kaffee und Fertiggerichten bis hin zu Snack- und Softdrink-Anbietern kamen ständig neue Vertreiber dazu", erinnert sich Hagen Sunder.
 
Parallel verzeichnete die BIOFACH ein stetiges Wachstum von Ausstellern und Besuchern, das in den folgenden Jahren mehrere Umzüge nötig machte. Auch das ergänzende Angebot auf der Messe wuchs kontinuierlich, vom Neuheitenstand, der Prämierung zum Produkt des Jahres, einem Winzerdorf mit Weinpreis bis zur Olivenölbar, selbstverständlich ergänzt von einem großen Vortrags- und Forenprogramm. 2001, Messestandort war seit 1999 das Messegelände in Nürnberg, entschloss sich Hagen Sunder mit seinem Team, die BIOFACH an die NürnbergMesse zu verkaufen: „Die Bio-Bewegung war inzwischen international geworden. Unser wichtigster Förderer, der internationale Bio-Verband IFOAM, drängte uns, die BIOFACH in Nord- und Südamerika sowie in Asien zu etablieren. Doch das hätte unsere personellen und finanziellen Möglichkeiten gesprengt." Eine Entscheidung, zu der er nach wie vor steht: „Heute sehe ich nicht ohne Stolz, dass die BIOFACH jedes Jahr nicht nur in Nürnberg, sondern auch weltweit, in Atlanta, São Paulo, Tokio, Bangkok, Shanghai, Neu-Delhi und Riad stattfindet." 

Die Entwicklung der Bio-Branche und insbesondere der von ihm mitgegründeten BIOFACH beobachtet Hagen Sunder nach wie vor aufmerksam: Die von der Messe Nürnberg jüngst angestoßenen Überlegungen, auch nicht zertifizierte Bio-Produkte, zum Beispiel aus dem Fair Trade-Bereich, auf der BIOFACH auszustellen, haben ihn entsetzt: „Das wäre ein echter Rückschritt." Stattdessen wünscht er sich, dass von der BIOFACH wieder eine stärkere Signalwirkung nicht nur für die internationale Bio-Branche, sondern auch für die breite Öffentlichkeit ausgeht, denn: „Schließlich geht es bei der Umstellung auf ökologischen Landbau um den dauerhaften Erhalt der Bodenfruchtbarkeit und damit um die Lebensgrundlage der Menschheit." Und nicht weniger als das ist es, was es dem Bio-Pionier Hagen Sunder wirklich wichtig war und ist. 

Kontakt: Harting & Tovar GmbH, Mathis Junker | junker@harting-tovar.de | www.harting-tovar.de



     
        
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