Bauindustrie fordert präzisere Ökobilanzen im QNG

Produktspezifische Umwelt- und CO2-Daten sollen auch bei QNG-Nachweisen im Rahmen von DGNB-Zertifizierungen berücksichtigt werden

Sechs führende Bau- und Baustoffunternehmen fordern eine Anpassung des Qualitätssiegels Nachhaltiges Gebäude. Verifizierte, produktspezifische Ökobilanzdaten wie EPDs sollen künftig bei der Bewertung anerkannt werden. Das ist auch für QNG-Nachweise im Rahmen von DGNB-Zertifizierungen relevant und soll dafür sorgen, dass emissionsarme Bauprodukte sichtbar werden und stärkere Anreize für klimafreundliche Innovationen entstehen.

© Joffi, pixabay.com
Das Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude (QNG) ist das staatliche Nachhaltigkeitszertifikat des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB). Es legt verbindliche Anforderungen an die ökologische, soziokulturelle und ökonomische Qualität von Bauwerken fest und ist maßgeblich für die Vergabe von Förderprogrammen mit Nachhaltigkeitsbezug.
 
Handlungsbedarf
Das QNG schreibt für die Ökobilanzierung die Verwendung generischer Branchendurchschnittswerte aus zentralen Rechenwerttabellen vor. Nachweislich CO2-optimierte Produkte einzelner Hersteller, die die Umweltwirkung eines Bauwerks verringern können, finden in der Nachweisführung von QNG und damit in der Förderung keine Anrechnung. Infolgedessen wird der Mehrwert emissionsarmer Produkte in den Ergebnissen der Ökobilanz nicht abgebildet und somit ihr Einsatz nicht gefördert. Planer und Bauherren erhalten dadurch keine Motivation, emissionsarme Produkte einzusetzen, während Herstellern wichtige Anreize zur Entwicklung emissionsarmer Lösungen genommen werden. Dieser Ansatz hemmt die Weiterentwicklung innovativer, klimaschonender Lösungen im Bausektor und steht im Widerspruch zu den Förderzielen des QNG.

Zudem sind Rechenwerttabellen in einem dynamischen Umfeld, wie zum Beispiel die stetige Weiterentwicklung von Produkt- und Materialeigenschaften, nur bedingt aussagefähig, weil sie keine aktuellen Werte enthalten und nicht alle Produktspezifikationen abbilden.
 
Forderung
Produktspezifische, verifizierte Ökobilanzdaten – wie Umweltproduktdeklarationen (EPDs) und Einträge in der ÖKOBAUDAT nach DIN EN 15804+A2 – sollten für die Ökobilanzierung im QNG ausdrücklich zugelassen werden. Nur so können die tatsächlichen Umweltwirkungen von Bauprodukten berücksichtigt und CO2-optimierte Lösungen angemessen bewertet werden.

Die Einbeziehung individueller Produktdaten schafft gezielte Anreize für Innovation und Wettbewerb und ermöglicht eine effektive Förderung emissionsmindernder Bauweisen. Wir fordern daher, die QNG-Vorgaben so anzupassen, dass produktspezifische Ökobilanzdaten nach DIN EN 15804+A2 uneingeschränkt genutzt werden können. Dies fördert die Entwicklung emissionsarmer Produkte und Bauweisen und trägt zur Erreichung der Klimaschutzziele im Bausektor bei.

Mitunterzeichner
  • Dr. Michael Six, Goldbeck GmbH
  • Thorsten Hahn, Holcim (Deutschland) GmbH
  • ppa. Prof. Josef Steretzeder, Lindner Group KG
  • ppa. Dr. Thomas Schlenker, Schüco International KG
  • Dr. Eike Messow, Sto SE & Co. KGaA
  • André Körner, ArcelorMittal Germany Holding GmbH
Hier finden Sie das Positionspapier der DGNB.

Über die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen – DGNB e.V.
2007 gegründet, ist die DGNB heute mit über 2.800 Mitgliedsorganisationen Europas größtes Netzwerk für nachhaltiges Bauen. Ziel des Vereins ist es, Nachhaltigkeit in der Bau- und Immobilienwirtschaft zu fördern und im Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit zu verankern. Mit dem DGNB Zertifizierungssystem hat die unabhängige Non-Profit-Organisation ein Planungs- und Optimierungstool zur Bewertung nachhaltiger Gebäude und Quartiere entwickelt, das dabei hilft, die reale Nachhaltigkeit in Bauprojekten zu erhöhen. Dabei fußt das DGNB System auf einem ganzheitlichen Nachhaltigkeitsverständnis, das die Umwelt, den Menschen und die Wirtschaftlichkeit gleichermaßen einbezieht. Über die Fort- und Weiterbildungsplattform DGNB Akademie wurden zudem bereits mehr als 12.000 Personen in über 60 Ländern zu Experten für nachhaltiges Bauen qualifiziert.

Kontakt: Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen - DGNB e.V., Felix Jansen | f.jansen@dgnb.de | www.dgnb.de



     
        
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